US-Vorwahl Republikaner beugen sich Donald Trump

"Wer mich angegriffen hat, ist untergegangen", sagte er neulich. Seine Rivalen scheinen das einzusehen - und attackieren ihn kaum noch.

Kommentar von Nicolas Richter, Washington

Die Republikaner haben resigniert. Sie wirken erschöpft und ratlos und voller Sehnsucht, dass ihre surreale Vorwahl endlich zu Ende geht. Anscheinend ist ihre Sehnsucht so groß, dass sie sogar Donald Trump als Kandidaten für das Weiße Haus akzeptieren würden.

Trump hat in dieser Woche gesagt, "der Islam" hasse Amerika. Seine Rivalen haben ihn dafür so müde kritisiert bei der TV-Debatte am Donnerstag, als hielten sie es für eine Verschwendung ihrer schwindenden Energie. Sie wissen inzwischen, dass Trump sagen kann, was er will, und trotzdem eine Vorwahl nach der anderen gewinnt. Trump selbst wunderte sich auf der Debattenbühne am meisten darüber, wie gesittet es dort zuging, oder eher, wie viel Milde ihm zuteilwurde.

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Die anderen Kandidaten fügen sich in die Niederlage

Donald Trump hat seine Gegner zermürbt. "Wer mich angegriffen hat, ist untergegangen", sagte er neulich. Seine Rivalen scheinen das einzusehen. Marco Rubio hat sich mit seinen anzüglichen Anspielungen auf Trumps Gliedmaßen so blamiert, dass er sich kaum traut, Trump noch anzusprechen. Ted Cruz arbeitet routiniert die Unterschiede heraus, verdeutlicht dabei aber letztlich nur, dass er ein Ideologe ist und auch keine bessere Alternative für die Partei. Trumps Rivalen haben alles versucht, um den Favoriten zu stürzen; nicht vieles hat funktioniert, und das meiste kam zu spät. Jetzt scheinen sie sich in die Niederlage zu fügen.

Bevor die Kandidaten die Bühne betraten, appellierte Reince Priebus, eine Art Parteigeschäftsführer, zur Geschlossenheit und dazu, den Vorwahlsieger zu akzeptieren. Es ist beispiellos, dass ein verantwortlicher Republikaner dies fordern muss. Priebus fürchtet, dass die Partei im Streit über Trump im Wortsinne zerfällt.

Trump spielt derweil den Staatsmann

Das bedeutet: Ja, es gibt noch immer Versuche, Trump um jeden Preis zu verhindern, notfalls mit einem Coup beim Parteitag im Juli. Aber es bedeutet auch: Manchen wäre ein Kandidat Trump lieber, als die Einheit der Partei zu riskieren. Womöglich kommen die Republikaner noch zu dem Ergebnis, dass man Trump aussitzen muss, statt ihn zu bekämpfen.

Trump selbst kann es sich derweil schon erlauben, den Staatsmann zu spielen. Auf der Debattenbühne hat er seinen Ton gemäßigt, auf persönliche Angriffe gegen seine Rivalen verzichtete er am Donnerstag komplett. Am Ende freute er sich über einen "eleganten Abend", und das nutzt ihm am allermeisten. Sollte er in der kommenden Woche in Florida gewinnen, wäre die Vorwahl entschieden. Trump wird dann den altersmilden Versöhner spielen. Seiner Partei scheinen nicht mehr nur die Mittel zu fehlen, ihn loszuwerden, sondern zunehmend auch der Wille.

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