US-Vorwahlen Ab jetzt: Trump gegen Clinton

Die ehemalige First Lady zeigt Sanders die Grenzen auf und der Sieg des Milliardärs in Florida bedeutet das Ende eines weiteren Establishment-Lieblings.

Analyse von Matthias Kolb, Austin

Am zweiten Super Tuesday mit Wahlen in fünf Bundesstaaten siegen erneut die Favoriten. Bei den Republikanern gewinnt Milliardär Donald Trump in mindestens drei Staaten, während John Kasich einen Heimsieg in Ohio feiert. Senator Marco Rubio aus Florida kassiert genau dort eine demütigende Niederlage und beendet seine Kandidatur. Ted Cruz, der dritte verbliebene Bewerber, sammelt fast unbemerkt viele Delegierte ein.

Die Demokratin Hillary Clinton jubelt über eine 80-Prozent-Erfolgsquote, denn die Siege in Florida und Ohio (neben North Carolina und Illinois) untermauern ihr Argument, sie habe die besten Chancen bei der Präsidentschaftswahl am 8. November. Bernie Sanders kann nur in Missouri mithalten, liegt aber auch dort knapp zurück und fällt im Delegierten-Rennen weiter hinter die Ex-Außenministerin zurück.

Was das Ergebnis für die Kandidaten bedeutet, lesen Sie hier:

Marco Rubio (44, Senator aus Florida)

Für den jüngsten Bewerber ist die Konsequenz klar: Er ist kein Präsidentschaftskandidat mehr. 27 Prozent in Florida sind viel zu wenig, wenn man einen Heimsieg angekündigt hat. Der Establishment-Liebling steigt aus dem Rennen aus. Er habe einen optimistischen Wahlkampf geführt, sagt er in Miami, aber wegen des Trump-Tsunamis werden er und seine Anhänger dieses Jahr "nicht auf der Gewinnerseite sein." David Axelrod, Ex-Berater von Obama, bringt Rubios Probleme bei CNN auf den Punkt: "Er war der Liebling von allen und am Ende hat sich keiner für ihn entschieden." Rubio wollte alle gleichzeitig glücklich machen - und konnte damit nur scheitern.

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John Kasich (63, Gouverneur von Ohio)

Einer hat es geschafft, Trump zu schlagen: John Kasich hat in seinem Heimatstaat auch die 25. Wahl seiner Polit-Karriere gewonnen. Er sammelt damit Ohios 66 Delegierte ein und ist nun der Vertreter des Establishments beziehungsweise des Pragmatiker-Flügels (nicht Rubio, Jeb Bush oder die Gouverneure Chris Christie und Scott Walker). Kasich argumentiert so: Wenn mehr US-Bürger auf ihn aufmerksam werden, dann erhält er mehr Stimmen. Klingt gut - und zugleich abenteuerlich, denn sein Triumph in Ohio ist der einzige Sieg in 27 Vorwahlen.

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Donald Trump (69, Immobilien-Milliardär)

Es ist der dritte Dienstag im März und zum dritten Mal feiert der Milliardär Siege, die - je nach Position - beeindruckend oder beängstigend sind. Der 69-Jährige gewinnt in Illinois ebenso wie im Südstaat North Carolina und schlägt Rubio im Latino-geprägten Florida mit knapp 20 Punkten Vorsprung. Seine Themen - Mauer an der Grenze zu Mexiko, weniger Freihandel, mehr Militär - sowie sein Versprechen, Amerika zu alter Stärke zurückzuführen, kommen bei Millionen US-Wählern an. Sie stimmen für Trump, weil sie frustriert, nostalgisch und wütend sind.

Die Kontroversen um die Gewalt bei Trump-Events und seine rassistischen Sprüche schaden ihm ebenso wenig wie die vielen Millionen, die seine Rivalen in Negativ-Werbeclips pumpen. Dass Kasich in Ohio gewonnen hat, dürfte ihn nur stören, weil Ohios Gouverneur nun länger im Rennen bleibt. Dies macht es für Trump schwerer, die Mehrheit von 1267 Delegierten zu erreichen. Ansonsten hätte der Abend nicht besser laufen können.

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Ted Cruz (45, Senator aus Texas)

Der Name des texanischen Hardliners fällt an diesem Abend fast nie, weil alle auf Trumps Ergebnisse in den Heimatstaaten von Rubio und Kasich starren. Doch Cruz, den seine Fans als "echten Konservativen" feiern, wird in North Carolina und Illinois Zweiter und liefert sich in Missouri ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Trump. So sammelt er viele Delegierte: Sie werden in diesen Staaten nach Wahlkreisen vergeben und Cruz hat gezielt die konservativsten Wähler umworben, um Trumps Vorsprung zu begrenzen.

Konfetti bei Kasich, Tränen bei Rubios Anhängern

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Hillary Clinton (68, Ex-Außenministerin):

Was für einen Unterschied eine Woche macht: Bernie Sanders' Erfolg in Michigan weckte Zweifel, ob Clinton im Mittleren Westen und bei weißen Arbeitern punkten kann. Dieser Abend wischt diese Zweifel weg: Sie kann. Die Ex-Außenministerin gewinnt in Ohio mit 13 Punkten Vorsprung. Das ist symbolisch enorm wichtig, denn seit 1964 wurde jeder Kandidat, der dort in der Hauptwahl vorne lag, später Präsident: Der Geschmack von Ohios Wählern trifft die Stimmung im Land also bisher sehr gut.

Ihr 30-Punkte-Vorsprung in Florida und der Sieg in North Carolina vergrößern nicht nur ihren Vorsprung bei den Delegierten, sondern beweist ihre anhaltende Popularität bei Latinos und Schwarzen. Das Argument ihrer Berater, dass Sanders ein beziehungsweise mehrere Wunder benötigt, um von den Demokraten nominiert zu werden, klingt nun sehr überzeugend. Die Kandidatin selbst kann sich in ihrer Siegesrede also präsidial geben.

Bernie Sanders (74, Senator aus Vermont):

Wenn der Abend für Clinton "nahezu perfekt" verläuft, dann muss Bernie Sanders unzufrieden sein. Er versuchte in Ohio und Illinois alles, um die Menschen zu mobilisieren, die wegen der Globalisierung und stagnierender Löhne verärgert sind. Die Wähler also, die ihm in Michigan den Sieg bescherten. Das glückte nicht, weshalb sich das Narrativ nun ändert. Ein Erfolg des "demokratischen Sozialisten" im symbolisch bedeutsamen Ohio (siehe oben) hätte im Clinton-Lager und in den Medien für Unruhe gesorgt. So bleibt Sanders der Kandidat, den vor allem weiße Wähler und unter 30-Jährige unterstützen: Das reicht nicht. Aufgeben wird Sanders trotzdem nicht, sondern alles tun, damit über seine Themen - 15 Dollar Mindestlohn, kostenlose Unis, Reform der Wahlkampffinanzierung - geredet wird. Die Spenden-Dollar werden weiter fließen ("jetzt erst recht!") und der Enthusiasmus der Bernie-Fans nicht nachlassen.

So geht es weiter

Die kommenden Wochen werden etwas ruhiger - zumindest was die Anzahl der Vorwahlen angeht. Am kommenden Dienstag (22. März) wird in Arizona und Utah abgestimmt - am Tag zuvor findet die erste Dreier-TV-Debatte der Republikaner statt. Bevor am 19. April im bevölkerungsreichen Staat New York gewählt wird, finden nur primaries in Wisconsin statt.

Doch wirklich ruhig, das ist die Erfahrung des Wahlkampfjahres 2016, wird es sicher nicht werden in den kommenden Tagen und Wochen.

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