US-Verteidigungsminister Chuck Hagel Mann mit Eigensinn

Dass Hagel über einen gewissen Eigensinn verfügt, dürfte Obama aber nicht neu sein. Die beiden kennen sich, seitdem sie zusammen im Senat saßen, Hagel von 1997 bis 2009, Obama von 2005 bis 2008. Als Obama in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf in den Irak reiste, begleitete ihn Hagel. Schon damals waren der Demokrat und der Republikaner sich einig, dass die Invasion ein tragischer Fehler gewesen sei. Hagel hatte zwar zunächst für den Angriff auf Saddam Hussein gestimmt, den Krieg später aber als den "größten außenpolitischen Patzer sei Vietnam" bezeichnet - ein Frontalangriff auf Bush und dessen republikanische Parteifreunde, der Hagels Karriere im Senat beendete und der ihm bis heute nicht verziehen wurde. Senator John McCain, ebenfalls ein Vietnam-Veteran, äußert heute öffentlich Zweifel, dass Hagel tatsächlich ein Republikaner sei.

Ohne eine ordentliche Portion Sturheit wäre Charles Timothy Hagel freilich nicht da, wo er ist. Hagel stammt aus Nebraska, einem Bundesstaat im Herzen Amerikas, flach wie eine Pfanne, auf der Tornados tanzen, im Sommer glühend heiß, im Winter eine Eisebene. Nebraska ist Prärieland, über das einst Büffel zogen und auf dem später europäische Siedler - viele davon, wie Hagels Vorfahren, Deutsche - Hütten aus Erdschollen errichteten und Rinder züchteten. Milch und Honig mögen irgendwo in Amerika fließen. Durch Nebraska fließen nur die Arme des schlammigen Platte River, an dessen Ufern die US-Kavallerie gegen Sioux und Cheyenne kämpfte.

Ein paar Kämpfe hat Hagel noch vor sich

Hagel stammt aus einer armen Familie, sein Vater war Gelegenheitsarbeiter und trank, nach dessen Tod musste Chuck die Mutter und die drei Brüder durchbringen. Er hat sich hochgearbeitet, er hat seinem Land an der Front gedient, mit einer Mobilfunkfirma viel Geld gemacht und es schließlich bis zum Senator gebracht. Kein Wunder also, dass er sich von einem Sesselstrategen wie George W. Bush, der sich vor dem Kriegseinsatz in Vietnam gedrückt hatte, nicht vorschreiben lassen wollte, was er über das Gemetzel im Irak zu denken und sagen hat.

Für Hagel wird es in seinem neuen Amt um zweierlei gehen: Zum einen muss er den Militäreinsatz in Afghanistan abwickeln, bis Ende 2014 sollen alle amerikanischen Kampftruppen abgezogen sein. Einen Krieg zu beenden - das dürfte dem ersten Vietnam-Veteranen an der Spitze des Pentagon gefallen. Zum anderen wird Hagel sparen müssen. Amerikas Armee frisst absurd viele Milliarden, Hagel selbst hat den Militärhaushalt als "aufgebläht" bezeichnet. Obama erwartet von ihm, dass er den Etat, der derzeit bei etwa 700 Milliarden Dollar pro Jahr liegt, stutzt. Das ist schwierig, denn die Rüstungsfirmen und ihre Verbündeten im Pentagon und im Kongress ringen erbittert um jeden Dollar. Ein paar Kämpfe hat Hagel noch vor sich.