Und in Iowa hat Palin sich für Ex-Gouverneur Terry Branstad starkgemacht, wahrlich kein Liebling der Tea-Party-Aktivisten. Palins Hintergedanken sind nicht schwer auszumachen: Der Caucus in Iowa eröffnet stets die Vorwahlserie bei den Präsidentschaftswahlen in den USA. Da kann es nicht schaden, sich mit dem möglichen künftigen Gouverneur gut zu stellen. Ohne viel Aufhebens zu machen, hat sie zudem für die Wiederwahl des knorrigen Senators Chuck Grassley in Iowa, auch kein Held der Tea Party, die Höchstsumme von 5000 Dollar gespendet.

Anzeige

Und immer wieder hat sie sich in den vergangenen Monaten in den politischen Diskurs des Landes eingeschaltet, mit Bemerkungen auf ihrer Facebook-Seite oder ein paar Zeilen auf Twitter. Das geht auch vom fernen Alaska aus bestens. Dabei zeigt sie eine große Unbekümmertheit - ihre Verächter werden sagen Beliebigkeit - in der Wahl ihrer Argumente. Hauptsache, es geht gegen den politischen Gegner und vor allem gegen Präsident Barack Obama.

So schickte sie eines ihrer typischen Twitter-Schreiben aus, in dem sie die "extremen Ökos" für die Ölkatastrophe im Golf mit verantwortlich machte. "Kapiert ihr nun, warum wir ,bohr, Baby, bohr' wollen?", fragte sie. Gäbe es nicht so viele Bohrverbote an Land wie im Arctic National Wildlife Refuge, dem Naturschutzgebiet im Norden Alaskas, so ihre Logik, würden die Ölfirmen nicht in so großen Tiefen an den Küsten bohren. Sie ließ natürlich aus, dass sie Obama nur zwei Monate zuvor gegeißelt hatte, weil er scheinbar zauderte bei der Freigabe der Küste für weitere Bohrungen, während Russland, China und Venezuela "mit Volldampf" damit voranschritten.

Und dann sind da noch die Finanzen. 866.000 Dollar hat sie im vergangenen Vierteljahr gesammelt. Das ist zwar im Vergleich etwa zu Mitt Romney, der offen an einer erneuten Präsidentschaftskandidatur bastelt, nicht viel. Er sammelte allein im April und Mai mehr als eine Million Dollar. Doch auffällig ist, dass bei Palin drei Viertel der Einzelbeträge von Kleinspendern kamen, die 200 Dollar oder weniger gaben. Der Letzte, der mit einer vergleichbaren Strategie Höchstbeträge einfuhr, war Obama. Zudem spricht der Umstand, dass Palin bereits jetzt so viele zum Spenden motivieren kann, dafür, dass sie wie Obama vor drei, vier Jahren bei den Demokraten eine Aufbruchstimmung bei den Rechten erzeugen könnte. Bisher, so schreibt der Politikchef des Magazins The Atlantic, Marc Armbinder, habe er es nie für möglich gehalten, dass Palin eine Kandidatur in Erwägung ziehen würde. Das sieht er nun anders: "Jetzt glaube ich, sie könnte es wirklich versuchen."

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Mama Grizzly zieht in den Kampf
  2. Sie lesen jetzt Hauptsache gegen Obama
Leser empfehlen 

(SZ vom 15.07.2010/segi)