Die negativen Schlagzeilen über Sarah Palin nehmen kein Ende: Erst wird bekannt, dass ihre ledige Tochter schwanger ist, jetzt sorgt eine E-Mail für Wirbel, in der sich McCains Running Mate über unzureichende Ermittlungen gegen ihren Ex-Schwager beschwert.
Eigentlich wollte der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain mit der Nominierung von Sarah Palin einen politischen Coup landen. Eine Frau als mögliche Vizepräsidentin der Republikaner könnte die Wähler der Demokraten anlocken, die auf Hillary Clinton gesetzt haben.
Bild vergrößern
Sarah Palin gerät immer mehr unter Druck: Erst wird bekannt, dass ihre unverheiratete Tochter schwanger ist, jetzt bereitet ihr eine Mail über ihren Ex-Schwager Probleme. (© Foto: AFP)
Anzeige
Zudem gilt Palin mit 44 Jahren im politischen Geschäft noch als sehr jung und ihre konservativen Ansichten, beispielsweise zur Abtreibung oder religiösen Fragen, könnten bei den Wählern ebenfalls gut ankommen. So zumindest das Kalkül.
Doch jetzt könnte der vermeintliche Coup immer mehr zum politischen Bumerang für den 72-jährigen Republikaner werden. Erst wird bekannt, dass Palins 17-jährige Tochter schwanger ist - und unverheiratet.
Jetzt sieht sich die Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft der Republikaner laut Zeitungsberichten durch eine E-Mail in der Affäre um ihren Ex-Schwager belastet. Aus purer Rachsucht soll sie einen ihrer Behördenchefs an die Luft gesetzt haben, weil dieser ihren ungeliebten Schwager nicht gefeuert hatte.
In einer Mail an Polizeichef Walter Monegan beschwerte sich die Gouverneurin von Alaska im vergangenen Jahr heftig über die ihrer Ansicht nach unzureichenden internen Ermittlungen zum Verhalten ihres Ex-Schwagers, wie die Washington Post am Donnerstag berichtete.
Der frühere Mann ihrer Schwester, der Polizist Mike Wooten, stand damals in einem bitteren Sorgerechtsstreit mit Palins Schwester.
"Die einjährigen 'Ermittlungen' waren ein Witz", schrieb Palin in einer Mail an Monegan vom 7. Februar 2007, aus der das Blatt zitierte. "Derselbe Polizist steht heute vor den Leuten und erzählt ihnen, die Regierung zerstöre den Polizeiverband, und er werde niemals für diese Schl... Palin arbeiten", heißt es in der Mail weiter, die Palin unter ihrer privaten Yahoo-Adresse schrieb.
Palin wird in dem Fall Amtsmissbrauch vorgeworfen. Sie soll den Beauftragten für öffentliche Sicherheit in Alaska gefeuert haben, weil dieser sich geweigert hatte, Wooten zu entlassen.
Die Gouverneurin heuerte kürzlich einen Anwalt an, um sich gegen eine parlamentarische Untersuchung zur Wehr zu setzen. Die Vorwürfe bezeichnet sie als "unverschämt" und schlichtweg "falsch".
Laut Washington Post übergab Monegan die E-Mails an Alaskas Ethik-Ausschuss, um seine Angaben zu untermauern, dass er wegen seiner Weigerung, Palins Ex-Schwager zu feuern, entlassen wurde. Palins Sprecherin sagte dazu, sie sehe keine Hinweise darauf, dass Palin Wootens Entlassung angeordnet habe.
McCains Lager beteuert indes, dass Palins Hintergrund genau durchleuchtet worden sei und dem Kandidaten alles vor der Nominierung bekannt gewesen sei. Aber vieles deutet darauf hin, dass McCain sich in aller Hast für Palin entschied, um der konservativen Basis eine der Ihren zu präsentieren.
Er habe sie nur zweimal vor der Nominierung persönlich getroffen, hieß es am Dienstag in US-Medien, und er habe sie anscheinend nur oberflächlich unter die Lupe nehmen lassen.
Die republikanische Kongressabgeordnete Gail Phillips bestätigt dies. Sie habe 30, 40 Persönlichkeiten in Palins Umgebung angerufen, schilderte sie in der Star Tribune. Aber keiner sei vom McCain-Lager angesprochen worden. "Alaska ist sehr klein", so Phillips, "aber ich habe niemanden gefunden, der (nach Palin) befragt worden ist."
- Parteitag der Republikaner Der Pitbull mit Lippenstift beißt zurück 04.09.2008
- US-Republikaner Der Preis für Sarah Palin 03.09.2008
- Degler denkt McCains Chancen 03.09.2008
- Parteitag der Republikaner Gefährliche Nähe 03.09.2008
- McCain-Vize Palin Republikanische Schönheitsfehler 02.09.2008
- Das neue britische Kabinett Camerons Balanceakt 17.05.2010
- Regierungswechsel in Großbritannien Eine britische Revolution 14.05.2010
(sueddeutsche.de/AFP/dpa/bica/gal)
Die Ärzte in München
Dein Kommentar geht an der Realität vorbei ! Eine Sarah Palin, die ohne den geringsten
Anstand walten zu lassen, einen Obama in ihrer Antrittsrede beschimpft hat auch weitere
negative Ansätze auf Lager. Wir Deutsche müssten doch am besten die Schweinereien
aus der politischen Szene kennen. Wer ein Land mitregieren will muss beweisen können,
dass er integer ist. Ein Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Bereichen kann
es nicht geben. Wenn man aber öffentlich Wasser predig,t aber heimlich dem Wein fröhnt
sollte besser nicht nach der Macht streben und lieber arme Elche erlegen und
zum Bedauern , besser unter Kontrolle mit Waffen umgehen. Eine minderjährige mit
16 Jahren ausserehelichen Geschlechtsverkehr und das in den USA, wer kann der Frau
Polin überhaupt noch glauben, vielleicht die in ihren Größenwahn behafteten Teile der Amerikanerinnen und auch Amerikaner. Oder ist es schon vergessen, wie viele Menschen
die Republikaner auf dem Gewissen haben ?Leider gibt es für diese Leute kein Nürnberg
..."nette" Neuigkeiten oder eher neue "Nettigkeiten" über Palin. Wie glaubwürdig oder gar tragbar ist diese Frau an der Spitze der USA?
Weder noch.
McCains Schnellschuss hat das Potenzial in Europa für ausgelassene Heiterkeit zu sorgen. Sehr erfreuliche Entwicklung dort drüben :)
F. Mayer
In der seriösen amerikanischen Presse wurde berichtet, der Schwager Palins - Polizist - sei während der Scheidungsauseinandersetzungen gegen seine Frau (die Schwester Palins) tätlich geworden.Einerseits muß man zwischen dem privaten und dem öffentlichen Bereich unterscheiden. Andererseits weiß ich nicht, ob es sinnvoll ist, einen zur Gewalttätigkeit neigenden Menschen ausgerechnet als Polizisten zu beschäftigen.Aber wieder einmal kramt die SZ alles an Klatsch und Tratsch aus dem Nähkästchen - ohne jedoch das gesamte Nähkästchen zu leeren und allen Klatsch und Tratsch auszubreiten: nämlich, wie es zu der Forderung Palins, diesen Polizisten zu entlassen, gekommen sein könnte, geschweige denn, den Bericht der Ethik-Kommission abzuwarten. Eigentlich haben solche - dazu noch einseitig verkürzten - Meldungen keinerlei Nachrichtenwert. Aber mühsam nährt sich der Schreiberling...