Unwissen, Wutausbrüche, Geldverschwendung: Immer neue Peinlichkeiten werden gestreut und diskreditieren Sarah Palin - viele Konservative wollen sie loswerden.
Tina Fey hat mit Sarah Palin gebrochen. Das ist die vielleicht wichtigste Nachricht für die Gouverneurin aus Alaska an diesem Tag, denn sie verdankt einen nicht geringen Teil ihrer öffentlichen Wahrnehmung der Imitatorin Fey, die Palin in den vergangenen Wochen unnachahmlich perfekt ins Lächerliche gezogen hat. Damit hat sie ein Problem weniger, aber auch die Gewissheit, dass sich die Öffentlichkeit kaum noch für sie interessieren wird. Auf dem Publizitäts-Index fällt der Kurs Palins.
Nicht nur die Unsummen für Sarah Palins Wahlkampf-Outfits bringen viele Kritiker in Rage. (© Foto: Reuters)
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Unterdessen kreisen die politischen Geier. Palin, die das republikanische Lager aufgewühlt hat wie keine andere Figur in dieser Wahlperiode, wird nach der Wahlniederlage offenbar zum Abschuss freigegeben. Nach der New York Times berichtet nun Fox News, der konservative Haus-Sender der Republikaner, über haarsträubende Details des Palin-Wahlkampfes. Dabei wird erkennbar, dass zwischen dem Präsidentschaftskandidaten John McCain und seiner Vize-Kandidaten zu keinem Zeitpunkt Harmonie geherrscht haben muss. Womöglich haben die beiden nicht einmal regelmäßig miteinander gesprochen. Enge Mitarbeiter der Kandidaten nutzen die Phase nun zur Abrechnung - und für das Gerangel um neue Aufgaben.
Sowohl die New York Times wie auch Fox News berichten, Palin sei naiv und uninformiert. So habe sie nicht gewusst, dass die USA Mitglied der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta seien. Außerdem habe sie die Nafta-Staaten nicht aufzählen können. Am meisten Schadenfreude löst aber die Kolportage aus, Palin habe Afrika für ein Land gehalten und Südafrika für einen Teil davon.
Diese anonymen Unterstellungen werden von Palin natürlich dementiert, passen aber in die Darstellung, dass die Kandidatin bei der Vorbereitung ihrer öffentlichen Auftritte beratungsresistent gewesen sei und gerne Schuldige gesucht habe für das von ihr angerichtete Unheil. So soll sie zu cholerischen Ausbrüchen geneigt haben, vor allem gegen Mitarbeiter gerichtet, die sie für ihre schlechten Fernsehinterviews verantwortlich machte. Mitarbeiter berichten, dass Palin die einfachsten Regeln des politischen Systems nicht gekannt habe, wie etwa die Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern. Mit der für Republikaner bedeutsamen Doktrin des früheren Präsidenten Wilson über die amerikanische Sonderrolle in der Welt (American exceptionalism) soll sie nicht vertraut gewesen sein.
Unwidersprochen ist die Darstellung, dass die Kandidatin mehr als 150.000 Dollar für Kleidung, Schmuck und Schuhe für ihre Auftritte ausgegeben habe. Mitarbeiter nennen sie eine shopaholic, eine einkaufssüchtige Frau. Die Zeitschrift Newsweek berichtet, in Wahrheit sei sehr viel mehr Geld ausgegeben worden, man habe nur McCain nicht von den Exzessen informiert, um ihn nicht zu belasten. Palin hatte angekündigt, sie werde die Kleidungsstücke nicht behalten, sie seien Eigentum der Partei. Das Nationalkomitee der Republikaner will nun Anwälte in Alaska mit einer Art Inventur beauftragen.
Wichtiger als die Schlammschlacht ist die damit verbundene Botschaft. Namhafte Figuren aus dem republikanischen Lager wie der Fernsehmoderator Bill O' Reilly und der Kolumnist Charles Krauthammer distanzieren sich von Palin und signalisieren so, dass sie Palin keine politische Zukunft geben. Krauthammer etwa schrieb, die Wahl von Palin sei einer von zwei großen Fehlern John McCains gewesen: "Ich spreche vom politischen Effekt, nicht vom Psychodrama" (um diese Frau). Palin habe McCains Hauptargument gegen Obama zerstört, wonach der zu wenig Erfahrung habe. "Tagelang wurde nur noch die Frage diskutiert, ob Palin vorbereitet und fit und erfahren genug sei."
Ob Palin die Botschaft hört, ist unklar. Wenige Tage vor der Wahl jedenfalls riet sie der Kommödiantin Tina Fey, sie solle die Rolle besser nicht ablegen. "Sie wird sie in den nächsten vier Jahren noch brauchen."
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(SZ vom 08.11.2008/cag)
Szene München
haben sie aber 100% recht, wie kann man so einen Azubi als running lady-mate nehmen, aber sind wir doch froh, sie war die beste "Gegnerin" die die Demokraten sich hätten wünschen können. Palin kommt nicht mehr, die Republikare sind jetzt geheilt, so dumm sind die auch nicht, wieder ein "lame duck" ins rennen zu schicken....
Genauerer Artikel "Internal battles divided McCain and Palin Camps" in der New York Times unter (drei w's) + nytimes.com/2008/11/06/us/politics/06mccain.html
...dümmlich ist, dafür kann sie ja nichts :o)) Sowas kann man aber vorher wissen, wenn man sie schon zur "running mate" macht!
Meint der Balldieb