Von Louay Yassin

Die großen Tageszeitungen der USA berichten am Tag nach der Merkel-Rede vor dem US-Kongress nur zurückhaltend. Viele sogar gar nicht.

In den USA findet Merkel viel weniger Widerhall in den Zeitungen und deren Online-Ausgaben als in Deutschland. Am Tag nach ihrer Rede vor dem US-Kongress beschäftigt sich keine der wichtigen Tageszeitungen auf prominenten Seiten mit dem Thema.

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Nur geringen Widerhall fand Merkels Rede vor dem US-Kongress in den USA. (© Foto: AP)

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Für die New York Times ist natürlich der neugewählte New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg das Hauptthema. Doch auch Angela Merkel, "auferstanden aus den Ruinen des kommunistischen Ostens, um nun dem vereinten Deutschland als Kanzlerin zu dienen", widmet die Zeitung einen ausführlichen Bericht. Darin wird besonders hervorgehoben, dass Merkel in ihrer Rede vor dem US-Kongress das Thema Iran ansprach:

"Aber den durchschlagendsten Applaus im brechend vollen Sitzungssaal holte sie sich mit einer unverblümten Sprache gegenüber Iran", schreiben John Broder und Sheryl Gay Stolberg. Merkel hatte "Null Toleranz für die Massenvernichtungswaffen in den Händen des Iran" gefordert.

Im Video: Bundeskanzlerin Merkel hat in Washington ein positives Fazit ihrer Rede vor beiden Kammern des US-Kongresses gezogen.

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Klima dominierendes Thema

Die Washington Post beschäftigt sich allem voran mit dem Sieg des republikanischen Kandidaten für das Gouverneursamt in Virginia. Im Artikel "Merkel drängt den Kongress, gegen den Klimawandel zu handeln" betont Juliet Eilperin Merkels Äußerungen zum Klima. Dabei erwähnt sie, dass die demokratischen Abgeordneten und Senatoren Merkel stehend Applaus spendeten, während die Republikaner sitzen blieben. Kommentiert wird auch hier die Rede nicht.

Auch die Los Angeles Times thematisiert Merkels Aussagen zum Klimawechsel. Die Kanzlerin hatte vor dem Kongress gesagt: "Wir können es uns nicht leisten, beim Klimaschutz von den wissenschaftlich gebotenen Zielen abzuweichen." Die Zeitung nimmt diese Aussage allerdings nur als Aufhänger, um dann zu berichten, dass die Republikaner kurz zuvor eine Sitzung des Senats zum Thema Klima boykottiert hatten.

Klima ist auch das Hauptthema beim Artikel der Chicago Tribune über Merkels Rede. "Merkel führte als klaren Beweis für die globale Erwärmung schmelzende Eisberge in der Arktis an, Menschen in Afrika, die wegen Trockenheit gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen und den weltweiten Anstieg des Meeresspiegels", heißt es dort.

Wirtschaftliche Aspekte

Das Wall Street Journal hebt im kurzen Artikel über Merkels Rede die wirtschaftlichen Aspekte hervor. Merkel habe die USA gedrängt, dem Handelsprotektionismus zu widerstehen, schreibt Stephen Power. Die USA wünschten sich Hilfe von großen Exportnationen wie Deutschland, die Weltwirtschaft wieder auszubalancieren.

Die Financial Times stellt in ihrem Bericht heraus, dass Merkel sich sehr emotional bei den USA für die Hilfe bei der Überwindung der deutschen Teilung bedankt habe. Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit Merkels strikter Haltung gegenüber Iran.

Die Boulevardpresse lässt die Rede Merkels ganz kalt. Die New Yorker Zeitung Daily News und die USA Today berichten wie viele andere Zeitungen gar nicht über die Rede.

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(sueddeutsche.de/gba)