Überwiegend kritisch kommentieren die wichtigsten US-Zeitungen die Bush-Rede zur Lage der Nation: Die Zeit der "großen Träume" und "großen Versprechungen" sei endgültig vorbei.
Die letzte Rede von George W. Bush zeige, so die New York Times, dass wenige Monate vor der Ende seiner Präsidentschaft "die Zeit zum größten politischen Gegner" des amtierenden US-Präsidenten geworden ist. Die Wählerschaft halte bereits Ausschau nach seinem Nachfolger, die wichtigsten Projekte seiner zweiten Amtszeit - Irakkrieg, illegale Immigration, soziale Sicherheit - werde Bush nicht mehr beenden können. Was er hinterlasse, sei "unfinished business" - jede Menge unerledigter Aufgaben.
Kritisch kommentiert: Bush in den US-Zeitungen (© Foto: Screenshot)
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Der Rede fehlten die "hochfliegenden Ambitionen früherer Reden", so die renommierte Zeitung, keiner der in der Rede geäußerten bescheidenen Vorschläge werde "die historische Beurteilung seiner Präsidentschaft" verändern können.
Auch die Hauptstadtzeitung Washington Post sieht die Rede Bushs als Beleg dafür, dass die Zeit der "großen Träume" vorbei sei. Noch vor einem Jahr habe Bush die neue demokratische Mehrheit im Kongress herausgefordert, indem er seine Entscheidung für eine Truppenverstärkung im Irak bekanntgab. Jetzt müsse er herausfinden, "welche Ziele er gegenüber eines oppositionellen Kongresses noch durchsetzen und wie er in der Außenpolitik seine Ziele am effektivsten erreichen kann".
Dass Bush sich für den Rest seiner Amtszeit nur noch "bescheidene Initiativen" vorgenommen hat, sei eine "dramatischer Einschnitt" für einen Präsidenten, der sich bislang vor allem durch seine "Dreistigkeit" hervorgetan hatte.
Die Wirtschaftszeitung Wall Street Journal sieht die Rede sogar als ersten Versuch an, im letzten Jahr seiner Amtszeit "sein Erbe zu rehabilitieren". Deshalb habe er einen "optimistischen und nicht-konfrontativen Tonfall angeschlagen" - ganz im Gegensatz zu früheren Reden, die im Zeichen ideologischer Zuspitzung standen. US-Präsident Bush betonte die Erfolge seiner "zuweilen beschwerlichen Amtszeit, angefangen vom Irak über die US-Immobilienkrise bis hin zum verwüsteteten New Orleans".
Bei der Aufzählung der Erfolge im Irak "erging sich Bush in Angebereien", so die Zeitung; insgesamt hätte Bush versucht, mit seiner Rede "die über die geschwächte Wirtschaft und die globale terroristische Bedrohung zunehmend beunruhigten Amerikaner zu beschwichtigen".
Nach der auflagenstarken USA Today steht eine einfache Botschaft im Mittelpunkt der letzten Rede Bushs zur Lage der Nation: "I´m still here - ich bin immer noch da." Seine Rede solle "das Gefühl vermitteln, dass der Präsident weiterhin seine Arbeit macht und weiterhin über beträchtliche Machtmittel verfügt, obwohl seine Präsidentschaft durch den grimmigen Kampf um seine Nachfolge bereits in den Hintergrund gedrängt worden ist."
Die Zeit der "großen Versprechungen" sei vorbei. Präsident Bush, "der seit letztem Jahr merklich ergraut ist", so die Zeitung, könne es nur noch darum gehen, "die losen Enden seiner Präsidentschaft zu verknüpfen, bevor sein Nachfolger das Amt übernimmt".
(sueddeutsche.de/bica)
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