Das Spitzenduo der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl steht fest: Barack Obama hat sich für den 65-jährigen Senator Joseph Biden als Vizepräsidenten-Kandidaten entschieden. Biden soll eines von Obamas größten Mankos beheben.

Der designierte US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama hat seinen potenziellen Stellvertreter benannt: Joe Biden, Senator von Delaware, soll Vizepräsident werden, falls Obama im Januar ins Weiße Haus einzieht. Das gab Obama am Samstag auf seiner Website bekannt. Biden verfüge über umfassende außenpolitische Erfahrung und habe intensiv über Parteigrenzen hinweg mit anderen Politikern zusammengearbeitet, hieß es dort. An Millionen Unterstützer Obamas wurde die Entscheidung per Email und SMS verschickt - allerdings erst nachdem verschiedene Fernsehsender die Nachricht unter Berufung auf Quellen aus der Demokratischen Partei schon verbreitet hatten.

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US-Senator Joe Biden (l.) soll Obamas Vize-Präsidenschaftskandidat sein. Das Foto zeigt die beiden bei einer Debatte zu den Vorwahlen im April des Jahres 2007. (© Foto: AP)

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Obama will am heutigen Samstag gemeinsam mit seinem "Running Mate" Biden bei einer Wahlkundgebung in Springfield, der Hauptstadt seines Heimatstaates Illinois auftreten.

Biden galt zuletzt als Favorit unter den möglichen Kandidaten. Er wurde 1972 im Alter von 29 Jahren für den kleinen Ostküstenstaat Delaware in den Senat gewählt und zählt damit zu den dienstältesten Senatoren. Der Katholik Biden bringt als Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses sehr viel Auslandserfahrung mit sich - genau das, was Obama nur im begrenzten Maße vorweisen kann.

Der gelernte Jurist Biden war in der Vergangenheit auch Vorsitzender des Justizausschusses im Senat und verfügt über Erfahrung in Verteidigungsfragen.

Kritiker könnten Obama angesichts der Entscheidung für Biden allerdings vorwerfen, dass es ihm an Selbstvertrauen in seine eigenen außenpolitischen Einsichten fehle. Zudem hat sich Biden in seiner Karriere nicht immer rühmlich hervorgetan. Seine Bewerbung um die Präsidentschaft 1988 zog er vorzeitig zurück, nachdem er dabei ertappt worden war, Passagen aus einer Rede des damaligen britischen Labour-Party-Vorsitzenden Neil Kinnock gestohlen zu haben.

Auch diesmal hatte er eine eigene Bewerbung eingereicht, gab jedoch schon nach der ersten Vorwahl in Iowa wegen Erfolglosigkeit auf. Mit kontroversen Äußerungen hat er sich mitunter auch Rassismusvorwürfe eingehandelt.

Die Republikaner nutzten die Entscheidung für Biden zu einem neuen Angriff auf Obama. "Es gibt keinen schärferen Kritiker an Barack Obamas fehlender Erfahrung als Joe Biden", erklärte das Wahlkampfbüro des republikanischen Bewerbers John McCain. Biden, der sich zunächst selbst um die Präsidentschaftskandidatur beworben hatte, habe im Wahlkampf insbesondere Obamas außenpolitische Vorstellungen kritisiert.

Kaffeesatzleserei zur besten Sendezeit

Obama hat die Entscheidung wohl schon Tage zuvor gefällt, aber bis jetzt geheim gehalten. Die Spekulationen um den Vizekandidaten hatten die Medien wochenlang beschäftigt. Zur Freude von Obamas Wahlkampfstrategen übten sich Nachrichtensender zur besten Sendezeit in Kaffeesatzleserei und hielten den demokratischen Präsidentschaftsbewerber so im Gespräch, während der sich an einem Privatstrand auf Hawaii erholte.

Obama braucht dringend positive Schlagzeilen. Im August haben ihm die Angriffe der Republikaner schwer zugesetzt. John McCain hatte Obamas zunächst zögerliche Haltung zum Krieg im Kaukasus ausgeschlachtet und den Demokraten als wankelmütig und potentielles Sicherheitsrisiko dargestellt. In Umfragen schloss der Republikaner erstmals seit April zu Obama auf.

Doch nun hat sich McCain einen schweren Aussetzer geleistet, und Obama eine Steilvorlage für einen Gegenangriff geliefert. In einem Audio-Interview mit dem Internetjournal Politico konnte der Republikaner die Frage, wie viele Häuser er besitze, nicht beantworten. "Tut mir leid, da muss ich mich bei meinen Mitarbeitern erkundigen", stammelte McCain.

Obamas Wahlkampfteam zögerte keinen Moment. Es stellte einen Clip ins Netz, in dem McCain als Pfeffersack karikiert wird, der nichts von der wirtschaftlichen Not der Mittelschicht versteht. "McCain hat vergessen wie viele Häuser er besitzt", heißt es dort genüsslich. "Nun, es sind sieben". Dann wird ein Bild des Weißen Hauses eingespielt und der Sprecher zieht sein Fazit: "Das hier ist ein Haus, in das Amerika John McCain nicht einziehen lassen darf."

Die Republikaner sind alarmiert. Hat sich das Attribut "elitär" erst einmal verfestigt, ist es für einen Kandidaten fast unmöglich, die Wahlen zu gewinnen. Die Amerikaner wollen einen Präsidenten aus ihrer Mitte, einen Politiker, mit dem sie sich identifizieren können.

Bill Clinton gelang es 1992, den Amtsinhaber George Bush Senior als realitätsfernen Aristokraten zu definieren, unter anderem, weil der Präsident während eines Pressetermins in einem Supermarkt einen Warenscanner bestaunte - eine Technik, die schon damals seit Jahren selbstverständlich war.

Der amtierende US-Präsident George W. Bush lernte vom Schicksal seines Vaters und inszeniert sich Kumpeltyp. 2004 stellte sein Wahlkampfteam den demokratischen Herausforderer John Kerry als frankophonen Schnösel hin. Kerrys Gegenwehr war vergeblich.

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(sueddeutsche.de/AP/Reuters/dpa/AFP/ssc/bosw)