Zugleich hat der Präsident sich elegant aus den Fesseln herausgewunden, die ihm die Ideologen aus der Bush-Regierung noch kurz vor dem Machtwechsel anzulegen versucht hatten, indem sie Stationierungsverträge mit Prag und Warschau schlossen. Indem er sich auf die neue Bedrohungseinschätzung beruft, bleibt es ihm erspart, seinen Vorgänger bloßzustellen. Hätte er das System einfach in andere Länder verlegt, hätte das die Bush-Behauptung widerlegt, Polen und Tschechien seien die einzigen geeigneten Standorte, um Raketen aus Iran abzufangen.

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Auch das Argument, die Abwehr sei zu teuer und ihre Wirksamkeit nicht erwiesen, wollte Obama nicht allein bemühen. Denn damit hätte er sich dem Vorwurf ausgesetzt, nicht alles zu tun für die Verteidigung des Landes. Den Protest der Konservativen, der gewiss kommen wird, könnte er dann noch schwerer abwehren.

Obamas größte Herausforderung aber wird sein: Er muss den Verdacht entkräften, er knicke gegenüber Russland ein. Das muss ihm nicht nur im Washingtoner Kongress gelingen, sondern auch bei den Verbündeten in Osteuropa. Sie fürchten, dass manche in Moskau das Abrücken von der Raketenabwehr als Zeichen der Schwäche missdeuten könnten und sich ermutigt fühlen, ähnlich wie in Georgien russische Interessen auch andernorts mit Panzern durchzusetzen.

Obama hat jedoch reichlich Möglichkeiten, mit dem Glauben aufzuräumen, vor allem der Raketenschild sei Gradmesser der Bündnistreue gegenüber Polen und Tschechen, die sich von der Stationierung von US-Soldaten eine Sicherheitsgarantie gegen Moskau versprachen.

Die USA könnten den Osteuropäern nun etwa lang erbetene Luftabwehrsysteme liefern, die tatsächlich einen Gewinn an Sicherheit bringen. Sie können in der Nato darauf hinwirken, dass Polen, Tschechen und andere sich des Beistands der Verbündeten versichert fühlen. Die Nato kann gemeinsame Manöver in diesen Ländern abhalten, wenn nötig auch Stützpunkte errichten. Auch sollte das Bündnis bei der Arbeit an seinem neuen strategischen Konzept und der Verteidigungsplanung die Bedrohungswahrnehmung der Osteuropäer berücksichtigen.

Genau dabei könnte auch die Bundesregierung dem US-Präsidenten helfen. Deutschland hat gute Beziehungen zum Kreml, es sollte sich als wichtigster Nachbar Polens und Tschechiens aber auch für deren Sorgen mit Blick auf Moskau zugänglicher zeigen. Obama wird seinen Aufbruch zu einer neuen, kooperativeren Außenpolitik nur schwer vollenden können, wenn Europa ihn nicht geschlossen dabei unterstützt.

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  1. Obamas Raketentest
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(SZ vom 18.09.2009/woja)