US-Präsident Obama Zwischenstopp Europa

Obamas zweite Europareise hat etwas krampfhaft Rückwärtsgewandtes: Besuche eines früheren KZ und der Normandie sind wichtig - doch er hätte weiter denken müssen.

Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Der US-Präsident genießt derart hohe Sympathiewerte in Europa, dass allein seine Präsenz Politiker aller Nationen in Entzücken versetzt. Besonders Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sucht seit Monaten schon die Nähe Obamas, der sich dem Werben nicht entziehen konnte und schließlich zusagte, am 6. Juni, dem 65. Jahrestag der Landung alliierter Truppen in der Normandie, zu einer Gedenkveranstaltung anzureisen. Das hätte er besser nicht tun sollen.

Obamas zweite Europareise hat etwas krampfhaft Rückwärtsgewandtes. Die Termine - Besuch der Gedenkstätte im früheren KZ Buchenwald und der Ausflug in die Normandie - sind zweifellos wichtig, und eher verwundert es, dass außer Dwight Eisenhower kein anderer Präsident je den Weg in eine Gedenkstätte fand. (Eisenhower war es auch gewesen, der die Landung in der Normandie kommandiert hatte.) Obama jedoch hätte weiter denken müssen.

Europa wählt an dem Besuchswochenende sein Parlament. Der Kontinent hat seit dem 6. Juni 1944 eine Erfolgsgeschichte absolviert, die am 7. Juni 2009 gekrönt wird durch die demokratische Abstimmung, die Politiker all seiner Nationen in einem Plenarsaal zusammenführt.

Gewiss, der Hass in Buchenwald und die Toten von Omaha Beach gehören zur Geschichte jener einigenden Kraft in Europa. Von der Befreiung der Konzentrationslager über den Wiederaufbau Europas bis hin zur Versöhnung des Kontinents zieht sich ein historisches Band. Dieser Dimension aber wird Obama mit seiner Reise nicht gerecht.

Er absolviert vielmehr eine Episode aus dem History Channel, quasi als Zwischenstopp auf dem Weg in den Nahen Osten. Das ist an diesem Wochenende zu wenig.

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