US-Präsident Obama hat bei seinem überraschenden Besuch im Irak vor schwierigen Zeiten für das Land gewarnt. Die kommenden 18 Monate könnten kritisch werden, betonte er vor Soldaten in einem US-Militärstützpunkt.

US-Präsident Barack Obama hat bei seinem überraschenden Besuch im Irak die kommenden anderthalb Jahre als "entscheidend" für das Land bezeichnet. Es sei an der Zeit, dass die USA den Irakern die Kontrolle übergäben, sagte Obama am Dienstag vor rund 600 begeisterten US-Soldaten am Stützpunkt Camp Victory nahe Bagdad: "Es ist nötig, dass sie die Zügel in ihrem Land in die Hand nehmen." Daher könnten die kommenden anderthalb Jahre "eine entscheidende Phase" sein. Obama will die Zahl der US-Streitkräfte in dem Zweistromland von derzeit 140.000 bis Ende August 2010 auf höchstens 50.000 Soldaten reduzieren.

Kurzbesuch im Irak: Barack Obama (© Foto: AP)

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Er war nach dem Abschluss einer Visite in der Türkei von Istanbul aus zu seinem ersten Aufenthalt seit Amtsantritt in den Irak geflogen. Die US-Streitkräfte hätten dem Irak die Möglichkeit gegeben, als demokratischer Staat auf eigenen Füßen zu stehen, erklärte Obama. Nach sechs Jahren Krieg und 4266 getöteten US-Soldaten sei es nun an der Zeit, dass die irakische Regierung die Zuständigkeit für die Sicherheit im Land übernehme. Die Gewalt hat seit März 2003 außerdem Tausende Iraker das Leben gekostet.

Wenige Stunden vor Obamas Ankunft war in einem schiitischen Viertel der Hauptstadt Bagdad weder eine Bombe explodiert. Dabei kamen mindestens neun Menschen ums Leben, 18 weitere wurden verletzt. Am Montag waren bei Anschlägen 37 Menschen getötet worden.

Ein Flug Obamas in die schwerbewachte Grüne Zone in der irakischen Hauptstadt wurde wegen schlechten Wetters abgesagt. Behördenangaben zufolge wollte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki stattdessen zu einem Treffen mit dem US-Präsidenten fahren.

Obama war am Dienstag zu einem nicht angekündigten Besuch in der irakischen Hauptstadt eingetroffen. In Camp Victory zeichnete er zehn Soldaten mit Verdienstmedaillen aus und traf sich mit dem Oberkommandierenden der US-Truppen im Irak, Ray Odierno. Für den Abend war eine Begegnung mit Ministerpräsident Nuri el Maliki geplant, bei der es um den US-Truppenrückzug und Sicherheitsfragen gehen sollte. Mit Präsident Dschalal Talabani werde Obama vermutlich nur telefonieren können, weil ein Hubschrauberflug in die Stadt wegen ungünstiger Wetterbedingungen nicht möglich sei, sagte Präsidentensprecher Robert Gibbs.

Der überraschende Besuch im Irak ist Obamas dritte Visite in dem Land und der erste seit der Amtsübernahme vor elf Wochen. Als Präsidentschaftskandidat und Senator war Obama im vergangenen Jahr mit US-Militärkommandeuren und der politischen Führung zusammengetroffen.

Er hatte sich 2003 gegen den Irak-Krieg ausgesprochen und hat einen Abzug der meisten Kampftruppen innerhalb der nächsten 19 Monate angekündigt. Rund 50.000 Soldaten sollen zur Unterstützung und zum weiteren Ausbau der irakischen Sicherheitskräfte aber weiterhin im Irak bleiben. Auf eine Frage von Studenten sagte Obama am Dienstag in Istanbul, der Rückzug müsse umsichtig vollzogen werden, damit er nicht zu einem vollständigen Zusammenbruch des Iraks und zu einem Abgleiten des Landes in die Gewalt führe.

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(dpa/AP/AFP/plin/vw)