Ein Jahr Obama: Inwieweit dem US-Präsidenten die Abgrenzung von Bush in der Außenpolitik gelingt und welche Folgen sein Kurs für Deutschland hat - erklärt USA-Experte Peter Rudolf.
Dr. Peter Rudolf leitet die Forschungsgruppe Amerika an der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. In seinem soeben erschienen Buch "Das 'neue' Amerika" setzte er sich vor allem mit der US-Außenpolitik unter Präsident Barack Obama auseinander.
Peter Rudolf (© Foto: SWP)
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sueddeutsche.de: Obama hatte bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr große Ziele, erreicht hat er bisher wenig - auch in der Außenpolitik. Sind Sie vom US-Präsidenten enttäuscht?
Peter Rudolf: Nein. Obama hat einen Wandel eingeleitet und die Wahrnehmung der USA in weiten Teilen der Welt zum Positiven verändert. Es ist zwar richtig, dass darüberhinaus Erfolge weitgehend ausgeblieben sind. Doch in der Außenpolitik ist ein Jahr ein kurzer Zeitraum.
sueddeutsche.de: Sie sehen also keine Kluft zwischen Rhetorik und realem politischen Handeln?
Rudolf: Zwischen der Rhetorik und dem, was erreicht werden kann, gibt es in der Außenpolitik sicherlich eine Diskrepanz. Übersehen wird aber häufig, dass Obama zurückhaltender auftritt als frühere US-Präsidenten. Er spricht zum Beispiel nicht von Demokratieförderung oder von Weltfrieden.
sueddeutsche.de: Sich von anderen Präsidenten abzugrenzen war Obama ein großes Anliegen - vor allem von seinem Vorgänger George W. Bush. Ist ihm das gelungen?
Rudolf: Nur zum Teil. Er spricht nicht vom "Krieg gegen den Terror", wie es Bush getan hat, sondern vom "Krieg gegen al-Qaida". Also gegen eine bestimmte extremistische Gruppe.
sueddeutsche.de: Am Begriff "Krieg" hält der Friedensnobelpreisträger in diesem Zusammenhang weiter fest. Warum?
Rudolf: Würde er das nicht tun, wären bestimmte Praktiken rechtlich nicht begründbar, zum Beispiel die gezielten Tötungen von Terroristen mit Drohnen oder anderen Mitteln in Afghanistan oder im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.
sueddeutsche.de: Diese Mittel setzte auch Bush ein.
Rudolf: Richtig. Obama hat die Angriffe dieser Art sogar noch ausgeweitet.
sueddeutsche.de: Woran lässt sich dann der Wandel festmachen?
Rudolf: Zum Beispiel an der Abrüstungspolitik. Unter anderem hat er auch das Ziel einer "atomwaffenfreien Welt" ausgerufen. Außerdem hat der US-Präsident sämtlichen Folterpraktiken eine klare Absage erteilt. Er pflegt auch einen anderen Politikstil als Bush.
sueddeutsche.de: Was prägt seinen Stil?
Rudolph: Generell geht Obama überlegter vor und spielt nicht so sehr mit Ängsten wie sein Vorgänger. Das mag in der amerikanischen Öffentlichkeit gelegentlich den Eindruck der Unentschlossenheit wecken. Wie nach dem versuchten Anschlag von Detroit, als Obama für sein Krisenmanagement scharf kritisiert wurde. Ich finde es jedoch begrüßenswert, dass der Präsident zuerst möglichst viele Optionen überprüft und Argumente abwägt, bevor er Beschlüsse fasst und an die Öffentlichkeit geht - anders als Bush.
sueddeutsche.de: Obama steht gerade bei der Terrorismusbekämpfung vor einer besonderen Herausforderung. Er will und muss auf der einen Seite eine Politik der liberalen Werten umsetzen und auf der anderen Seite dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung gerecht werden. Wie hält es der Präsident aus Ihrer Sicht mit der Gewichtung?
Rudolf: Er ist um Ausgewogenheit bemüht, doch faktisch muss jeder US-Präsident das Sicherheitsbedürfnis der amerikanischen Öffentlichkeit sehr stark berücksichtigen. Der Schwerpunkt liegt also auf dem Thema Sicherheit. Wenn es zu einem Anschlag kommt, müsste sich jeder Präsident Versagen vorwerfen lassen.
sueddeutsche.de: Damit er in der Afghanistan-Politik nicht scheitert, hat sich Obama für eine neue Strategie entschieden. Unter anderem schickt er 30.000 weitere Soldaten an den Hindukusch. Wie bewerten Sie sein Vorgehen auf diesem wichtigen außenpolitischen Feld?
Rudolf: Obama hat im Wahlkampf betont, dass Afghanistan ein notwendiger Krieg ist, der nicht verloren werden dürfe. Jetzt ist es für Obama wichtig, dass rasch Fortschritte erkennbar werden. Die erneute Truppenaufstockung - spätestens im Sommer dieses Jahres werden dann insgesamt 100.000 US-Soldaten in Afghanistan präsent sein - soll die Dynamik der Aufstandsbewegung brechen. Aus einer Position der Stärke heraus kann es dann vielleicht zu Verhandlungen der Kabuler Regierung mit Teilen der Taliban kommen und die Aufstandsbewegung zersplittert werden.
Die USA arbeiten darauf hin, dass Afghanistan seine Sicherheitsprobleme selbst zu lösen imstande ist - damit sie, wie angekündigt, im Juli 2011 mit dem Abzug ihrer Truppen beginnen können. Es ist schwer vorherzusagen, was geschehen wird, wenn die Strategie nicht die erhofften zügigen Fortschritte bringt, aber der Rückhalt in den USA und in der Nato für den Einsatz in Afghanistan weiter sinkt. Dieser Krieg könnte für Obama noch zu einer erheblichen politischen Belastung werden.
Lesen Sie auf Seite 2, warum Obama mehr Realist als Idealist ist, wie sich seine Grundorientierung konkretisieren lässt - und welche Folgen seine Außenpolitik für die deutsche USA-Politik hat.
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Warscheinlich wird sich eines nicht ändern, daß Afghanistan selbst als strukturschwaches Land immer eine Basis und Rückzugsgebiet al-Quaidas bleiben wird, solange die Ära des militanten islamistischen Fundamentalismus andauert. Selbst im vergleichsweise sicheren und überwachten Deutschland konnten sich islamistische Terror-Gruppen bilden, die den ganzen Schlamassel mit dem Anschlag auf das WTC erst auslösten.
"Rudolf: Obama hat im Wahlkampf betont, dass Afghanistan ein notwendiger Krieg ist, der nicht verloren werden dürfe. Jetzt ist es für Obama wichtig, dass rasch Fortschritte erkennbar werden. Die erneute Truppenaufstockung - spätestens im Sommer dieses Jahres werden dann insgesamt 100.000 US-Soldaten in Afghanistan präsent sein - soll die Dynamik der Aufstandsbewegung brechen. Aus einer Position der Stärke heraus kann es dann vielleicht zu Verhandlungen der Kabuler Regierung mit Teilen der Taliban kommen und die Aufstandsbewegung zersplittert werden."
Herr Rudolf, vorhin sagten Sie, Obama wende sich gegen al-Quaida, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bush, welcher gegen den Terror kämpfte. Und das sahen Sie als Fortschritt.
Doch was ist jetzt mit den Taliban? Huch, gegen die wird nun massiv militärisch vorgegangen und nicht gegen al-Qaida.
Die Taliban waren einst ein auch unter anderen mit von US-Geheimdiensten gezüchtetes Gestrüpp um die vergleichsweise säkularen Warlords zu bekämpfen. Heute paktiert die Nato wieder mit diesen Kriegsherren, um die Taliban aus dem Pelz zu bekommen. Obama will Verhandlungen mit den Taliban gegen deren Willen mit mehr militärischer Gewalt durchbringen? Recht forsch, dies als Realismus zu bezeichnen. Noch dazu gegen eine Gruppierung, die VOR DEM ANSCHLAG AUF DAS WTC ANGEBOT OSAMA BIN LADEN AUSZULIEFERN. DEM Führer al-Quaidas schlechthin. Die USA gingen nicht darauf ein. Erst kurz vor der Invasion Afghanistans, forderten die USA ihrerseits von den Taliban die Ergreifung und Auslieferung Bin Ladens in einem unmöglich zu erfüllenden Ultimatum als vorgeschobenen Kriegsgrund.
Das ganze ist nichts weiter als eine Farce.
Denn der Talibaneinfluß wird sich mit Abzug der sog. "Ungläubigen" auftomatisch abschwächen, da ja die Anwesenheit westlicher Armeen als Ungläubige in Anghanistan ja mit ein wichtiges Motiv für die Taliban ist Nachwuchs zu rekrutieren. Obama spielt mit der kurzfristigen Aufstockung die letzte Karte auf Alles oder Nichts und einen sehr unwarscheinlichen Erfolg. Langfristig geht man raus, unabhängig eines Erfolgs. Notfalls wird man die entspannte Lage als Teilerfolg verkaufen, weil man aufgehört hat nicht weiter Benzin ins Feuer zu giessen. Die Taliban wachsen aber ständig nach. Was danach kommt wieß niemand.
Warscheinlich wird sich eines nicht ändern, daß Afghanistan selbst als strukturschwaches Land immer eine Basis und Rückzugsgebiet al-Quaidas bleiben wird, solange die Ära des militanten islamisti
Also ich bin von Obama und seinem ersten Amtsjahr nicht enttäuscht, weil ich mir keine Illusionen über die schiere Aussichtslosigkeit seiner Aufgabe gemacht habe.
Dabei muss man doch anerkennen, dass Obama immerhin den USA ein neues Gesicht gab, das, gemessen an der hässlichen Fratze der Bush-Administration, viel mehr Vertrasuen und Zuversicht auslöst.
Wer geglaubt gat, Obama könne alle Fehler und Dummheiten seines Vorgängers ungeschehen machen, ist naiv.
Dass er sich an vielen seiner gutgemeinten Zielen die Zähne ausbeißt, steht auf einem enderen Blatt.
oder weinen. Ich bin da noch unentschieden. Die SWP wird aus unseren Steuergeldern finanziert. Also doch eher weinen.
Weil wir ja für derartigen Quark zahlen.