US-Soldaten rücken in Hochburgen der Aufständischen vor und stoßen auf wenig Widerstand: Afghanistan erlebt die größte US-Offensive seit Sturz der Taliban - britische Soldaten flankieren die Angriffe.
Einen Tag nach Beginn ihrer Großoffensive gegen die Taliban im Süden Afghanistans sind die US-Streitkräfte weiter in deren Hochburgen vorgerückt. Die Soldaten trafen dabei nach Angaben eines Militärsprechers auf nur wenig Widerstand. Es handle sich um die größte Militäraktion der US-Truppen in Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.
Bild vergrößern
US-Soldaten am 3. Juli beim Einsatz in der Provinz Helmand - sie rücken gegen die Taliban vor. (© Foto: Getty Images)
Anzeige
Der Überraschungsangriff begann in der Nacht zum Donnerstag. Im Schutz der Dunkelheit wurden fast 4000 kürzlich eingetroffene Marineinfanteristen in Dörfer der südlichen Provinz Helmand verlegt, einer Hochburg der radikalislamischen Aufständischen. Die US-Streitkräfte wollen diese Gebiete vor der Präsidentenwahl am 20. August zurückgewinnen, um die Fundamentalisten ebenso wie den Drogenanbau zurückzudrängen.
Außerdem wollen sie die Stammesführer der Region und die Bevölkerung für sich gewinnen. Die US-Truppen sicherten sich nach eigenen Angaben bereits die Kontrolle über die Ortschaften Nawa, rund 30 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Laschkar Gah, und Garmser. Ferner werde über den Einmarsch in die Stadt Chan Neschin, die Hauptstadt des Bezirks Rig, verhandelt, sagte Hauptmann Bill Pelletier.
Nach US-Angaben wurden viele Aufständische von den Eliteeinheiten völlig überrascht. In dem Gebiet waren zuvor niemals US- oder Nato-Truppen in größerer Zahl im Einsatz gewesen.
Getrübt wurden die amerikanischen Erfolgsmeldungen von der mutmaßlichen Entführung eines US-Soldaten im Osten Afghanistans. Er gelte seit Dienstag als vermisst und sei allem Anschein nach von Aufständischen verschleppt worden, teilte eine Militärsprecherin am Donnerstag mit. Der Soldat war nicht an der Großoffensive beteiligt. Bei der Militäraktion kam nach Angaben der US-Streitkräfte seit Donnerstag ein Soldat ums Leben.
Erster Großeinsatz unter Obama
Die Militäraktion, an der auch etwa 650 afghanische Soldaten beteiligt sind, trägt den Namen Chandschar ("Schlag des Schwertes"). Nach US-Angaben handelt es sich um die umfangreichste Offensive im Land seit 2001 und weltweit den größten und am schnellsten vorrückenden Einsatz von US-Marineinfanteristen seit der Offensive in der irakischen Stadt Falludscha 2004. Zudem ist es der erste große Militäreinsatz unter US-Präsident Barack Obama, der Afghanistan mit einer deutlichen Truppenverstärkung stabilisieren will.
Obama hat bis zur Präsidentenwahl eine Aufstockung um rund 21.000 US-Soldaten angekündigt. Bis Jahresende soll die Gesamtzahl auf 68.000 steigen - nahezu eine Verdoppelung im Vergleich zum Stand unter Expräsident George W. Bush.
Unterstützung durch britische Truppen
Die Großoffensive in Helmand wird nach BBC-Angaben von Aktionen britischer Soldaten flankiert. Die Operation der Briten richte sich gegen Taliban-Hochburgen und sollte die Sicherheit vor den im August geplanten Präsidentschaftswahlen erhöhen, wie die BBC berichtete. Demnach beteiligten sich mehr als 700 Soldaten Soldaten des Königreichs an der dritten Welle der Operation "Panther's Claw", die bereits vor zwei Wochen in der Provinz von den Briten gestartet worden war.
Seit Beginn des Einsatzes am Hindukusch im Oktober 2001 sind insgesamt 171 britische Soldaten getötet worden. Das bisher letzte Opfer war am Mittwoch der hochrangigste britische Soldat, der seit dem Falklandkrieg 1982 bei einem Einsatz ums Leben kam. Der 39-jährige Oberstleutnant starb zusammen mit einem weiteren Soldaten, als das Fahrzeug der beiden von einer Bombe zerstört wurde.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Afghanistan RSS
- Afghanistan-Einsatz Offenheit und Offensiven 03.07.2009
- Afghanistan Mehrheit der Deutschen ist für Abzug 03.07.2009
- Afghanistan-Einsatz Schritt für Schritt in den Kampf 03.07.2009
- Afghanistan Bundestag gibt grünes Licht für Awacs-Einsatz 03.07.2009
- Afghanistan Taliban entführen US-Soldaten 02.07.2009
- Politik kompakt RAF-Mitglied Hogefeld bleibt in Haft 18.05.2010
- Afghanistan Flugzeugabsturz im Hindukusch 17.05.2010
(AP/dpa/ihe/woja)
Szene München
In den ersten beidem Kommentaren von Expat und Willie_Esco wurde ja alles wesentliche schon bemerkt...
Naivität wirkt arglos und ist gefährlich. Dass sich die Taliban nicht aufrecht einer überlegenen Streitmacht stellen, dürfte den "Experten" langsam bekannt sein. Versteckte Antworten aus dem Hinterhalt sind jetzt einfach wahrscheinlicher geworden. Sie treffen dann die Unschuldigen und in den Kasernen lässt es sich aufatmen.
Siege sind hier noch keine zu erkennen und die Märchentante wird selten gefragt, wenn wir Informationen über die reale Lage brauchen. Wer wird uns reinen Wein einschenken und wann?
@Willie_Esco: Sie trauen den Taliban zuviel zu. Bisher sind die Westlichen Trppen Militärisch einfach total id.iotisch vorgegangen. In wirklichkeit hatten die4 Taliban nie eine Chance, die bekammen sie nur durch zuvgiel anungslose US Politiker die sich in Militärische angelegenheiten eigemischt haben. Die 3 Taliban Städte mitten in Afgahnistan waren schon lange fällig. Nr.1 ist nun gefalle 2+3 kommen auch nocht. SDas ist nichts neues sondern unter Militärs schon seit 5 Jahren gefordert.
Die sind weder unbesiegbar noch vergleichbar mit Nordvietnam. Hinter den Taliban stehen nicht China+üSowjetunion die mit modernen Waffen und Nachschub aushelfen.
Sie haben recht es wird ein paar Anschläge geben. Aber im Vergleich zu 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte werden sich die Todesopfer auch im Süden weiterhin im Promilbereich bewegen. Wir sind da halt verwöhnt. Normal hat man früher bei so einem Krieg mit 20.000-100.000 Toten Soldaten gerechnet. Heute sind schon 3000 viel.... Sind es aber nicht. So wenige Tote gabs noch nie in der Menschheitsgeschichte bei so einem Krieg.
Milöitärisch (trotz Planungsfehlern) hoch erfolgreich aber an der Heimatfront schon fast verloren... (wie in Vietnam wo man kurz vorm zusammenbruch Nordvietnams abgezogen ist wegen der heimat)
Die Taliban wissen, dass sie im offenen Kampf keine Chance gegen die Amerikaner haben. Das erklärt auch warum es momentan wenig Widerstand gibt. Der Horror fängt erst später an. Nämlich dann, wenn sich die westlichen Truppen halbwegs sicher fühlen und mit Selbstmordattentaten und Hinterhälten "terrorisiert" werden.
Der Taliban selbst wartet ab, hält sich zurück und schlägt erst später wieder zu und dann wird es richtig hässlich, weil die westlichen Truppen bis dahin tief ins Feindgebiet vorgedrungen sind.
...die sich da die Amis selber spenden? Ich erinnere mich an Bushs siegessichere "Mission accomplished"-Selbstinszenierung im Irak.