Fakt ist: Etwa 46 Millionen Einwohner der USA sind ohne Gesundheitsversicherung - das ist fast ein Sechstel der Gesamtbevölkerung. Wenn sie bei einer Erkrankung oder Verletzung zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, bekommen sie danach eine Rechnung: Oft sind die zu zahlenden Beträge astronomisch, die Betroffenen müssen sich dafür verschulden. Kostspielige Behandlungen wie komplizierte Operationen oder Krebstherapien sind für Unversicherte schlichtweg nicht leistbar - staatliche Unterstützung erhalten nur bestimmte Personengruppen.
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Seit Jahrzehnten versuchen die Demokraten, an diesem System etwas zu ändern: stets erfolglos. Die bisherige Konstruktion ist die teuerste der Welt, und auch eine Reform würde zunächst Unmengen an Geld kosten. Obama plant eine staatliche Gesundheitsversicherung, auf die jeder Bürger Anrecht hat. Das würde bis zu einer Billion Dollar kosten, meint Obama. Kritiker - darunter nicht nur politische Gegner - befürchten noch höhere Kosten.
Als die Demokraten vor 15 Jahren ihren letzten großen Vorstoß für eine Neuordnung des Gesundheitssystems unternahmen, scheiterten sie kolossal. Der damalige Präsident Bill Clinton hatte die hochwirksame Medienkampagne seiner Gegner unterschätzt. Barack Obama möchte es besser machen. Er und seine Berater haben bereits im Wahlkampf bewiesen, dass sie mit dem Internet als Kommunikationsmittel umzugehen wissen. Die Dynamik, die Barack Obamas Kampagne zu seiner Präsidentschaftskandidatur schon im Vorwahlkampf entwickelte, ist zu einem Gutteil im Netz entstanden.
Blogger als Multiplikatoren
Seine Ideen zur Gesundheitsreform platziert er seit Wochen gezielt auf Twitter und Facebook. Es gilt das Motto, das sein Chefberater David Axelrod vor einigen Wochen formulierte: "Das Wichtigste ist, so viele Menschen wie möglich einzubinden." Obama möchte wieder Präsident der Massen sein - mit einer breitangelegten öffentlichen Debatte soll Druck auf die Kongressabgeordneten ausgeübt werden.
Jene Blogger, die Obama persönlich zur Konferenzschaltung eingeladen hat, sollen zu Multiplikatoren für seine Argumenten werden. Sie sollen zu hohe Kostenschätzungen anzweifeln, den befürchteten wirtschaftlichen Ruin der privaten Versicherungen als Propaganda abtun und nicht zuletzt immer wieder auf Obamas zentrale Begründung für die Reform hinweisen: Dass sich arbeitslose Menschen oder bedürftige Familien die einfachste gesundheitliche Versorgung nicht leisten können.
Blogs könnten am besten jene Mythen entlarven, die durch die traditionellen Medienkanäle verbreitet würden, sagte Obama bei der Konferenz. "Deshalb werdet ihr in den kommenden Wochen eine sehr wichtige Rolle für unseren Erfolg spielen."
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(sueddeutsche.de/odg)
Debatte um Militärintervention in Syrien
Wirrnis wohin man nur blickt. Das Land wird nach wie vor durch Großkapitalismen gesteuert - und zwar in den Abgrund. Das ohne Zweifel. Es geht ab und zu mal wieder etwas rauf, dann aber noch sehr viel tiefer runter. Amerika ist krank. Wie soll man es anders bezeichnen, was sich da tut! Es bricht am Kampf zwischen reich und arm. Es wird brechen, zerbrechen und schließlich ganz untergehen. Bis dahin ist jedoch auch der Rest der Welt zerbrochen. Der Rest der Welt hat sich die amerikanische Krankheit geholt, die eigentlich die britische ist. rr.kendel
...obwohl die linke Blogosphäre dringend ein verstärktes Engagement des Präsidenten angemahnt hat. Ich lese täglich einige der wichtigsten "liberal" (im amerikanischen Sinne, =linke) Blogs, und soweit ich sehe war die Kritik an Obama's "laissez faire" Politik einstimmig. Und jetzt ruft er die gleichen Blogs um Hilfe? Schon merkwürdig, dieser plötzliche Sinneswandel. Ich glaub auch nicht, daß dies jetzt noch viel bringt. Die Blogs haben schon alles mögliche gemacht, um Einfluß auf die wankelmütigen "blue dogs", die Demokraten vom rechten Flügel, zu nehmen. Ohne ein Machtwort des Präsidenten hat dies bisher nicht viel bewirkt.
Ich vermute, das neue Weiße Haus wollte Clinton's Fehler beim letzten Versuch einer Gesundheitsreform konsequent vermeiden. Damals hat Hillary versucht, die Reform bis ins Kleinste zu regeln, und hat dann nur noch das Gesamtpaket zur Abstimmung ins House und den Senat geschickt, nach der Methode: Friß oder stirb. Das ging latürnich schief. Vielleicht daher hat man's diesmal genau andersrum gemacht, und die Parlamentarier alles alleine austacheln lassen, praktisch ohne Vorgaben. Nicht allzu überraschend, ist dies andere Extrem auch kein Erfolg. Die lange Leine hat die Debatte zu sehr ausufern lassen, und einzelne Demokraten, die von Wahlunterstützung der Krankenversicherer abhängig sind, hatten jede Möglichkeit, Giftpillen ("trigger option") in die Diskussion einzubringen, die eine echte Reform effektiv bis in den Sankt Nimmerleinstag verhindern. Und nun ist es fünf vor Zwölf, um den entstandenen Schaden zu reparieren, und die Geschlossenheit der Demokratischen Mannschaft wieder herzustellen.
Trotz allem zweifele ich nicht daran, daß diesmal tatsächlich eine Gesundheitsreform verabschiedet werden wird. Aber ob diese tatsächlich eine entscheidende Wende zur Allgemeinen Gesundheitsversorgung ("universal healthcare") einleiten wird, ist noch sehr fraglich. Obama selbst muß mehr dafür tun, und scheinheilige Appelle an die Blogger, die bisher im Alleingang versuchten, die Stimmung in die "richtige" Richtung zu lenken, sind zu wenig, zu spät.
Obamas Programm zu unterstützen, würde ihnen ein Licht aufgehen, dass sie selbst auch davon profitieren.............
Sich am Scheitern von Strategien des Anderen zu ergötzen, stand noch nie für substanziierte und ingeniöse Politik............. diese Erkenntnis sollte eigentlich der Erfahrungsstatus der Reps beinhalten...