Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt: Der US-Senat stimmte knapp dafür, die Debatte über einen Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform zu eröffnen.
Im Ringen um die Gesundheitsreform hat US-Präsident Barack Obama eine weitere wichtige Hürde genommen: Der Senat stimmte am Samstagabend für die Eröffnung der formellen Debatte über einen Gesetzentwurf der Demokraten. Nur mit Mühe allerdings erreichten die Demokraten die dafür notwendige Mehrheit von 60 der 100 Stimmen - gleichwohl sprach das Weiße Haus von einem "historischen Votum".
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Demonstranten protestieren vor dem Kapitol gegen Obamas Reformpläne. (© Foto: AFP)
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Um die Debatte überhaupt beginnen zu können, wurden die Stimmen aller 58 Demokraten sowie zweier unabhängiger Senatoren benötigt. Drei der konservativen Demokraten entschlossen sich erst kurz vor dem Votum zur Zustimmung. Ihr Ja zur Debatte bedeute aber noch nicht ihre Zustimmung zu dem Entwurf, versicherten die beiden Senatorinnen von Louisiana und Arkansas, Mary Landrieu und Blanche Lincoln.
Forderung nach Änderungen
Ebenso wie zuvor ihr Kollege Ben Nelson aus Nebraska warnten sie, dass sie sich bei der Abstimmung über die Vorlage doch noch auf die Seite der Republikaner schlagen könnten, blieben ihre Forderungen nach wichtigen Änderungen ungehört. Auf republikanischer Seite stimmten 39 der 40 Senatoren gegen die Debatte - der Senator von Ohio, George Voinovich, blieb der Abstimmung fern.
Die Gesundheitsreform ist Obamas ehrgeizigstes innenpolitisches Projekt. Das Repräsentantenhaus verabschiedete erst kürzlich mit knapper Mehrheit eine eigene Vorlage. Der Entwurf des demokratischen Mehrheitsführers im Senat, Harry Reid, wurde bislang sogar nur in Ausschüssen beraten.
Reids Entwurf sieht eine Krankenversicherung für 31 Millionen bislang nicht versicherte US-Bürger vor. Die bisherigen privaten Versicherungskonzerne sollen demnach Konkurrenz durch öffentliche Krankenkassen erhalten.
Die gängige Praxis, Kunden aufgrund von Vorerkrankungen abzulehnen oder den Schutz bei schweren Erkrankungen zu beschneiden, soll eingeschränkt werden. Die Reform würde bis 2019 insgesamt 848 Milliarden Dollar kosten, im gleichen Zeitraum aber das US-Haushaltsdefizit um rund 130 Milliarden Dollar senken.
Ein langer, mühsamer Weg
Bis zum tatsächlichen Umbau des Gesundheitswesens ist es noch ein langer, mühsamer Weg. Die Debatte im Senat wird voraussichtlich nach Thanksgiving Ende November beginnen, über den Entwurf abgestimmt würde frühestens in einem Monat. Nach einem erfolgreichen Votum müssen die Entwürfe beider Kongresskammern in Einklang gebracht und dann nochmals zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Republikaner, die die Reform erbittert bekämpfen, werden dabei versuchen, die Abstimmung so weit es geht in das nächste Jahr hinauszuzögern. Sie setzen darauf, dass sich die Skepsis der konservativen Demokraten kurz vor den nächsten Kongresswahlen 2010 noch vergrößern wird.
Reid warnte denn auch vor zu großem Optimismus: "Wir können die Ziellinie sehen, haben sie aber noch nicht erreicht", sagte er nach der Abstimmung. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, sagte, das "historische Votum" bringe die USA einen Schritt näher zu einer stabilen und sicheren Gesundheitsfürsorge für alle Bürger.
Der republikanische Minderheitenführer Mitch McConnell verurteilte erneut das "2074 Seiten starke und Multi-Billiarden teure Experiment". Seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben mehrere US-Präsidenten vergeblich versucht, die traditionelle Abneigung ihrer Bürger vor einer größeren Rolle des Staates in der Gesundheitsfürsorge zu brechen.
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(AFP/ehr)
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