Seit Wochen hat das Schicksal des Guantanamo-Gefangenen Binyam Mohamed für Schlagzeilen gesorgt. Nun wurde er freigelassen - als erster Häftling seit Obamas Wahl.

Ein aus Äthiopien stammender Guantanamo-Häftling ist nach jahrelanger Gefangenschaft freigelassen und nach Großbritannien geflogen worden. Binyam Mohamed wurde 2002 in Pakistan festgenommen und zwei Jahre später nach Guantanamo überstellt.

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Binyam Mohameds Schicksal sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Zahlreiche Menschen forderten seine Freilassung. (© Foto: Getty)

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Nach eigener Aussage wurde er monatelang brutal gefoltert, Anwälten zufolge wusste die britische Regierung von den Misshandlungen. Der 30-Jährige ist nach Angaben des britischen Außenministeriums der erste Guantanamo-Häftling, der seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama auf freien Fuß gesetzt wurde.

Außenminister David Miliband sagte, die Freilassung Mohameds sei "der erste Schritt" auf dem Weg, Guantanamo komplett zu schließen. Das Schicksal des Mannes sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Mohamed saß seit 2004 wegen Terrorverdachts in dem Lager und war zuletzt im Hungerstreik.

Nach eigener Darstellung wurde er anschließend in Marokko, Pakistan und Afghanistan in US-Gefangenschaft gefoltert, bis er die Terrorvorwürfe zugab. Dabei soll der britische Geheimdienst Fragen an seine Folterer weitergegeben haben. "Ich muss - mehr in Trauer als in Wut - sagen, dass sich viele an meinem Grauen in den vergangenen sieben Jahren mitschuldig gemacht haben", sagte Mohamed in einer Erklärung. "Ich will keine Rache. Nur soll die Wahrheit bekanntwerden, so dass niemand dasselbe aushalten muss wie ich." Die USA bestreiten alle Foltervorwürfe.

Mohameds Anwälte forderten die britische Regierung nach der Landung auf dem Militärflugplatz Northolt in London auf, den Mann nach Befragungen sofort wieder freizulassen. Der Sprecher von Premierminister Gordon Brown sagte, die Regierung werde alle Vorbereitungen treffen, damit die Öffentlichkeit nicht gefährdet werde.

Alle Vorwürfe gegen ihn wurden fallengelassen

Mohamed wurde beschuldigt, 2001 in einem Al-Qaida-Lager in Afghanistan ausgebildet worden zu sein, um Terroranschläge in den USA auszuführen. Im vergangenen Jahr wurden sämtliche Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen. Die Regierungen der USA und Großbritanniens hatten sich vergangene Woche geeinigt, Mohamed nach Großbritannien zurückzufliegen. Obama will das Lager auf Kuba noch innerhalb eines Jahres schließen.

Mohameds Foltervorwürfe sind auch Kern eines Rechtsstreits vor einem Londoner Gericht: Mohamed hatte dort die Veröffentlichung von Akten beantragt, aus denen die Folterbeteiligung des britischen Geheimdienstes hervorgehen soll. Außenminister Miliband hatte die Veröffentlichung abgelehnt, weil es sich bei den Akten um US-Geheimdienstinformationen handele, die nicht ohne Einverständnis der USA veröffentlicht werden dürften. Kate Allen, Direktorin von Amnesty International UK, forderte am Montag eine unabhängige Untersuchung über die Rolle der Briten in dem Fall.

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(dpa/AP/dmo)