Panama Papers Noch ein möglicher Grund, warum US-Politiker nicht in den Akten zu finden sind

Aber es gibt noch eine Erklärung dafür, warum US-Politiker nicht in den Akten zu finden sind: Womöglich haben es die allermeisten schlicht nicht nötig, ihre Vermögensverhältnisse in einer Steueroase zu verschleiern. Erstens ist es in Amerika sehr verbreitet und akzeptiert, dass Politiker reich sind - anders als in Europa. Bis auf wenige Ausnahmen sollen alle US-Senatoren Millionäre sein; das muss also niemand verheimlichen.

In Washington ist es auch völlig üblich, ein paar Jahre in der Politik zu arbeiten, ob im Parlament, in einem Ministerium oder im Weißen Haus, dann ein paar Jahre in der Wirtschaft, wo man sich seine guten Kontakte vergolden lässt, und dann wieder in die Politik zurückzukehren. Außerdem hat es der Supreme Court erlaubt, dass Reiche und Konzerne unbeschränkt Geld für Wahlkämpfe spenden können. Die amerikanische Politik also ist vom großen Geld durchsetzt, das weiß jeder und es wird im Wahlkampf zurzeit auch wieder einmal beklagt. Nur: Verheimlichen muss man das längst nicht mehr.

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Für die Reichsten in Amerika ist der Anreiz auch deutlich geringer als in Teilen Europas oder Lateinamerikas, Vermögen im Ausland zu verstecken: Die Gesetze begünstigen sie nämlich ohnehin. Wenn die Einkünfte aus Geldanlagen stammen, ist der Steuersatz deutlich geringer als bei Angestellten. "Wenn man Mitt Romney heißt oder Donald Trump und seine Einkünfte aus Investitionen bezieht, ist der Steuersatz so niedrig, dass man eine ferne Oase gar nicht braucht. Außerdem nutzen die Reichen etliche legale Steuerschlupflöcher", sagt der Reporter Kevin Hall.

Das bestätigt die These des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders, wonach "das System" in Amerika allein den Reichen in die Hände spielt. "Ich habe es euch schon immer gesagt" - so lässt sich seine Reaktion auf die Panama Papers zusammenfassen. "In einer Zeit wachsender Ungleichheit müssen die reichsten Menschen und die größten Konzerne ihren fairen Anteil Steuern zahlen", erklärte Sanders in einer Stellungnahme. "Kinder sollten nicht hungern, während Milliardäre Steuerparadiese nutzen, um Steuern zu vermeiden." Das Dramatische ist: Nach immer neuen Steuersenkungen seit den Achtzigern sind die USA, jedenfalls für die Reichsten, längst selbst ein Steuerparadies.

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