Der US-Präsident schickt weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan - und verkündet zugleich, 2011 den Abzug einzuleiten. Amerika soll ein zweites Vietnam erspart bleiben.
Es ist eine Ansprache, die noch viel Gesprächstoff liefern wird. 36 Minuten steht Barack Obama auf der Bühne der Eisenhower-Halle der Militärakademie West Point und formuliert Amerikas neue Strategie für den Krieg in Afghanistan. Dann steigt er hinab zu den Kadetten, die in grauen Uniformen zu ihrem Oberbefehlshaber aufgeblickt haben.
Barack Obama bei seiner Rede an der Militärakademie West Point: 30.000 weitere Kämpfer sollen den Krieg in Afghanistan zum Guten wenden. 2011 will der US-Präsident mit dem Abzug der Truppen beginnen. (© Foto: AP)
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Minutenlang schüttelt er Hände, klopft Schultern und posiert für Fotos. Die jungen Frauen und Männer werden im kommenden Jahr in West Point ihren Abschluss machen. Viele von ihnen wird Obama in den Krieg schicken. In seinen Krieg.
Seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist, dominiert Afghanistan das außenpolitische Denken Washingtons. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit stockte Obama das Truppenkontingent um 21.000 Soldaten auf. Dennoch verschlechterte sich die Sicherheitslage. Nun sollen 30.000 weitere Kämpfer die Wende erzwingen.
Der Präsident schildert das Dilemma
Die Mobilisierung erfolgt im Eiltempo. Schon im nächsten Sommer soll die Verstärkung in Afghanistan eintreffen. Und auch für den Einsatz gibt Obama einen engen Zeitrahmen vor. 2011 sollen die ersten Truppen wieder nach Hause kommen. Kann diese Doppelstrategie, dieser Kompromiss zwischen Eskalation und Abzug, gelingen?
Das Dilemma am Hindukusch schildert der Präsident selbst am Anfang seiner Rede. Die Geschlossenheit, mit der Amerika nach den Terrorangriffen des 11. September 2001 in den Krieg zog, ist Geschichte, und die Unterstützung, die die Alliierten der Nato den USA versprachen, erodiert.
Der Präsident kämpft einen unpopulären Krieg in einer Zeit, in der die meisten Amerikaner sich um den Verfall von Städten wie Detroit und Las Vegas sorgen, nicht um den Aufbau von Kabul oder Kandahar. Obama weiß das, deshalb sagt er: "Die Nation, um deren Aufbau ich mich am ehesten kümmern will, ist unsere eigene."
Zurück zur Realpolitik
Obama, dem erst im Oktober der Friedensnobelpreis verliehen wurde, begräbt an diesem Mittwochabend endgültig die Idee, ein blühendes Staatswesen am Hindukusch aufzubauen. Kein einziges Mal spricht er das Wort "Demokratie" in Verbindung mit Afghanistan aus. Die Führungsnation der freien Welt begnügt sich mit Realpolitik.
Das Ziel des US-Präsidenten ist es, das Terrornetzwerk al-Qaida auszuschalten. Dafür will der Präsident Afghanistan stabilisieren und geordnet hinterlassen - mehr nicht. Er will die korrupte Regierung zu Reformen drängen und die konfliktscheuen Sicherheitskräfte zu schlagfähigen Einheiten ausbilden.
Bis 2011 sollen die aufständischen Glaubenskrieger der Taliban zurückgedrängt werden, weil sie zumindest in Teilen mit al-Qaida verwoben sind. Doch dann sollen die Afghanen ihre Konflikte selbst austragen. Obama stellt ultimativ klar, dass der Einsatz der Amerikaner am Hindukusch nur noch von begrenzter Dauer ist.
Er hat andere Prioritäten
Acht Jahre schon zieht sich der Krieg gegen al-Qaida und die Taliban hin. Der neue Präsident führt ihn nur widerwillig fort. Er hat andere Prioritäten. Die Überwindung der Wirtschaftskrise, die Gesundheitsreform, die ökologische Neuausrichtung der amerikanischen Industrie. Doch er sieht keine Alternative.
Obama glaubt nicht daran, dass der sofortige Rückruf der Truppen, wie er von einigen seiner Parteifreunde gefordert wird, eine Lösung wäre. Dann würde sich Afghanistan erneut zur Brutstätte von al-Qaida entwickeln, warnt der Präsident.
Natürlich beschwört Obama mit dieser Logik das Gespenst von Vietnam herauf. Er weiß das - und versucht, es zu vertreiben. "Anders als in Vietnam haben wir die Unterstützung von 43 Nationen", versichert er. "Anders als in Vietnam haben wir es nicht mit einem von weiten Teilen der Bevölkerung getragenen Aufstand zu tun." Doch was noch viel wichtiger sei: Anders als in Vietnam seien die Amerikaner diejenigen, die angegriffen wurden.
"Dies ist nicht nur Amerikas Krieg"
Mit diesen Worten will Obama das kriegsmüde Land für seinen Feldzug gewinnen. Den Kadetten ruft der Präsident zu: "Ich schulde euch eine Mission, die klar definiert und eures Dienstes würdig ist." Gleichzeitig mahnt er die Alliierten: "Dies ist nicht nur Amerikas Krieg. Seit den Anschlägen vom 11. September waren die Rückzugsgebiete von al-Qaida der Ausgangspunkt für Angriffe auf London, Amman und Bali."
Wer auch immer in Berlin gehofft hatte, dass die USA den Krieg am Hindukusch alleine entscheiden wollten, hat sich getäuscht. Obama fordert unmissverständlich, dass die Verbündeten der USA einen Beitrag zum Erfolg der neuen amerikanischen Afghanistanstrategie leisten. Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte schon bald mit konkreten Truppenwünschen aus Washington konfrontiert werden. Auch in Europa wird über die gestrige Ansprache noch viel geredet werden.
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(sueddeutsche.de/mikö)
Die Ärzte in München
...so drastisch hatte ich Ihren Satz nicht aufgefaßt, denn an eine Ermordung des Präsidenten will ich als undenkbares, unvorstellbares Mittel der politischen Auseinandersetzung einfach nicht denken. Das wäre eine Tragödie. So dachte ich, Sie beziehen sich auf Obamas politisches Überleben. Aber so wie ich es sehe, wird ihm auch die Manövrierei in Sachen Afghanistan das politische Überleben nicht garantieren.Es wird sein Vietnam werden.Es sei denn, er zaubert Kaninchen aus dem Hut - i.e. Arbeitsplätze und den Aufschwung der Wirtschaft.
Sie missverstehen offensichtlich meinen Satz
"Barack Obama rettet in den USA -vielleicht- seine Haut!"
DENN damit wollte ich "nur" ausdrücken, dass O. sich mit dieser, unter jedem sachlichen Aspekt FALSCHEN Entscheidung sich vor einer ERMORDUNG -vielleicht(!)- geschützt hat!
ABER, politisch, d.h. im Hinblick auf den Ausgang der nächsten regionalen Teil-Wahlen und seine Wiederwahl in 3 Jahren habe ich keinerlei Zweifel:
Die Demokraten werden die Mehrheiten in beiden Häusern verlieren!
UND
Obama hat keine Chance auf Wiederwahl!
Jetzt "alles klar"?
Sie werteten Obamas mit großer Fanfare angekündigten Beschluß, wo er wieder mal versucht, es allen ein bißchen rechtzumachen (Aufstockung von Truppen UND Abzug - terminlich abgestimmt auf den nächsten Wahltermin 2012- damit, daß Obama in den USA seine Haut retten wolle.
Aber selbst das ist äußerst fraglich, denn dem größten Teil des US-Publikums ist der Afghanistan-Krieg höchstens deswegen ein Dorn im Auge (mehr nicht), weil er die Unsummen verschlingt, die er - zusammen mit dem Irak-Krieg - bereits verschlungen hat. In der NYT las man neulich, die Kosten für die Kriege würden mit einer Million Dollar pro Soldaten pro Tag veranschlagt! Und dieses Geld, so meint man hierzulande, sei doch besser ausgegeben für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Denn DAS ist das Problem Nummer 1 für die Amis.Und wenn sich da keine Besserung der Lage am Horizont abzeichnet - und zwar bald - könnte Obama ein "one-term-president" werden. So höre ich es jedenfalls rings um mich.Die Meinung der Weltöffentlichkeit? Schert Obama so wenig wie die früheren Präsidenten. Die Weltöffentlichkeit wird nur zitiert, wenn Forderungen an diese gestellt werden, also an DE: Mehr Soldaten für Amerikas Krieg in Afghanistan.
@Taikonaut:
"Dummgeschwätz. Die missliche Lage der Konsumwirtschaft der USA basiert auf das Outsourcen von Produktion. Ja sogar Dienstleistungen wurden und werden nach Indien outgesourct."
Du meinst, dass die missliche Lage der USA am Wandel vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort und der damit einhergehenden Verschiebung von niedrigqualifizierter Arbeit in Niedriglohnländer liegt. Damit hast du teilweise sicher recht - aber was bitte hat die Regierung mit der freien Enstcheidung von Unternehmern zu tun?!
"Der Prozess setzte schon vor dem Amtsantritt des wiedergeborenen Christen ein. Die Überproduktion von Immobilien war schon 2001 Thema! National Geographic Juli 2001. Die Invasion von Afghanistan war vorbereitet. Der Wiedergeborene hat alles immer nur beschleunigt. Und zwar alles in der Amtszeit eines oralophilen Ehebrechers. Die Kriege jetzt sind nur Schaumschlägerei."
Gehts auch ohne Beleidigungen?!
BTW - die USA hatten schon immer einen stark zyklisch verlaufenden Immobilienmarkt der tatsächlich ende der Neunziger in der Krise steckte...
"Sie verschleiern und mäßigen den Fall (siehe Nikkeientwicklung seit 80er).
Und wenn die Argumentation der Sicherheit keinen ökonomischen Hintergedanken hat, sollte man überlegen, ob man in Zukunft die Kathedralen, wie den gefällten WTC-Komplex, von der Steuer befreien soll, da sie erwiesenermaßen für den Bilderbergklan religiöse Objekte darstellen. Wahrscheinlich summa summarum zahlen die auch keine. Da Religion, wie man sieht, das gefährlichste Opium darstellt, ist ein Taikonaut relativ clean."
Und jetzt haben deine Pillen aufgehört zu wirken?!
Neue Truppen nach Afghanistan, klingt ähnlich wie mehr Zigaretten zur abgewöhnung des Rauchens oder mehr Alkohol für die Trinker zur Entwöhnung.
Hier wird ein Krieg geführt, der nie gewonnen werden kann. Man kann einem Volk nicht unser Demokratieverständnis überstülpen. Wer die Geschichte Afghanistans nur annähernd betrachtet, kann diese Fehler eigentlich vermeiden. Wieviel Leid soll dieser Einsatz noch über die Bevölkerung und den beteiligten Militär bringen. Man hat wohl in Obama falsche Hoffnungen gesetzt. Auch er kann sich nicht gegen die Lobby der Rüstungsindustrie durchsetzen, die nur so Gewinne generieren kann
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