Von Christian Wernicke, Washington

Keiner scheint das Gegenbild zum amtierenden US-Präsidenten besser zu verkörpern als Obama. Doch in der Außenpolitik unterscheiden sich die Positionen der demokratischen Präsidentschaftskandidaten kaum von denen Bushs.

Keiner scheint so anders zu sein wie er. Barack Obama ist der Anti-Bush, mit Haut und Herkunft verkörpert dieser schwarze Demokrat das Gegenbild zum amtierenden Präsidenten: Sohn eines kenianischen Vaters, als Kind aufgewachsen unter Muslimen in Indonesien, politisch gereift als Aktivist in den Hinterhöfen der rauen South Side von Chicago.

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Der Kandidat, inzwischen US-Senator, kennt die Welt, schmückt seine Reden bisweilen mit Anekdoten von Menschen, denen er in der Ukraine, im Nahen Osten oder im Flüchtlingslager in Darfur begegnet ist.

Barack Obama, das ist der Kosmopolit unter den Anwärtern für den mächtigsten Job auf Erden. Er hat erfahren, in welch tiefe Einsamkeit George W. Bush seine Nation global getrieben hat.

Weshalb er - von 2009 an - gerne alles anders machen möchte. In jeder Rede verheißt er, wie sämtliche Demokraten, Amerikas Soldaten aus der Wüste des Irak herauszuführen. Oder Guantanamo, den berüchtigten US-Militärkerker auf Kuba, zu schließen.

Führen durch Taten

Obama will Gutes tun - die Entwicklungshilfe verdoppeln, den Kampf gegen den Klimakollaps aufnehmen, Frieden in Nahost schaffen. Und er will viel darüber reden - nicht nur mit den Alliierten in Europa, auch mit Washingtons Feinden wie dem Diktator in Syrien oder den Mullahs in Iran.

"Lead by example" lautet seine Losung: "Führen mit gutem Beispiel, nicht nur in Worten, sondern mit Taten." Denn, so glaubt Obama fest, "die Stunde Amerikas ist nicht vorbei, aber wir müssen sie neu ergreifen".

Allein, dieses friedliebende Pathos ist nur die halbe Wahrheit des Barack Obama. Die andere Hälfte klingt schriller, rasselnder. Amerika müsse "in der Offensive bleiben, von Dschibuti bis Kandahar".

Zusätzlich 92.000 US-Soldaten will Obama (genau wie Bush) rekrutieren, um im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida "Stiefel auf den Boden zu kriegen und die dunklen Terror-Netzwerke zu eliminieren".

Das Bekenntnis, kein US-Präsident "sollte jemals zögern, Gewalt anzuwenden - wenn nötig, unilateral", geht ihm leicht über die Lippen. Ohne ein Zucken im Mundwinkel.

"Prompt zurückschlagen"

Das gehört in Amerika zum patriotischen Grundton. John Edwards, Obamas linker Konkurrent, redet sehr ähnlich.

Und auch die demokratische Favoritin Hillary Clinton, die für den heutigen Mittwoch eine außenpolitische Grundsatzrede in Aussicht stellte, will bei Gefahr für die nationale Sicherheit nicht zaudern: Bei einer neuerlichen Terrorattacke auf Amerika werde sie "prompt und klug zurückschlagen", eine iranische Atombombe müsse ihre Nation "um jeden Preis verhindern".

Sicher, gerade Demokraten stehen wegen ihrer Anti-Kriegs-Proteste - einst Vietnam, nun Irak - unter dem Zwang, sich als vaterlandstreue Gesellen zu beweisen. Nur gehen Obama & Co. noch weiter.

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