Sarah Palins Angriffe auf Barack Obama schweißen dessen Lager zusammen: Nach der kämpferischen Rede der Republikanerin am Mittwoch vermelden die Demokraten einen neuen Spendenrekord - und bedanken sich sarkastisch bei McCains Running Mate.

John McCain hat in seiner Nominierungsansprache Respekt vor seinem Landsmann Barack Obama ausgedrückt - doch beim republikanischen Wahlparteitag gaben sich nicht alle Redner so wohlgesonnen. Doch die Angriffe auf dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten wirken offenbar auch kontraproduktiv: Sie haben die Spendenbereitschaft von dessen Anhängern angeregt. In den ersten 24 Stunden nach der Ansprache der republikanischen Vizekandidatin Sarah Palin am Mittwoch habe Obama etwa zehn Millionen Dollar an Spenden erhalten, teilte sein Sprecher Bill Burton am Donnerstagabend (Ortszeit) mit.

Bild vergrößern

Freut sich über einen neuen Spendenrekord: Barack Obama (© Foto: AFP)

Anzeige

Dies sei ein neuer Spendenrekord für einen Tag. "Ich hoffe, Palin hält nun jeden Tag eine Rede", fügte Burton spöttisch hinzu. Insgesamt hatte Obama bis Ende Juli 389 Millionen Dollar an Spenden eingenommen, der Republikaner John McCain kam auf 174 Millionen Dollar. Die Zahlen für August sind noch nicht vorgelegt worden.

Obama: Republikaner sind ideenlos

Obama warf den Republikanern kurz vor Ende ihres Parteitags Ideenlosigkeit vor. Zudem reagierte er gelassen auf die jüngsten Angriffe Sarah Palins "Sie haben zwei ganze Abende damit verbracht, mich zu attackieren und John McCains Lebensgeschichte zu loben. Das ist in Ordnung", sagte Obama am Donnerstag nach einem Fabrikbesuch in York im Bundesstaat Pennsylvania. Das sei keine große Sache.

Die Republikaner seien nur deshalb in die Offensive gegangen, da sie keine Ideen oder konkreten Pläne für ein besseres Leben vieler Amerikaner vorweisen könnten, fügte Obama hinzu.

Palin hatte sich aggressiv in den US-Wahlkampf gestürzt. In ihrer ersten Rede nach der Ernennung zur Vizekandidatin griff sie Obama scharf an. Die Gouverneurin von Alaska nahm dabei den Vorwurf der Unerfahrenheit auf und wandte ihn voller Spott gegen Obama, der selbst nie ein Regierungsamt ausgeübt hat.

Sie stellte sich auf dem Parteitag in St. Paul zugleich als Reformerin dar, die mit alten Traditionen breche. Die 44-Jährige warf Obama vor, bei aller Sprachgewandtheit die konkreten Details seiner geplanten Politik ausgelassen zu haben. Es könne bei aller Rhetorik leicht vergessen werden, dass Obama zwar zwei autobiographische Bücher geschrieben, aber keine einzige größere Reform auf den Weg gebracht habe.

Mehr Zuschauer für Palin als für Oscar-Verleihung

Mit so viel Angriffslust erreichte Palin enorme Aufmerksamkeit - rund 37,2 Millionen Fernsehzuschauer in den USA verfolgten ihre Rede am Mittwoch. Damit kam sie auf fast so viele Zuschauer wie Obama, der in der vergangenen Woche 38,4 Millionen Zuschauer vor die Fernsehschirme lockte, wie der Marktbeobachter Nielsen Media Research erklärte.

Das ist in beiden Fällen ein größeres TV-Publikum als etwa bei der Oscar-Verleihung oder dem Talentwettbewerb "American Idol". Palin lief damit Obamas Vizekandidaten Joe Biden klar den Rang ab, bei dessen Rede nur 24 Millionen Zuschauer das Gerät einschalteten.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AP/Reuters/AFP/ihe/cag)