US-Außenpolitik Trump nimmt jetzt auch Venezuela ins Visier

  • Trump will ein militärisches Eingreifen im blutig zerstrittenen Venezuela nicht ausschließen. Konkrete Pläne nannte er nicht.
  • Zugleich verschärfte er am Freitag erneut den Ton gegen Nordkorea.
  • Bedenken von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen eine Eskalation des Konfliktes wies er zurück.

US-Präsident Donald Trump will jetzt auch gegen Venezuela notfalls mit Gewalt vorgehen. Nach einer Woche der Drohungen gegen Nordkorea verschärft er den Ton gegenüber dem blutig zerstrittenen Land im Norden Südamerikas. Im Venezuela-Konflikt gebe es mehrere Möglichkeiten. Darunter "eine militärische Option", sagte Trump am Freitag in seinem Golfclub in Bedminster im US-Bundesstaat New Jersey. "Er werde diese nicht ausschließen", sagte er. Auf die Frage, ob so eine Operation von den USA angeführt werden würde, antwortete Trump, darüber rede er nicht.

In Venezuela tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition. Das Land steht nach dem Einbruch des Ölpreises wirtschaftlich am Abgrund. Die Währung ist kaum noch etwas wert. Präsident Nicolás Maduro hat ein autokratisches System etabliert, das die Opposition praktisch ausschließt. Seit Anfang April wurden mindestens 125 Menschen in den politischen Unruhen getötet. Trump sagte: "Wir haben Truppen auf der ganzen Welt, an weit entfernten Orten. Venezuela ist nicht sehr weit weg und die Menschen dort leiden und sterben." Trump nannte die Lage in dem Land "sehr gefährlich".

Nach Angaben des Weißen Hauses hat Trump am Freitagabend ein Telefonat mit dem venezolanischen Präsidenten abgelehnt. Trump werde gern mit Maduro sprechen, wenn die Demokratie in dem südamerikanischen Land wiederhergestellt sei, hieß es in einer Mitteilung der Sprecherin des Weißen Hauses. Trump habe von Maduro gefordert, die Verfassung Venezuelas zu respektieren, politische Gefangene freizulassen und faire freie Wahlen abzuhalten - stattdessen habe Maduro jedoch den Weg der Diktatur gewählt, hieß es in der Erklärung.

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Zugleich hat Trump seine Drohungen gegenüber Nordkorea nocheinmal bekräftigt. "Ich hoffe, dass sie voll und ganz das Gewicht meiner Worte verstehen; und was ich gesagt habe, das habe ich auch so gemeint", sagte Trump zu Reportern. Seine Worte seien sehr leicht zu verstehen.

Trump hatte gesagt, militärische Lösungen seien vollständig vorbereitet, "entsichert und geladen". Nordkorea droht seinerseits, bis Mitte August werde ein Einsatzplan stehen, mit dem vier Mittelstreckenraketen über Japan hinweg auf das US-Territorium Guam im Pazifischen Ozean abgefeuert werden könnten.

Trump weist Merkels Kritik zurück

Trump erklärte, er wollte noch am Freitag mit Chinas Präsident Xi Jinping über die "sehr gefährliche" Lage sprechen. "Niemand möchte eine friedliche Lösung mehr als Präsident Trump", sagte Trump. Xi erklärte chinesischen Staatsmedien zufolge in dem Gespräch, alle Beteiligten sollten Äußerungen oder Handlungen vermeiden, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel anheizen würden. Beide Präsidenten waren sich offenbar einig, dass Nordkorea sein provokatives und eskalierendes Verhalten beenden müsse.

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China und Russland hatten sich besorgt gezeigt über die verbale Eskalation der vergangenen Tage. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigte einen russisch-chinesischen Vermittlungsversuch an.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte vor einer Eskalation des Konfliktes mit Nordkorea. Dieser sei militärisch nicht zu lösen. Trump antwortete auf Fragen nach seiner Haltung zu Merkels Äußerungen: "Merkel spricht vielleicht für Deutschland, lasst sie für Deutschland sprechen."

Merkel sei "eine Freundin von mir, sie ist eine sehr gute Person, eine sehr gute Frau, sie ist eine Freundin von Ivanka", Trumps Tochter und Beraterin. "Vielleicht beziehen sich ihre Äußerungen auf Deutschland", sagte Trump weiter. "Sicher beziehen sie sich nicht auf die Vereinigten Staaten, das kann ich ihnen sagen."

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