US-Außenpolitik Trump demontiert seinen Außenminister - und die US-Diplomatie

US-Außenminister Rex Tillerson hat ein gewaltiges Problem: US-Präsident Donald Trump.

(Foto: AP)
  • US-Außenminister Tillerson soll auf diplomatische Art für die USA werben, während Trump seine Bemühungen niedertwittert.
  • Für Tillerson wird es immer schwerer, seinen Job zu machen. Ihm fehlt der Rückhalt: Trump mag Diplomaten nicht, er mag Diplomatie nicht.
  • Manche geben dem ehemaligen Öl-Manager noch ein halbes Jahr. Höchstens.
Analyse von Thorsten Denkler, New York

US-Außenminister Rex Tillerson steht an diesem Freitagabend neben US-Präsident Donald Trump, als hätte er was ausgefressen. Die Arme hängen herab, er bemüht sich, keine Miene zu verziehen. Demut, Trump ist der Boss. Nur kein falsches Wort jetzt. Es hat schon genug Ärger gegeben.

Ob sie noch auf derselben Seite stehen, fragt ein Reporter die beiden. Sie haben sich da nach Beratungen zusammen mit UN-Botschafterin Nikki Haley und Sicherheitsberater H.R. McMaster vor Trumps Golfressort in Bedminster, New Jersey, aufgebaut. Na, selbstverständlich stehen sie auf einer Seite. Das mag noch glauben, wer will.

Seit seinem Amtsantritt am 1. Februar schlägt sich der ehemalige Öl-Manager mit einem US-Präsidenten Donald Trump herum, der ihn immer wieder demütigt, ihm Kompetenzen entziehen und das Budget kürzen will. Und der Tillerson in der Welt herumreisen lässt, um auf diplomatische Art für die Positionen der USA zu werben. Während Trump im Weißen Haus ein ums andere Mal die Bemühungen Tillersons niedertwittert.

USA vs. Nordkorea - das Inferno im Blick

Jahrzehntelang haben Strategen Szenarien für einen Konflikt mit Nordkorea durchdacht. Die rhetorische Eskalation der vergangenen Tage gibt dem Undenkbaren plötzlich den Hauch von Realität. Von Stefan Kornelius mehr ...

Der Präsident habe eine Sprache gewählt, die Nordkorea versteht, heißt es

Die Auseinandersetzungen um Nordkorea sind symptomatisch. Trump will dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-un mit "Feuer und Wut" begegnen, wie es die Welt noch nicht gesehen habe. Tillerson erklärt hernach, dass seien zwar starke Worte, aber der Präsident habe lediglich eine Sprache gewählt, die Nordkorea auch verstehe. Die US-Bürger könnten ruhig schlafen, sie sollten sich von der Rhetorik der vergangenen Tage nicht beunruhigen lassen.

Trump aber will offenbar nicht, dass die US-Bürger ruhig schlafen. Am Tag darauf erklärt er, es gebe an seinen Worten nichts zu relativieren. Eher habe er sich "nicht hart genug" ausgedrückt. Und bemerkt auf Twitter, dass er das Atomwaffen-Programm der USA habe modernisieren lassen. Was die halbe Welt spekulieren lässt, ob Trump ernsthaft einen Atomkrieg gegen Nordkorea in Erwägung zieht. Am Freitag twittert er, die militärischen Optionen gegen Nordkorea stünden jetzt "vollständig bereit" und seien "locked and loaded", entsichert und geladen.

Niemand weiß, was wirklich im Kopf von Trump vor sich geht. Strategie jedenfalls scheint es kaum zu sein. Trumps "Feuer und Wut"-Bemerkungen waren offenbar weder mit den Sicherheitsberatern im Weißen Haus noch mit dem Außenministerium abgesprochen. Der Rat wäre wohl auch gewesen, so etwas bitte sein zu lassen. Auch um die Arbeit der US-Diplomaten nicht zu stören.

Tillerson befand sich zu dem Zeitpunkt auf einer Asien-Reise, um Verbündete im Konflikt mit Nordkorea zu finden. Und im UN-Sicherheitsrat hat die dortige US-Botschafterin Nikki Haley gerade geholfen, neue Sanktionen gegen Nordkorea durchzusetzen. Ein kleiner, aber wichtiger diplomatischer Erfolg.

Tillerson bekommt kaum Unterstützung aus dem Weißen Haus

Für Tillerson wird es in so einem Umfeld immer schwerer, seinen Job zu machen. Aus dem Weißen Haus bekommt er kaum Unterstützung. Vom Rechtsausleger und Präsidentenberater Sebastian Gorka muss er sich via BBC anhören, die Welt solle nicht auf Tillerson hören in der Nordkorea-Frage, sondern auf den Präsidenten. Tillerson sei lediglich für die US-Diplomatie zuständig. Nicht fürs Militärische. Was für eine Zurückweisung.

Der rechte Flügel im Weißen Haus um den Chefstrategen Steve Bannon ist nicht gut auf Tillerson zu sprechen. Kürzlich hat sich Tillerson mit dem Präsidentenberater und Immigrations-Gegner Stephen Miller einen Schlagabtausch im Weißen Haus liefern müssen. Der 31-jährige Emporkömmling hat vom 65-jährigen Tillerson gefordert, mehr gegen Immigration zu tun. Das hat Tillerson abgelehnt.

Nach einem Bericht von CNN soll es im Weißen Haus zudem Pläne geben, alle Einreisefragen aus dem State Department ins Heimatschutzministerium zu verlagern. Damit würde Tillerson ein beträchtlicher Teil seiner Zuständigkeit entrissen werden.