Von Barbara Vorsamer

"Nicht fragen, nichts sagen" - nur Homosexuelle, die sich nicht dazu bekennen, dürfen in der US-Armee dienen. Doch hier strikt zu sein, kann sich das Pentagon immer weniger leisten.

"Die Präsenz von Homosexuellen bei den Streitkräften würde Ordnung und Disziplin in der Armee gefährden." Das sagte der General Colin Powell 1993, als die Clinton-Regierung anstrebte, die Rechte von Schwulen und Lesben in der US-Armee zu verbessern.

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Ein Soldat bei der Gay-Pride-Parade - das darf es eigentlich gar nicht geben. In den USA darf nur dienen, wer sich nicht als homosexuell bekennt. (© Foto: AP)

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Heraus kam bei der damaligen Kontroverse ein angeschlagener Präsident und die umstrittene "Don't ask, don't tell"-Richtlinie: Homosexuelle dürfen seit 14 Jahren in der amerikanischen Armee dienen - allerdings nur, solange sie sich nicht öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen.

Armee schaut aktiv weg

Diese Politik kann sich die US-Regierung allerdings immer weniger leisten. Derzeit ist die Armee auf jeden angewiesen, der zum Einsatz bereit ist.

Das zeigen die Zahlen zur "Don't ask, don't tell"-Richtlinie. Noch 2001 wurden weit über tausend Soldaten gefeuert, weil sie sich geoutet haben. Vergangenes Jahr waren es nur noch halb so viele. Anscheinend drückt die Armee immer öfter beide Augen zu.

In den letzten 14 Jahren sind 11.000 Armeeangehörige wegen ihrer sexuellen Orientierung entlassen worden. Darunter waren Nachrichtendienstler, medizinisches Personal und - nun am meisten vermisst - arabischsprachige Soldaten. Personen, die die Streitkräfte nun gut gebrauchen könnten.

Eine ehrlichere Lösung als aktives Wegsehen wäre aber ein offizielles Ende der umstrittenen Praxis. Dafür finden sich in Washington immer mehr Befürworter.

"Mut, Ehre, Patriotismus und Aufopferung - das sind die Eigenschaften, die unsere Frauen und Männer in Uniform auszeichnen", schreibt zum Beispiel Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton. "Die sexuelle Orientierung hat damit nichts zu tun." Ähnlich äußern sich auch Clintons Konkurrenten, die Senatoren Barack Obama und John Edwards.

Keine Angst vorm schwulen Mann

Vielleicht noch relevanter: Umfragen belegen, dass auch Armeemitglieder mehrheitlich nichts mehr gegen offen homosexuelle Kollegen haben.

Paul Rieckhoff, ein ehemaliger Kommandeur bei den Streitkräften, erklärt das gegenüber der Los Angeles Times mit einem Generationswechsel: "Heutige 18-Jährige sind mit Homosexuellen aufgewachsen, sie sehen sie im Fernsehen, Homosexualität ist Teil unserer Kultur geworden. Schwule sind nicht mehr die bösen schwarzen Männer, für die sie die Generation von Peter Pace noch hält."

Schwulsein so schlimm wie Fremdgehen

Peter Pace, ein ein ehemaliger Marinegeneral, hat die Debatte um die "Don't ask, don't tell"-Richtlinie kürzlich angeheizt. Er sagte, Homosexuelle offen in der Armee diesen zu lassen, würde unmoralisches Verhalten provozieren und bezeichnete Schwulsein als ebenso verwerflich, wie seinen Ehepartner zu betrügen.

Diese Äußerungen bewirkten einen Sturm der Entrüstung in Amerikas Schwulenszene sowie im politischen Washington und brachten das Thema neu auf die Agenda.

Doch trotz großer Unterstützung im Kongress ist eine Abschaffung der umstrittenen Richtlinie nicht so einfach. Eine Gesetzesänderung ist nötig - und dafür braucht es die Zustimmung des Präsidenten sowie eine 60-Prozent-Mehrheit im Senat.

Die gibt es bisher nicht - obwohl sogar Colin Powell seine Meinung zu Homosexuellen in der Armee inzwischen geändert hat.

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(sueddeutsche.de)