Urteil in Italien Ex-Chef von Militärgeheimdienst zu Haftstrafe verurteilt

In den ersten Verhandlungen war er noch freigesprochen worden, jetzt soll er für zehn Jahre ins Gefängnis: Ex-SISMI-Chef Nicolo Pollari, hier auf einem Archivbild von 2007.

(Foto: AFP)

Im Prozess um die Verschleppung eines ägyptischen Predigers ist der ehemalige Chef des italienischen Militärgeheimdienstes schuldig gesprochen worden. Dem Entführungs-Opfer sprach das Gericht eine Million Euro Schadensersatz zu. In dem Fall wurden insgesamt bereits 25 Agenten des US-Geheimdienstes CIA verurteilt.

Er soll einen ägyptischen Prediger entführt und verschleppt haben - dafür ist der ehemalige Chef des italienischen Militärgeheimdienstes SISMI, Nicolo Pollari, jetzt zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Mailänder Gericht verurteilte auch Pollaris früheren Stellvertreter zu neun Jahren Haft. Dem Entführungs-Opfer sprachen die Richter eine Million Euro Schadenersatz zu.

Der Imam Osama Mustafa Hassan, bekannt als Abu Omar, war im Februar 2003 in einer zwischen dem SISMI und der CIA abgestimmten Aktion in Mailand entführt und in sein Herkunftsland verschleppt worden. Dabei soll auch ein Zwischenstopp auf dem US-Stützpunkt Ramstein in Deutschland eingelegt worden sein. Abu Omars Anwälte beteuerten, ihr Mandant sei dann in Ägypten in einem Hochsicherheitsgefängnis gefoltert worden.

In dem Fall wurden insgesamt bereits 25 Agenten des US-Geheimdienstes CIA verurteilt. Die Verschleppung Terrorverdächtiger an unbekannte Orte war geheimer Teil des "Kriegs gegen den Terror", den die Regierung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush ausgerufen hatte. Die Urteile vom Dienstag fielen in einem Berufungsprozess.

Das vorangegangene Verfahren hatte großes Aufsehen erregt, weil es der erste Prozess zu geheimen Verschleppungen von Terrorverdächtigen in Folterstaaten durch die CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war. Pollari und sein Stellvertreter waren in erster Instanz und in einem Berufungsverfahren freigesprochen worden, obwohl die Staatsanwaltschaft jeweils zwölf und zehn Jahre Gefängnis gefordert hatte.

Die nun verhängte Haftstrafe muss Pollari aber erst antreten, wenn die Verurteilung von den höheren Instanzen bestätigt wird. Sein Anwalt kündigte an, vor den Obersten Gerichtshof zu ziehen.