Ein Kommentar von Rudolph Chimelli

Eine ehrliche Aufklärung des Todes der jungen Neda Agha-Soltan wird es nicht geben. Ahmadinedschad versucht mit Hilfe der konservativen Justiz sein Volk zu besänftigen.

Dass in Deutschland 90 Jahre danach noch diskutiert wird, wie Rosa Luxemburg im aufständischen Berlin ums Leben kam, lässt eine rasche und ehrliche Aufklärung des Todes der jungen Neda Agha-Soltan in Teheran kaum erwarten.

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Objektiv soll die Untersuchung ohnehin nicht geführt werden. Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die Justiz angewiesen, sie solle nach klaren Beweisen für die Einmischung der Feinde forschen, die Propagandamaterial zur Diskreditierung Irans suchten. Der Justiz-Apparat ist fest in konservativer Hand, und für die regimetreuen Medien steht längst fest, dass ausländische Medien die Anstifter des Todesschützen waren.

Eine parteiische Untersuchung passt gut zu den antiwestlichen Ausfällen des Geistlichen Führers Ali Chamenei und des Präsidenten. Aber für Ahmadinedschad ist ein zweites Ziel vielleicht noch wichtiger. Auch auf Iraner, die gleich Neda nicht demonstrierten, sondern nur am Straßenrand standen, wirkten die Bilder der sterbenden Frau erschreckend und abstoßend.

Ob sie ein Zufallsopfer war oder gezielt erschossen wurde, alle haben Mitleid. Viele sagen sich, dass es sie selber hätte treffen können. Die Mehrheit der Iraner misstraut der Brutalität der Unterdrücker.

Wenn der Präsident weiter regieren will wie bisher, kann er mit dieser Wahrheit schlecht vier Jahre lang leben. Was die Mehrheit der Iraner denkt, ist wichtiger als die Meinung des Auslands. Die Regel, "ist der Ruf erst ruiniert, lebt man doppelt ungeniert", nach der Ahmadinedschad die internationalen Beziehungen gestaltet, gilt nicht für das eigene Land. Dass Neda zur "Ikone" wurde, hilft freilich weder ihr noch den anderen Opfern.

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(SZ vom 30.06.2009)