Untersuchung von Human Rights Watch Ukrainische Armee soll Streubomben eingesetzt haben

  • Die Menschenrechtorganisation Human Rights Watch wirft den ukrainischen Regierungstruppen vor, bei Angriffen auf die ostukrainische Stadt Donezk Streumunition verwendet zu haben.
  • Auch in anderen Gebieten in der Ostukraine gab es Angriffe mit der gefährlichen Munition. Hier ließ sich jedoch nicht zweifelsfrei feststellen, ob diese von der ukrainischen Armee oder den prorussischen Rebellen abgefeuert wurde.
  • Die Verwendung von Streubomben wird von vielen Staaten geächtet. Aufgrund ihrer Funktionsweise können sie in besiedelten Gebieten kaum gezielt gegen Kämpfer eingesetzt werden.

Ukrainische Armee soll Streubomben verwendet haben

Die ukrainische Armee hat offenbar Anfang Oktober mehrfach Streubomben auf das Zentrum der ostukrainischen Stadt Donezk abgeworfen. Das berichtet Human Rights Watch unter Berufung auf Spuren vor Ort sowie Zeugen und Opfer. In Donezk lebten zumindest zu Friedenszeiten noch mehr als eine Million Menschen, die Verwendung von Streumunition gefährdet hier nicht nur Kämpfer, sondern auch Zivilisten.

In den Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und den prorussischen Rebellen sind Human Rights Watch zufolge in mehr als einem Dutzend städtischer und ländlicher Gebiete Streubomben eingesetzt worden.

Gefangen im Roulette der Gewalt

Tagelange Gefangenschaft, Angst vor Repressalien, Propaganda: Amnesty International legt einen erschütternden Bericht über die Ostukraine vor. Besonders kritisiert AI die russischen Medien. mehr ...

Bei vielen Angriffen sei es nicht möglich, die Verantwortung mit letzter Sicherheit einer der beiden Seiten zuzuschreiben. Doch zumindest im Falle mehrerer Attacken auf Donezk Anfang Oktober deuteten die Beweise auf die ukrainischen Regierungstruppen hin. Die Untersuchung der Einschlagstellen weise darauf hin, dass die Streumunition aus der Richtung der von Regierungstruppen kontrollierten Gebiete gekommen sei. Zeugen in der Region berichteten zudem, dass sie an den fraglichen Tagen Raketen aus dieser Richtung gesehen hätten.

Opfer der Streubombenattacken

In den zwölf Fällen, die Human Rights Watch dokumentiert, wurden mindestens sechs Menschen getötet, einer von ihnen arbeitete für das Internationale Rote Kreuz. Dutzende Menschen wurden verletzt. Die tatsächliche Zahl der Opfer der Attacken mit Streumunition sei jedoch vermutlich höher, teil die Organisation mit. Zum einen habe sie nicht alle mutmaßlichen Angriffe dokumentiert. Zum anderen sei es nicht immer möglich gewesen, genau zu bestimmen, woran Menschen verstorben seien, da zu gleicher Zeit unterschiedliche Waffen genutzt wurden.

Warum Streumunition so gefährlich ist

Streubomben enthalten Dutzende oder Hunderte kleinerer Submunitionen. Nach dem Abwurf der Rakete oder Bombe werden diese verteilt und sollen explodieren, sobald sie auf die Erde auftreffen. Die Sprengkörper werden dabei wahllos über einem Gebiet verteilt, das die Größe eines Fußballfeldes haben kann. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten ist es daher kaum möglich, die Munition gezielt nur gegen Kämpfer einzusetzen. Häufig kommen dabei Zivilisten ums Leben. Hinzu kommt, dass die Submunitionen oft nicht explodieren - und so faktisch zu Minen werden, wie Human Rights Watch schreibt. Die Verwendung von Streubomben wird von mehr als hundert Staaten geächtet.

"Es ist schockierend, dass ein Waffensystem, das in den meisten Ländern verboten ist, in der Ostukraine so verbreitet eingesetzt wurde", sagte Mark Hiznay, ein Waffenexperte der Menschenrechtsorganisation. Er forderte von der Ukraine, die Verwendung von Streubomben umgehend zu stoppen.