Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle Pistole aus dem Berner Oberland

In den Ermittlungen zu den Neonazi-Morden ist in der Schweiz ein weiterer Mann festgenommen worden. Er soll den NSU-Mitgliedern eben jene Waffe beschafft haben, mit der später neun Migranten getötet wurden. Ob der Verdächtige die Pistole selbst weitergereicht hat oder nur ein Glied in einer langen Kette war, ist noch unklar.

Von Hans Leyendecker

Zwanzig Waffen hatte die Zwickauer Terrorzelle in ihrem Arsenal, aber die Fahnder der Ermittlungseinheit "Trio" interessiert vor allem die Spur einer einzigen Waffe: jener Ceska 83, Kaliber 7.65 Millimeter, mit der zwischen 2000 und 2006 neun Migranten ermordet wurden.

Ein Berner Haftrichter ordnete am Freitag Untersuchungshaft für einen Schweizer an, der angeblich diese Waffe für einige Zeit besessen und möglicherweise weitergereicht haben soll. Gegen ihn wird wegen Verdachts der "Unterstützung einer kriminellen Organisation" ermittelt. Der Mann war am Dienstagabend nach einem Auslandsaufenthalt bei seiner Ankunft am Zürcher Flughafen festgenommen worden.

Die deutschen Behörden hatten schon vor Wochen ein Rechtshilfeersuchen bei der Staatsanwaltschaft Berner Oberland gestellt, nachdem sie in Zwickau die Tatwaffe entdeckt und die von den Mördern durch Schleifen entfernte Waffennummer wieder hatten sichtbar machen können.

Die Ceska mit der Nummer 034678 war in den neunziger Jahren in der Schweiz an einen dort lebenden Anton G. verkauft worden. Die Waffe wurde mit der Post verschickt. Am 20. Januar kam der schwer kranke G. in Polizeigewahrsam. Bereits 2007 hatten bei ihm Fahnder vorbeigeschaut und ihn gefragt, wo seine Ceska geblieben sei. Er hatte damals erklärt, das Schießgerät nicht erhalten zu haben. Die Ermittler hatten zwar sogar im Wäschefach nach der Pistole gesucht, aber damals gab es acht nicht auffindbare Waffen, die für die Mordserie in Frage kamen, und G. wurde in Ruhe gelassen.

Im Polizeigewahrsam soll er jetzt eingeräumt haben, damals nicht ganz die Wahrheit gesagt zu haben. Er habe die Waffe zwar bekommen, doch gleich an einen Bekannten weitergereicht, der mit ihm manchmal am Stammtisch sitze und auch Waffen möge.

G.s Name elektrisierte zunächst die deutschen Fahnder. Seine Frau soll aus Thüringen stammen und ihr Geburtsname ist identisch mit dem Namen einer in rechtsradikalen Kreisen beheimateten Familie aus dem thüringischen Bad Berka. Überprüfungen zeigten aber, dass es keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu Frau G. gibt.

Der Mann wurde dann aus dem Polizeigewahrsam entlassen, die Ermittler der Staatsanwaltschaft Berner Oberland, die in Thun eine Art Sonderkommission eingerichtet haben, nahmen den anderen Stammtischler ins Visier. Der aber hielt sich ein paar Tage im Ausland auf. Nach seiner Rückkehr wurde er sofort festgenommen.

Ob er die Waffe an die ostdeutsche Neonazi-Szene weitergereicht hat oder, wenn überhaupt, nur ein Glied in einer langen Kette war, ist noch unklar. Der Umstand, dass er - anders als G. - nicht aus dem Gewahrsam entlassen wurde, deutet zumindest darauf hin, dass die Schweizer Strafverfolger ziemlich ernsthaft in dem Fall ermitteln.

Eine Schweizer Lieferung direkt an die Mitglieder der Terrorzelle passt nicht so recht zu den bisherigen Ermittlungen der deutschen Fahnder. Es zeichnet sich mittlerweile ein anderes Grundmuster ab: Über Kriminelle in Deutschland sind Unterstützer an Waffen gelangt, die sie dann in die konspirativen Wohnungen der Terroristen schaffen ließen.

Die Ceska muss schon früh im Besitz der Bande gewesen sein, denn bereits im September 2000 ermordeten sie mit dieser Waffe einen 38 Jahre alten türkischen Blumenhändler in Nürnberg. Weitere Waffenlieferungen soll es 2002 und 2003 gegeben haben. Daheim spielten die Mörder Ballerspiele am Computer - und draußen töteten sie Menschen.