Untere Mittelschichten Sinkende Glaubwürdigkeit der Mainstream-Politik

Trotzdem war es Polen, wo die nationalistische PiS-Partei an die Macht kam. In den USA scheint Donald Trump die Herzen zu gewinnen, obwohl die Arbeitslosenquote niedriger ist, als sie es jemals zwischen 1974 und 1997 war. Politischer Zorn ist keine mechanische Funktion der Rezession.

Manche in Europa werfen der EU vor, den Regierungen eine falsche Politik aufgezwungen, oder sie zumindest zu einer solchen verleitet zu haben. Es stimmt, dass der Sparkurs 2011 verfrüht war; es stimmt auch, dass die strikten Vorgaben der EU dazu beitrugen, den Zorn der Wähler gegen äußere Zwänge und die Machtlosigkeit nationaler Politik zu schüren. Aber diese Erklärung passt nicht zu den USA und dem Aufstieg von Donald Trump.

Der Fall der weißen Männer

Ein tieferer Grund für den Aufstieg des Populismus ist die schlechte Lage der unteren Mittelschichten. In den meisten westlichen Ländern haben neue Technik und Globalisierung dazu geführt, dass Industriearbeiter und Angestellte, die Routine-Arbeiten verrichten, Jobs und Einkommen verloren. Besonders weiße Männer mussten zusehen, wie sich ihr Status im Verhältnis zu den gut Ausgebildeten und Wohlhabenden, zu Frauen und zu einigen Angehörigen von Minderheiten verschlechterte.

Frankreich und die USA sind dafür schlagende Beispiele. In den USA ist der Anteil des Nationaleinkommens, der an die Mittelschichten geht, von 62 Prozent 1970 auf 43 Prozent gesunken. Die Sterblichkeit unter weißen, männlichen US-Bürgern mittleren Alters steigt seit den späten 1990er-Jahren.

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In Frankreich ist die Arbeitslosigkeit zehn Jahre nach Eintritt in den Arbeitsmarkt unter nicht ausgebildeten Arbeitern fünfmal höher als unter Universitätsabsolventen. Donald Trumps Anhänger sind vor allem schlecht ausgebildete weiße Männer aus der unteren Hälfte der Einkommensverteilung. Die Anhänger Le Pens haben ein ähnliches Profil.

Es besteht die Gefahr, dass die Polarisierung des Arbeitsmarktes, die von der digitalen Revolution ausgelöst wird, den Rückhalt für die Populisten weiter erhöhen wird. Wenn Uber, das Taxi-Unternehmen, und ähnliche Firmen den Wert herkömmlicher Fertigkeiten weiter erodieren, werden weitere desillusionierte Arbeiter die wütenden Reihen jener auffüllen, die gegen das System revoltieren.

Etablierten Parteien bleibt nicht viel Zeit

Zwei Fragen erheben sich jetzt. Die erste betrifft das politische Programm populistischer Parteien. Bis jetzt bestand dieses Programm meist aus einem Sammelsurium ungeeigneter Vorschläge zur Wirtschaftspolitik, die deren Glaubwürdigkeit als Regierungsparteien infrage gestellt hat: Ausweisung von Emigranten, Schließung der Grenzen, Rücknahme der Unabhängigkeit der Notenbanken und überbordende Eingriffe des Staates in die Wirtschaft machen kaum ein sinnvolles Programm aus.

Aber die Aussicht auf die Macht dürfte die Parteien dazu bringen, besonders abseitige Ideen aufzugeben und die verbleibenden aufzupolieren. Die Glaubwürdigkeitslücke könnte kleiner werden.

Die zweite Frage betrifft die sinkende Glaubwürdigkeit der Mainstream-Politik. Die Unfähigkeit, Wachstum wiederherzustellen, die Inflation zu justieren und die Verteilung der Einkommen anzupacken, lassen den Anspruch wirtschaftlicher Kompetenz durch die herkömmlichen Parteien lächerlich erscheinen. Die Parteien des Mainstream haben nur noch wenig Zeit, um ihre Vision zu erneuern, sich selbst neu zu erfinden und ehrgeizige Programme zur Lösung der heutigen Probleme zu entwickeln.

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