Unser Osten: Leben Aufstocker und andere Überlebende
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Dorit Baumeister weiß, dass Kunstprojekte und günstige Plattenbauwohnungen nicht ausreichen. "Ich könnte mir vorstellen, dass Hoyerswerda sich frech aufstellt und sagt: Wir werden eine spannende Stadt zum Leben. Wir müssen weit mehr bieten als das, was der Staat vorgibt."
Andreas Willisch glaubt nicht, dass das genügt. "Menschen bleiben da, wo es Arbeitsplätze, Sicherheit und eine Perspektive für sie gibt", sagt Willisch, Chef des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung. Und genau davon gibt es in den kleinen Städten in Ostdeutschland zu wenig. "Viele Studien belegen, dass sich die sozialen Probleme in Städten zwischen 5000 und 40.000 Einwohnern bündeln."
Eine solche Stadt ist Wittenberge im Nordwesten Brandenburgs. 28 Soziologen und Ethnologen haben drei Jahre lange das Leben der Menschen in Wittenberge untersucht. Der Name dieses einzigartigen Forschungsprojekts: "Über Leben im Umbruch". Der Titel ist mit Bedacht gewählt. Wittenberge wurde von der Deindustrialisierung nach der Wende so hart getroffen wie kaum eine andere Stadt in Ostdeutschland. "Unter dieser Implosion leidet die Stadt noch heute", sagt Willisch, einer der Projektleiter der Studie.
"Sekundär integriert"
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Die Wissenschaftler haben unzählige Interviews für ihre qualitative Studie geführt. Viele sind nach Wittenberge gezogen, um Teil des Forschungsobjektes zu werden. Sie sind auf Menschen getroffen, deren zentraler Lebensinhalt die Pflege des Kleingartens ist und auf Menschen, die sich auf die Organisation ihrer Untätigkeit spezialisiert haben.
Diese Menschen würden die Forscher auch in vielen kleinen Städten in Westdeutschland finden. In Wittenberge aber sind es viele. Ein Drittel der Bevölkerung ist nur "sekundär in die Gesellschaft integriert", wie es Soziologe Willisch formuliert. Menschen, die am Arbeitsmarkt und öffentlichen Leben nur über staatliche Maßnahmen teilhaben. Menschen, die mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Ausweg aus ihrer Situation finden.
Dass es davon auch in Leipzig zu viele gibt, davon können die Mitarbeiter der Leipziger Erwerbsloseninitiative berichten. Seit der Einführung von Hartz IV haben die Mitarbeiter hier noch mehr zu tun - und neue Problemfälle: die "Aufstocker". Das sind Menschen, die arbeiten und trotzdem auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. "Allein in Leipzig haben wir 7000 Menschen, die Vollzeit arbeiten und trotzdem mit ALG II aufstocken müssen", sagt Dorothea Klein.
Die meisten von ihnen werden vom Luxus der Leere nicht profitieren.