Berichte über Unruhen in Syrien Militär feuert aus der Luft auf Demonstranten

"Abscheulicher Einsatz von Gewalt": Die internationale Gemeinschaft erhöht den Druck auf das Assad-Regime, die USA wollen nun eine Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat unterstützen. Das syrische Militär lässt sich davon nicht beirren - und greift die Regimegegner erstmals auch mit Kampfhubschraubern an.

Die USA verlangen ein sofortiges Ende der Brutalität in Syrien. Verteidigungsminister Robert Gates sprach von einem "Massaker an unschuldigem Leben". Alle Staaten müssten sich fragen, ob Assad noch zur Führung des Landes legitimiert sei. "Die Vereinigten Staaten verurteilen die abscheuliche Gewalt in ganz Syrien und vor allem in der nordwestlichen Region", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Aufgrund der Ereignisse in Syrien unterstützten die USA eine Resolution im UN-Sicherheitsrat, in der die Gewalt der syrischen Sicherheitskräfte verurteilt wird, sagte Carney. In dem von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Portugal vorgelegten Resolutionsentwurf soll die Regierung von Präsident Baschar al-Assad für systematische Menschenrechtsverletzungen bei ihrem Vorgehen gegen Regimekritiker verurteilt werden. Die Debatte darüber sollte am Wochenende fortgesetzt werden, Russland und China lehnen den Text bislang ab.

Ungeachtet der Kritik geht das syrische Militär weiter brutal gegen Demonstranten vor - erstmals soll sie diese auch aus der Luft angegriffen haben. Bei dem gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten wurden am Freitag im ganzen Land mindestens 25 Zivilisten getötet. Im Zentrum des Konflikts steht seit Tagen Dschisr al-Schughur. Am Freitag ließ Assad seine Armee, die aufständische Kleinstadt stürmen. Die bis zu 30.000 Soldaten wurden dabei offenbar von iranischen Milizionären unterstützt.

In der nordwestlichen Stadt Maarat al-Numaan feuerte die Armee einer Menschenrechtsgruppe zufolge am Freitag aus Kampfhubschraubern auf Zehntausende Demonstranten. Mindestens fünf Hubschrauber hätten das Feuer aus automatischen Waffen eröffnet, um eine Protestkundgebung aufzulösen, berichtete ein Augenzeuge über Telefon.

"Die Menschen flohen in Felder, unter Brücken und in ihre Häuser, aber obwohl die Straßen dann fast menschenleer waren, dauerte der Beschuss noch Stunden an." Es sind die ersten Berichte über einen Lufteinsatz gegen die Regierungsgegner, die aus Syrien nach außen drangen.

Das syrische Staatsfernsehen machte erneut regierungsfeindliche Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Rettungshubschrauber seien von "bewaffneten Terroristengruppen" in Maarat al-Numaan beschossen und Besatzungsmitglieder dabei verletzt worden, hieß es dort. Von Kampfhubschraubern war in dem Bericht keine Rede. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen. Syrien unterbindet die Berichterstattung ausländischer Journalisten.

Am Freitag war es trotz des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte wieder in zahlreichen Städten zu Protesten gegen Assad gekommen. Die Demonstranten fordern den Rücktritt Assads und mehr Demokratie. Etwa 3000 Syrer sind bereits vor der Gewalt des Militärs in die Türkei geflohen.

Der türkische Präsident Abdullah Gül warnte Damaskus vor der weiteren Anwendung von Gewalt. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sprach von "Gräueltaten" an Zivilisten im Nachbarland. Erdogan, der sich in der Vergangenheit oft als "Freund" Syriens dargestellt hatte, warf den syrischen Behörden vor, sie verhielten sich "leider nicht menschlich". Die Führung in Damaskus unterschätze die Lage, sagte Erdogan.

Syrien warnt UN vor Einmischung in innere Angelegenheiten

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte den Einsatz militärischer Gewalt gegen Zivilisten als "nicht akzeptierbar". In einer Mitteilung der Vereinten Nationen hieß es, Ban sei tief besorgt. Er rief das Regime zu wirklichen Reformen auf.

Seinem Sprecher zufolge weigert sich Assad inzwischen jedoch, mit dem UN-Generalsekretär zu telefonieren. Ban habe Assad am Donnerstag angerufen, doch ihm sei gesagt worden, Syriens Staatschef sei nicht zu sprechen. Ban und Assad hatten seit dem Beginn der Proteste in Syrien im März drei Telefonate geführt, bei denen sie sich heftig stritten. Während eines Gesprächs hatte Assad Ban versprochen, UN-Menschenrechtsermittler ins Land zu lassen. Das Versprechen wurde bislang nicht eingehalten.

Syrien warnte die Vereinten Nationen vor einer Einmischung in die inneren Angelegenheit des Landes. Die Annahme einer kritischen Resolution durch den UN-Sicherheitsrat würde die Situation im Land nur verschärfen, weil dann "Extremisten und Terroristen" ermuntert würden, Syrien weiter zu destabilisieren, schrieb der syrische Außenminister Walid al-Mualam in einem Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. "Es ist wichtig, dass sich der Sicherheitsrat nicht in die inneren Angelegenheiten von Syrien einmischt, einem Gründungsmitglied der Vereinten Nationen."