Iran hält die Leichen fünf Oppositioneller zurück - und setzt auf Razzien. Die Schwester von Friedensnobelpreisträgerin Ebadi wurde festgenommen.

Auch tote Regimekritiker sind ein Risiko für die Machthaber in Iran: Die Behörden haben mitgeteilt, dass fünf der acht getöteten Demonstranten vorerst nicht für eine Bestattung freigegeben werden.

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Bei den blutigsten Unruhen in Iran seit Monaten wurden mindestens acht Menschen getötet. Die Demonstranten hatten das Aschura-Fest für ihren Protest gegen das Regime des erzkonservativen Präsidenten genutzt. (© Foto: AFP)

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Die Leichen sollen obduziert werden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna meldet. Hintergrund der Nicht-Freigabe der Leichen ist vermutlich, dass die Begräbnisse nicht zum neuen Sammelpunkt der Opposition werden sollen.

Gleichzeitig geht das Regime in Teheran nach den jüngsten Zusammenstößen - den schwersten seit der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni - mit brutaler Härte gegen seine Kritiker vor.

Die Sender BBC und CNN berichteten übereinstimmend, dass mehrere Berater Mussawis verhaftet worden seien. Der US-Sender CNN, der von einer Welle der Verhaftungen sprach, berief sich unter anderem auf die regimekritische Webseite NoroozNews.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, die sich zurzeit in London aufhält, berichtete im Fernsehen, dass ihre Schwester in Teheran festgenommen worden sei.

Mehrere Sicherheitsbeamte hätten das Haus am Montagabend durchsucht, den Computer beschlagnahmt und ihre Schwerster Nushin abgeführt, berichtete die 62-jährige Menschenrechtsaktivistin. Nushin sei eine Wissenschaftlerin und keine politische Aktivistin, deshalb sei das Ziel der Aktion lediglich gewesen, sie einzuschüchtern, sagte Ebadi.

Ehemaliger Außenminister festgenommen

Wie am Dienstag ebenfalls bestätigt wurde, ist auch ein Reporter aus Dubai festgenommen worden. Das Unternehmen Dubai Media Incorporated (DMI) teilte mit, ein 27-jähriger syrischer Reporter sei während der Unruhen am Sonntag "verschwunden". Inzwischen hätten die Behörden bestätigt, dass er verhaftet worden sei.

Nach Berichten eines anderen Nachrichtenportals der Opposition wurde auch der Führer der oppositionellen Freiheitsbewegung (FMI), Ebrahim Jasdi, festgenommen. Er war in der Anfangsphase der Islamischen Revolution von 1979 Außenminister und führte später jahrzehntelang die illegale, aber tolerierte säkulare Freiheitsbewegung an.

Jasdi hat keine direkten Beziehungen zu der immer lautstärker werdenden Opposition um Mussawi, gehört aber auch zu den Gegnern von Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Erschossen von Sicherheitskräften

Das Land ist in Aufruhr. Unter den zurückgehaltenen Toten befindet sich auch die Leiche eines Neffen von Oppositionsführer Mussawi. Ali Mussawi wurde nach Angaben seiner Familie während der jüngsten Proteste der Regierungsgegner von Sicherheitskräften erschossen.

Mussawis Familie hatte Alis Leichnam noch am Montag beisetzen wollen. Der Tote war jedoch spurlos verschwunden. Stunden später hieß es, die Leiche sei zur Obduktion gebracht worden.

Am Rande seiner Trauerfeier wird mit neuen Protesten gerechnet.

Das staatliche Fernsehen berichtete indes, von den acht Toten seien zwei durch Autounfälle ums Leben gekommen. Einer sei von einer Brücke gestürzt. Die Polizei dementierte erneut, am Sonntag Schusswaffen gegen Demonstranten eingesetzt zu haben.

Nach Einschätzung eines BBC-Korrespondenden tut sich die iranische Regierung jedoch keinen Gefallen mit der Zurückhaltung der Leichen - zumal sie damit die Wut der Religiös-Konservativen und der Opposition noch zusätzlich schürt.

"Verbrechen zum Aschura-Fest"

Laut der oppositionellen Webseite Jaras wurden am Sonntag in Isfahan 500 Menschen festgenommen, darunter auch der Bruder und zwei Neffen des ehemaligen Innenministers Abdullah Nuri.

Die vom ehemaligen reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami geführte Klerusgemeinschaft MRM wurde mit den Worten zitiert: "Wie Millionen Iraner können wir nicht glauben, dass diese Verbrechen zum Aschura-Fest begangen wurden." Die Demonstranten hatten das schiitische Aschura-Fest am Wochenende zu ihren Protesten gegen das Regime des erzkonservativen Präsidenten genutzt.

Die Behörden weiteten die Internetsperre nach Angaben des Reformlagers aus, so dass Webseiten der Opposition für Iraner nicht mehr zugänglich waren. Auch das Mobilfunknetz war stark eingeschränkt.

Obama: "Eiserne Faust der Brutalität"

International wurde das Vorgehen der Regierung scharf kritisiert - inzwischen auch persönlich von US-Präsident Barack Obama. Er sagte an seinem Urlaubsort auf Hawaii, unschuldige iranische Bürger würden gewaltsam unterdrückt. Dabei suchten die Iraner lediglich, ihre Grundrechte auszuüben.

"Jedes Mal, wenn sie das getan haben, traf sie die eiserne Faust der Brutalität, sogar während feierlicher Anlässe und an heiligen Tagen", sagte der Präsident weiter. "Die Entscheidung der iranischen Führung, durch Angst und Tyrannei zu herrschen, wird nicht dazu führen, die Hoffnungen (der Bürger) zu vertreiben."

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte "inakzeptabel". Den Angehörigen der Opfer gelte ihre Anteilnahme, erklärte sie in Berlin.

In einer Erklärung der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft hieß es: "Brutale Machtanwendung und die willkürliche Festnahme von Demonstranten stellen grobe Verletzungen fundamentaler Menschenrechte dar."

Laut Augenzeugen hatten sich am Sonntag Tausende Iraner an den Protestzügen gegen Ahmadinedschad beteiligt. Die Opposition wirft ihm Wahlbetrug vor. Nach der Wahl im Juni hatte es tagelange Proteste gegeben, die teilweise niedergeknüppelt wurden. Hunderte Regimekritiker wurden festgenommen. Die junge Iranerin Neda starb von einer Kugel getroffen und wurde über Nacht zum Symbol des Protestes.

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(APD/dpa/sueddeutsche.de/kat/odg/gba/dmo)