Von Kai Strittmatter

In Berlin besetzen Demonstranten das griechische Konsulat - und auch in Griechenland dauern die Proteste nach dem Tod eines Schülers an. Die Regierung gerät zunehmend in Bedrängnis.

In Griechenland kommt es weiter zu Protesten gegen die Polizei und die Politik der konservativen Regierung. Anlass war der Tod eines 15-jährigen Schülers, dem ein Polizist am Samstag bei Krawallen drei Kugeln in die Brust geschossen hatte.

Schwere Ausschreitungen: Auch in Thessaloniki hat es erneut Unruhen gegeben. (© Foto: AFP)

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Dies hat zu den schwersten Unruhen der letzten zwei Jahrzehnte geführt. Bislang wurden bei Straßenschlachten mit der Polizei mehr als 40 Menschen verletzt, der Sachschaden wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Auch am Montag kam es in mehreren Städten zu Ausschreitungen linksextremer autonomer Gruppen.

So setzten Randalierer in Thessaloniki erneut Autos in Brand und schlugen Schaufenster ein. In Athen zogen tagsüber Schüler in einem Demonstrationszug durch die Straßen. Für den Abend hatten die Kommunistische Partei Griechenlands und das Linksbündnis Syriza zu friedlichen Protestmärschen aufgerufen.

In fast ganz Griechenland blieben am Montag die Schulen geschlossen. Wie die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer mitteilte, sollen die Schulen bis Mittwoch aus Protest gegen den Tod des Schülers nicht wieder geöffnet werden. Das Kultusministerium erklärte diesen Dienstag zum Tag der Trauer für die Schulen. Auch mehrere Universitäten wollten den Unterricht vorerst ruhen lassen. Kleine Gruppen der Linksautonomen verschanzten sich auch am Montag noch in den Universitäten von Athen und Thessaloniki. Die Mehrzahl der Studenten hatte die Besetzungen beendet.

Aufräumen in Athen

In Athen begann die Stadt am Montag mit Aufräumarbeiten in der Haupteinkaufsstraße Ermou. Laut einer vorläufigen Bilanz der Feuerwehr wurden in der Stadt mehr als 24 Banken und 35 Läden, aber auch zwölf Privatwohnungen beschädigt. "48 Stunden Horror'' titelte die Zeitung Apogevmatini, "Athen und Thessaloniki unter Belagerung" war die Schlagzeile der Eleftheros Typos.

Empört waren vor allem Hunderte Ladenbesitzer, deren Geschäfte ausgerechnet in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit demoliert und teilweise auch geplündert wurden. "Wir sind ruiniert", beklagten viele. "Solche Bilder habe ich seit dem Bürgerkrieg (1947-1949) nicht mehr gesehen", sagte der 84-jährige Tassos Saros. Landesweit sind nach ersten Schätzungen mehr als 500 Geschäfte, Banken, Autohäuser und öffentliche Gebäude verwüstet oder schwer beschädigt worden.

Der erschossene 15-Jährige gehörte nach Augenzeugenberichten zu einer kleinen Gruppe von vermutlich anarchistischen Jugendlichen, die am Samstagabend gegen 21 Uhr einen Streifenwagen in Athen attackierten. Ein Polizist gab daraufhin drei Schüsse ab und traf den Jugendlichen tödlich in die Brust.

Regierung in Bedrängnis

Allgemein werden die Vorfälle als schwere Belastung für Premier Kostas Karamanlis und dessen konservative Regierung gesehen. Eleftheros Typos sprach von "einem weiteren Schuss auf einen angeschlagenen Regierungskörper".

Unpopuläre Reformvorhaben und Korruptionsskandale haben dazu geführt, dass erstmals seit Jahren die Regierungspartei Nea Dimokratia hinter die oppositionelle Pasok zurückgefallen ist. Zwei am Sonntag veröffentlichte Umfragen sehen die Konservativen nun fünf und sieben Prozentpunkte hinter den Sozialisten zurückliegen. Kommentatoren spekulierten, ob Karamanlis für 2009 vorgezogene Neuwahlen ausschreiben werde.

Während in Athen am Montag tagsüber gespannte Ruhe herrschte, war klar, dass die Demonstrationen noch tagelang andauern werden. Mehrere Organisationen von Schülern und Studenten kündigten für diesen Dienstag weitere Proteste am zentralen Omonia-Platz in der Hauptstadt an."Für Mittwoch war ohnehin der Generalstreik der großen Gewerkschaften geplant, dann wird irgendwann der getötete Junge auch noch beerdigt werden. Wir werden hier noch mehrere Tage keine Ruhe haben", sagte eine Sprecherin des Linksbündnisses Syriza der Süddeutschen Zeitung.

Bei den Protesten handelt es sich nach Polizeiangaben um die "größte jemals in Griechenland gesehene Anti-Polizei-Welle". Menschenrechtsorganisationen werfen der griechischen Polizei seit Jahren übertriebene Härte vor.

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