Union träumt von Guttenberg-Comeback "Wir rechnen fest mit ihm"

Zweite Chance für KT - und zwar bald: Vertreter von CDU und CSU wollen Minister a. D. Guttenberg möglichst schnell auf die politische Bühne zurücklotsen - das Volk "lechze" nach ihm.

Von Oliver Das Gupta

Tag eins nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist für seine Parteifreunde und Anhänger gleichzeitig Tag eins für die Arbeit an seinem Comeback. Der junge Konservative wird von vielen in der CSU nach wie vor als "Hoffnungsträger" schlechthin gesehen: für seine Partei, die Union und die ganze Republik. Er habe es geschafft, die Politikverdrossenheit im Land zu mildern, so formuliert es der CSU-Abgeordnete Paul Lehrieder, der wie Guttenberg aus Franken stammt.

Der Tenor lautet: Guttenberg wurde von den Medien gehetzt ("Sie wollten ein Opfer"; CSU-Mann Norbert Geis), mit dem Rücktritt habe er für seine zusammenkopierte Doktorarbeit endgültig ausreichend gebüßt, deshalb könne er zurückkehren. Und zwar schon bald.

Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär sagte sueddeutsche.de, sie "gehe fest davon aus, dass wir auch künftig mit ihm rechnen können". Bär, die gemeinsam mit Guttenberg 2002 das erste Mal in den Bundestag gewählt worden war, verwies darauf, dass er erst 39 ist. Dies sei ein Alter, in dem andere ihre politische Karriere erst beginnen würden. Die CSU-Politikerin charakterisierte ihren Parteifreund als "echten Homo politicus". In ihm lodere "ein Feuer, das niemand einfach so austreten kann", sagte sie. "Karl-Theodor zu Guttenberg wird eines Tages zurückkommen - da bin ich mir sicher."

Ähnlich äußerte sich der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl: "Ich hoffe, dass er uns als Politiker erhalten bleibt und die Rückkehr so bald wie möglich stattfinden kann." Die politische Klasse in Deutschland habe nicht so viele Talente, als dass man auf Guttenberg verzichten könne. "Es gab Fälle, in denen sehr viel mehr kriminelle Energie bei Politikern vorhanden war, die dann zurückgekehrt sind, als bei Guttenberg", sagte Uhl der Mitteldeutschen Zeitung. Und der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, sekundierte: "Guttenberg hat eine zweite Chance verdient - wir setzen auch in Zukunft auf ihn."

Für den CSU-Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein ist Popularität ein "deutlicher Beleg dafür, dass das Volk nach einem Hoffnungsträger lechzt". Der Parlamentarier aus Neu-Ulm hofft, dass Guttenbergs Abgang nicht endgültig ist: "Ich würde mir eine Rückkehr wünschen", sagte er zu sueddeutsche.de.

"Laufsteg für die Zukunft"

Auch in der Schwesterpartei CDU hofft man auf Guttenbergs Wiederkehr. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier, etwa sagte dem Sender n-tv. "Er wird jetzt selbst eine Phase brauchen, um über sich nachzudenken und zu sich zu finden. Anschließend wird er entscheiden, ob er denn wieder in diesem politischen System eine Rolle spielen möchte oder nicht. Wenn er das möchte, wird es die Gelegenheit geben."

Der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Thomas Strobl, sagte: "Man soll doch niemals nie sagen! Dafür gibt es eine hinreichende Anzahl von Beispielen." Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), sagte Handelsblatt Online: "In einer offenen Gesellschaft hat jeder eine zweite Chance verdient."

CSU-Chef Horst Seehofer hatte schon wenige Stunden nach Guttenbergs Rücktritt erklärt, er selbst und die CSU-Spitze wollten alles tun, dass der Minister a. D. der deutschen Politik und der CSU erhalten bleibe. "Er bleibt einer von uns", formulierte der bayerische Ministerpräsident.

Erwin Huber, Seehofers Vorgänger im Vorsitz, betonte Guttenbergs "herausragendes" Talent. "Hoffnungsträger bleibt Hoffnungsträger", sagte Huber zu sueddeutsche.de. "KT wird stets ein Laufsteg offen gehalten für die Zukunft." Man erwarte sich noch viel von ihm in der CSU.

Ob sich Karl-Theodor zu Guttenberg ein Polit-Comeback überhaupt vorstellen kann, ist bislang offen, er scheint sich vollends zurückgezogen zu haben. Auf SMS von Parteifreunden reagiert er nicht.

Am Tag seines Rücktritts waren die Mitarbeiter seines Abgeordnetenbüros noch Stunden nach dem Paukenschlag ohne Nachricht von ihrem Chef.