Ungarns Premier vor Jüdischem Weltkongress Orbáns Kampfansage in die falsche Richtung

Die ungarische Regierung fährt einen gefährlichen Kurs. Sie lässt rassistische und neonazistische Umtriebe zu. Viktor Orbán hätte in seiner Rede vor dem Jüdischen Weltkongress dieses Problem ernst nehmen müssen. Aber der Premier ist an seiner Aufgabe gescheitert.

Ein Kommentar von Cathrin Kahlweit

Viktor Orbán hatte eine extrem schwere Aufgabe zu erfüllen. Er musste vor einem Auditorium, das ihm misstraute, eine Rede halten, die Entschuldigung, Verteidigung und Versprechen zugleich war. Er hätte vor dem Jüdischen Weltkongress, der sich in Budapest versammelte, deutlich machen müssen, dass er die besorgten Nachkommen vertriebener oder verschleppter osteuropäischer Juden ernst nimmt und ihre Sache zu der seinen macht.

Aber der ungarische Premier ist an seiner Aufgabe gescheitert. Denn Viktor Orbán konnte nicht aus seiner Haut. Für ihn zählt allein seine Weltsicht, nicht aber die Welt. Er sprach über Christentum und Heimat. Über eine starke nationale Identität, von Gut und Böse, und davon, dass viel zu sehr vereinfacht werde. Die Botschaft dahinter lautete: Wir gehen unseren eigenen Weg, und die Angriffe gegen uns sind übertrieben. In dieser Rede versteckt war eigentlich eine Kampfansage.

Ungarns Regierung fährt einen gefährlichen Kurs. Sie lässt rassistische und neonazistische Umtriebe zu. Die Ungarische Garde etwa ist verboten, aber warum werden ihre Märsche nicht aufgelöst? Der Hassprediger und Antisemit Zsolt Bayer ist Mitglied der Regierungspartei. Warum wird er nicht ausgeschlossen? Nobelpreisträger Imre Kertész könnte der Stolz des Landes sein. Warum geht man nicht auf ihn zu? Orbán müsste Zeichen setzen. Aber er tut es nicht.