Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany - und Oppositionsführer Viktor Orban gießt Öl ins Feuer.

In Budapest haben die Demonstranten ihre gewaltsamen Proteste gegen die ungarische Regierung die zweite Nacht in Folge fortgesetzt. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden am Mittwoch 38 Polizisten und mehrere Dutzend Demonstranten verletzt. 137 Verdächtige wurden nach Polizeiangaben festgenommen.

Die Proteste gehen weiter: Über 10.000 Demonstranten trafen sich zur dritten Nacht hintereinander. (© Foto: AFP)

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Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany warnte, man habe keine Geduld mit den Demonstranten. Er kündigte an, die Regierung werde an ihrer Politik festhalten. Im Anschluss an eine Kundgebung von etwa 10.000 Regierungsgegnern auf dem Kossuth-Platz vor dem neogotischen Parlamentsgebäude bewarfen kleinere Gruppen Demonstranten die Polizei mit Steinen und Flaschen.

Ein Polizeiauto und mehrere Müllbehälter gingen in Flammen auf. Die Regierungsgegner blockierten eine Kreuzung im Stadtzentrum mit Müllcontainern und Parkbänken. Rund 1.000 Polizisten waren nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur MTI im Einsatz, auch berittene Polizisten gingen gegen Demonstranten vor. Ein Beamter wurde laut dem Bericht der MTI schwer verletzt.

Weitermachen bis zum Rücktritt

Mit Wasserwerfern hinderten die Beamten die Menge daran, zur Zentrale der sozialistischen Partei zu gelangen. Am Nachmittag hielten sich rund 300 Demonstranten auf dem Kossuth-Platz auf. In der Nacht zum Dienstag waren Demonstranten in die Sendezentrale des staatlichen Fernsehens eingedrungen; bei den Krawallen warden mehr als 100 Menschen verletzt worden.

Einige Demonstranten erklärten, sie wollten so lange weitermachen, bis Gyurcsany seinen Rücktritt einreiche. "Ich hoffe, dass wir unser Ziel erreichen können", sagte der 48-jährige Tamas Szep.

"Nicht nur der Ministerpräsident, sondern auch all seine Handlanger müssen gehen." Eine 22-jährige Studentin sagte, sie sei von ihrer Mutter früher für das Lügen in die Ecke gestellt worden. "Gyurcsany sollte in einer Ecke in Sibirien stehen, weil er das ganze Land belogen hat."

Auslöser der Unruhen war die Veröffentlichung eines Tonbandprotokolls aus einer Fraktionssitzung der regierenden Sozialisten (MZSP). Demnach sagte der Ministerpräsident kurz nach der Parlamentswahl vom 23. April, er habe die Öffentlichkeit über den Zustand der Wirtschaft belogen, um seine Wiederwahl zu sichern.

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