Unesco-Weltkulturerbe in Syrien Minarett der Umayyaden-Moschee von Aleppo stürzt ein

Hunderte Jahre lang war es das Symbol der stolzen, geschichtsträchtigen und wunderschönen syrischen Stadt Aleppo: Nun ist das Minarett der berühmten Umayyaden-Moschee eingestürzt. Syriens Regierung und Rebellen schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Kollateralschaden von unglaublichem historischen Wert: Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana und Oppositionsaktivisten übereinstimmend berichteten, ist das Minarett der Großen Moschee in Aleppo eingestürzt. Regierung und Rebellen geben sich gegenseitig die Schuld. Die im Jahr 715 errichtete Umayyaden-Moschee in Aleppo war bereits zuvor bei Kämpfen beschädigt worden. Das nun zerstörte Minarett stammte aus dem 11. Jahrhundert.

Die Moschee zählt zum Unesco-Weltkulturerbe der Altstadt von Aleppo, wurde noch bis vor acht Jahren aufwendig renoviert und ist nur unwesentlich jünger als die gleichnamige Moschee in Damaskus, in der eine wertvolle Reliquie lagert: Der Kopf von Johannes dem Täufer. Seit Juli vergangenen Jahres war die Moschee in Aleppos historischem Zentrum Kampfstätte zwischen Regierungstruppen und der bewaffneten Opposition gegen Präsident Baschar al-Assad. Im Februar wechselte die Moschee, die inzwischen voller Einschusslöcher und teils ausgebrannt ist, zum dritten Mal in die Hände der Rebellen, die seither die Kontrolle über den imposanten Gebäudekomplex halten. Das 45 Meter hohe Minarett war der älteste noch erhaltene Teil der Moschee.

Aleppos gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz. Die alten Gebäude haben in dem inzwischen mehr als zwei Jahre währenden Bürgerkrieg schwer gelitten. Im Oktober 2012 brannten Teile des berühmten alten Basars der Stadt, Suk al-Madina, aus. In dem Konflikt in Syrien sind nach Angaben der Vereinten Nationen bislang über 70.000 Menschen getötet worden. Mehr als eine Million Syrer sind aus ihre Heimat geflohen.

Bürgerkrieg tobt auch in Vororten von Damaskus

Unterdessen hat die syrische Armee nach Angaben von Oppositionellen eine strategisch wichtige Ortschaft in der Nähe der Hauptstadt Damaskus eingenommen. Die Soldaten seien nach Otaiba vorgerückt, sagte ein Kämpfer der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Regime hat die Versorgung mit Waffen unterbrochen." Otaiba liegt östlich von Damaskus, wo Regierungstruppen und Rebellen seit Monaten gegeneinander kämpfen. Der Kämpfer sagte, der Preis für Munition werde sich nun verzwanzigfachen. Dies müsse man aber zahlen und den Ort wieder einnehmen. "Es ist die wichtigste und wohl auch einzige Versorgungsroute."

Die Rebellen zogen sich nach eigenen Angaben am Mittwochmorgen nach mehr als einmonatigen Gefechten aus Otaiba zurück. Der Ort war monatelang für die Versorgung von Damaskus mit Waffen genutzt worden. Sie kommen von der Grenze zu Jordanien und werden vermutlich von Saudi-Arabien und Privatleuten gespendet.

Den Rebellen ist es gelungen, mehrere Vororte von Damaskus im Osten und Süden einzunehmen. Sie haben aber Schwierigkeiten, ihre Stellungen zu halten. Am Mittwoch kamen bei einem Granatangriff auf den Vorort Dscharamana sieben Menschen ums Leben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Sana und Rebellen übereinstimmend berichteten. Unklar war zunächst, wer für den Beschuss verantwortlich war. Sana machte Oppositionelle verantwortlich. Es bekannte sich aber zunächst niemand zu dem Angriff, bei dem der Agentur zufolge Granaten in einem Gemeindebüro und einer Schule einschlugen.

Dscharamana wird von Regierungstruppen kontrolliert, ist aber von Stellungen der Rebellen umgeben. Auch in anderen Landesteilen gehen die Kämpfe weiter.

Linktipp: Lesen Sie hier mehr zur Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.