68 und die Folgen Dutschkes Attentäter hatte Kontakt zu Neonazis

Neue Erkenntnisse nach 30 Jahren: Der bislang als Einzelgänger geltende Dutschke-Attentäter Josef Bachmann soll Kontakte zu einer Neonazi-Gruppe gehabt haben.

Bachmann habe enge Kontakte zu einer rechtsradikalen Gruppe unterhalten, die später als "Braunschweiger Gruppe" durch Sprengstoffanschläge bekanntgeworden sei, berichtet der Spiegel unter Berufung auf bislang unbekannte Stasi-Akten und Berliner Polizeiprotokolle. Trotz mehrerer Hinweise in den Vernehmungen hätten die Ermittler diese Zusammenhänge damals nicht konsequent aufgedeckt.

Berlin, 11. Mai 1968: Das Fahrrad von Dutschke am Tatort

(Foto: Foto: dpa)

Der 23-jährige Hilfsarbeiter Bachmann hatte den Studentenführer am 11. April 1968 in Berlin auf offener Straße niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Bei seiner Festnahme hatte er einen Artikel über Dutschke aus der rechtsextremen Deutschen National-Zeitung bei sich gehabt.

Am 24. Dezember 1979 starb Dutschke als Spätfolge des Anschlags. Bachmann wurde zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Februar 1970 beging er Selbstmord.

Bachmann verkehrte laut Spiegel in seinem Wohnort Peine unter anderen mit dem früheren NPD-Mann Wolfgang Sachse, der mit ihm das Schießen geübt und ihm Schusswaffen und Munition verkauft habe. Sachse bestätigte dem Blatt, dass er Bachmann noch kurz vor dem Attentat Munition verkauft habe. "Mensch, hör auf mit dem Scheiß", habe er zu Bachmann gesagt. "Lass mich mal machen", habe der geantwortet.

Mit seinen Gesinnungsgenossen habe Bachmann zuvor Anschläge auf die innerdeutsche Grenze verübt und dabei auch auf DDR-Grenzer geschossen. Sogar ein Attentat auf den damaligen DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht habe er geplant gehabt. In den Berliner Polizeiprotokollen finden sich dem Blatt zufolge außerdem Aussagen Bachmanns und Dutschkes über den Tathergang. "Er sollte sterben", habe Bachmann demnach über seine Attentatsmotive gesagt.

Bachmanns Leben war im Sommer wieder zum Diskussionsthema geworden, als der West-Berliner Kriminalbeamte Karl-Heinz Kurras als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit entlarvt wurde. Kurras hatte 1967 am Rande einer Demonstration den Studenten Benno Ohnesorg erschossen und damit zur Radikalisierung der Studentenbewegung beigetragen. Kurras ungeahnte Vergangenheit warf die Frage auf, ob auch Bachmann im Dienst der Stasi gestanden haben könnte. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, beantwortete die Frage seinerzeit mit Nein - es gebe keine IM-Akte über Bachmann.

Stasi-Minister Erich Mielke in Ost-Berlin hatte sich aber nach den Schüssen auf Dutschke sehr für Bachmann interessiert. Er ließ von seinem Geheimdienst Material über den Attentäter sammeln und sich vorlegen. Einiges davon hat die Stasi-Unterlagenbehörde schon vor Jahren in Kopien zu Forschungszwecken herausgegeben.