Von Jens Schneider

Anders als Hessens Favorit Koch, setzt Niedersachsens Ministerpräsident wenig Themen und bietet keine Angriffsfläche. Mit einer heißen Wahlkampf-Phase hat das allerdings nur wenig zu tun.

Ein bisschen Neid kommt schon auf beim Blick in den Süden. Wenn die Opposition aus dem CDU/FDP-regierten Niedersachsen nach Hessen schaut, sieht sie einen heißen, konfrontativen Landtagswahlkampf, wie ihn Politiker sich wünschen.

Wulff hält sich thematisch eher im Hintergrund. Damit gerät er ins Visier der Opposition. (© Foto: dpa)

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Dort biete Roland Koch viele Gelegenheiten zur Polarisierung, in Niedersachsen biete der Platzhirsch Christian Wulff dagegen keine Angriffsflächen, beschreibt ein Wahlkämpfer die schwierigere Ausgangslage. Während Koch nervös Attacken reite, weiche Wulff geschickt aus.

Es erscheint paradox. In Hessen ist bereits vom Endspurt des Wahlkampfs die Rede, in Niedersachsen fängt die heiße Phase erst allmählich an. Gewählt werden die neuen Landtage in beiden Ländern am 27. Januar.

Aber erst weniger als drei Wochen vorher kommt die Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel am 12. Januar zur offiziellen Auftaktveranstaltung der CDU nach Braunschweig.

Das unauffälligste Duell der Geschichte?

So könnte das Duell zwischen dem sozialdemokratischen Außenseiter Wolfgang Jüttner und dem in Umfragen deutlich führenden CDU-Regierungschef Wulff als einer der kürzesten Wahlkämpfe in die deutsche Geschichte eingehen - vielleicht auch als einer der unauffälligsten.

Bis zum Weihnachtsfest hatten die Kontrahenten im zweitgrößten deutschen Flächenland in einer Art stiller Übereinkunft Frieden gehalten. Ministerpräsident Wulff hatte in seinem Lager die Maxime ausgegeben, die Leute zur Adventszeit bloß nicht mit Politik zu nerven, wie ein Berater sagt.

Die Wähler wollten die besinnlichen Tage auch als solche erleben "und in Ruhe gelassen werden". Wulff achtete darauf, deftige Attacken zu vermeiden, wie sie sein Kollege Koch jüngst in Bedrängnis fuhr. Behutsam klebte die CDU das erste Großplakat erst nach dem Fest.

Auch das sollte nicht "mit der thematischen Keule" daherkommen. Es zeigt den lächelnden Wulff im Kreis von Schornsteinfegern. "Viel Glück für alle Niedersachsen", lautet Wulffs robuste Parole.

Genervt registriert die Opposition, dass Wulff politische Konfrontationen meidet und stattdessen "fotogen Tomatensoße testet und Kängurus tauft". Zu einem heiteren Höhepunkt von Veranstaltungen der Grünen soll sich eine spöttische "Prima-Beamer"-Show mit Wulff-Bildern entwickeln.

Mit den "schönsten und politikfernsten Strahlemann-Fotos" werde, so ein Sprecher, sein Auftreten als Ideal-Schwiegersohn karikiert.

Jüttner auf Mittelstreckenlauf

Noch am ehesten hat die SPD ihren Wahlkampf begonnen. Jüttner hat, wie seine Leute sagen, im Herbst zu einem Mittelstreckenlauf angesetzt. Schon damals begann die niedersächsische SPD ihre Mindestlohn-Kampagne.

Die CDU spottet freilich, dass die Kampagne verpuffe. Jüttner suche vergeblich Themen. So gefällt sich Wulff als sicherer Sieger. Aber wie Jüttner widerspricht er dem Eindruck, dass alles entschieden sei - aus Sorge, dass manche CDU-Anhänger am Wahlsonntag daheim bleiben könnten.

Die SPD kann hoffen, dass selbst kleine Verschiebungen - etwa um zwei Prozentpunkte - große Veränderungen zu ihren Gunsten bringen könnten. Sollte die Linkspartei knapp über die Fünf-Prozent-Hürde rutschen, könnte Wulffs schwarz-gelbe Mehrheit dahin sein. Freilich lagen die Linken bisher in fast allen Umfragen drunter.

In dieser Lage finden die Sozialdemokraten Aufmunterung auch im Rückblick auf eigenes Leid. Vor fünf Jahren lag ihr Ministerpräsident Sigmar Gabriel kurz vor der Wahl noch klar vor Wulff. Als hoffnungslose Verlierer seien dessen Leute damals beschrieben worden - bis er sensationell siegte.

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(SZ vom 4. Januar 2008/stä)