Serbien will die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkennen. Nun soll einer Resolution der UN-Vollversammlung zufolge der Internationale Gerichtshof einschreiten.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag mit einem Gutachten zur international umstrittenen Unabhängigkeit des Kosovo beauftragt. 77 Mitglieder stimmten am Mittwoch in New York für den serbischen Antrag, sechs Staaten votierten dagegen. 74 Länder enthielten sich, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Bild vergrößern

Eine Brücke trennt die beiden Ethnien der Serben und Kosovaren in der Stadt Mitrovica. (© Foto: dpa)

Anzeige

"Wir glauben nicht, dass der Antrag (...) dem Fortschritt der Sache dient", sagte der deutsche UN-Botschafter Thomas Matussek. Aus Respekt vor dem Gericht habe sich Deutschland der Resolution jedoch nicht widersetzen wollen. Die USA und Albanien lehnten die Klärung vor Gericht ab. "Die Unabhängigkeit des Kosovo ist unumkehrbar", sagte die Gesandte der USA bei den Vereinten Nationen, Rosemary DiCarlo. Die Entscheidung des IGH wird erst in einem oder zwei Jahren erwartet.

Der mehrheitlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich im vergangenen Februar ungeachtet serbischer Proteste für unabhängig erklärt. Etwa 50 Länder, darunter Deutschland, haben die Unabhängigkeit der ehemaligen serbischen Republik bereits anerkannt. Zuletzt gab Portugal am Dienstagabend die Anerkennung Pristinas bekannt.

Neben Serbien und Russland lehnen China, Georgien, Moldawien, Rumänien, Zypern und Spanien die Unabhängigkeit ab. Belgrad hofft, mit dem Gang vor den Internationalen Gerichtshof weitere Staaten von einer Anerkennung abhalten zu können. Die Bundesregierung sei überzeugt, dass die Anerkennung richtig gewesen sei, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in Berlin. Sie hoffe, dass das IGH-Gutachten die "Interpretation des Völkerrechts" der Bundesregierung unterstütze.

Die Entscheidung aus Den Haag werde eine politisch neutrale Orientierung für die Staaten sein, die den Kosovo bisher nicht anerkannt hätten, sagte der serbische Außenminister Vuk Jeremic. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung dürfe nicht zum Präzedenzfall für die Abspaltungsbestrebungen anderer Regionen werden. Diese Befürchtungen wiesen die Vertreter westlicher Staaten zurück. Der Fall Kosovo sei einzigartig. "Der serbische Antrag hat ausschließlich politische und keine rechtlichen Gründe", sagte der britische UN-Botschafter John Sawers.

Leser empfehlen 

(SZ vom 09.10.2008/ssc)