Nach der Unabhängigkeitserklärung warten die Kosovo-Albaner auf Signale aus den europäischen Hauptstädten. Doch in der EU will niemand vorpreschen - die Außenminister ringen um eine gemeinsame Haltung.
Deutschland wird das Kosovo noch nicht als souveränen Staat anerkennen. Es werde am heutigen Tag noch keine Entscheidung Deutschlands dazu geben, sagte Bundeskanzlein Merkel vor ausländischen Journalisten in Berlin. Ziel sei, eine gemeinsame Handlungsplattform in der Europäischen Union zu schaffen, aufgrund derer jeder einzelne Mitgliedstaat agieren könne.
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Der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel, seine österreichische Amtskollegin Ursula Plassnik und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana vor den Beratungen in Brüssel. (© Foto: dpa)
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Ein Signal, das vor allem in Spanien mit Interesse aufgenommen würde: Madrid sieht die Anerkennung des Kosovo unter den großen EU-Staaten am skeptischsten: Die Regierung befürchtet, eine rasche Bestätigung der Unabhängigkeit könnte den baskischen oder katalanischen Separatisten im eigenen Land Auftrieb geben. Außenminister Miguel Angel Moratinos sagte, der einseitige Schritt der Kosovaren missachte das internationale Recht.
In Brüssel sind die EU-Außenminister zusammengetroffen, um ihr Verhalten abzustimmen. Die Standpunkte sind allerdings sehr unterschiedlich. Während sich alle 27 EU-Mitglieder für die Entsendung von 1800 Beamten zum Aufbau rechtsstaatlicher Institutionen im Kosovo ausgesprochen haben, wenden sich außer Spanien noch mehrere andere Staaten gegen eine Anerkennung der Unabhängigkeit. Zu ihnen gehören Griechenland, Zypern, Rumänien und die Slowakei.
Hängepartie für die Kosovaren
Für die Kosovaren bedeutet dies einstweilen eine Hängepartie: Ihre einseitige Unabhängigkeitserklärung bleibt wirkungslos, solange nicht wenigstens einige einflussreiche Staaten das Kosovo als souverän anerkennen.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich für eine Anerkennung ausgesprochen. Zwar hätte er eine gütliche Einigung zwischen Serben und Kosovaren über den Status der bislang zu Serbien gehörenden Provinz vorgezogen, betonte Steinmeier bei seiner Ankunft zum EU-Außenministertreffen in Brüssel. Diese sei aber nicht zustande gekommen, "deshalb können wir jetzt der Geschichte nicht ausweichen", sagte der Bundesaußenminister. "Wir haben uns als Europäer und natürlich auch als deutsche Regierung zu den Erklärungen, die gestern an die Öffentlichkeit gegangen sind, zu verhalten", fügte Steinmeier hinzu.
Frankreich hat die Unabhängigkeit bereits ausdrücklich begrüßt. "Das ist ein großer Erfolg für Europa, ein großer Erfolg für die Kosovaren und sicherlich keine Niederlage für die Serben", sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner in Brüssel.
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn sagte am Morgen, die historische und politische Situation des Kosovo sei "völlig einzigartig". Ein unabhängiger Kosovo sei kein Präzedenzfall für andere Staaten. "Wir alle kennen die humanitäre Katastrophe, die diesem Konflikt zugrunde liegt", sagte er unter Hinweis auf die versuchte Vertreibung der Kosovo- Albaner durch die Serben.
"Das Kosovo ist ein ganz spezieller Fall", sagte auch Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Eine Anerkennung durch die EU steht nicht zur Diskussion, da die völkerrechtliche Anerkennung Sache der Mitgliedstaaten ist. "Wir werden jetzt hart arbeiten müssen", sagte Asselborn unter Bezug auf den Widerstand einiger EU-Regierungen gegen eine Anerkennung.
"Die EU ist hier, um jedem zu helfen", sagte der slowenische Außenminister und derzeitige EU-Ratsvorsitzende, Dimitrij Rupel, zu Beginn des Treffens. "Wir haben so oft gesagt, dass wir die Serben, Kosovaren, Bosnier und Mazedonier, dass wir alle in der EU haben wollen", sagte er. Die Minister wollten darüber diskutieren, wie man dieses Vorhaben schneller voranbringen könne. Er betonte jedoch, dass es keine gemeinsame EU-Linie gebe, jedes Mitglied sei frei in seiner Haltung.
Serbien hat seine Haltung bereits am Sonntag unmissverständlich deutlich gemacht. Der serbische Präsident Boris Tadic sagte, Serbien werde "alles in seiner Macht unternehmen, um diese einseitige und illegale Unabhängigkeitserklärung rückgängig zu machen". Ministerpräsident Vojislav Kostunica bekräftigte in einer Fernsehansprache, es handele sich um einen "falschen Staat, der unter der Militärkontrolle der USA steht". In Anspielung auf die führende Rolle Washingtons bei den Vorbereitungen der Kosovo-Unabhängigkeit sagte Kostunica: "Die Gewaltpolitik der USA hat nicht Serbien, sondern die EU erniedrigt". Die serbische Regierung drohte allen Staaten, die die Unabhängigkeit des Kosovos anerkennen, mit einer Einschränkung der Beziehungen.
UN-Resolution bleibt in Kraft
Die internationalen Reaktionen auf die Unabhängigkeitserklärung sind derweil nicht nur innerhalb der EU gespalten. Tiefe Meinungsverschiedenheiten traten am Sonntag auf einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates zutage. Während Russland wie Serbien die Unabhängigkeit ablehnten, unterstützten die USA, Großbritannien und Frankreich das Vorgehen der Kosovo-Albaner. Die Sitzung hatte Russland beantragt, das die Unabhängigkeitserklärung vom Sonntag als Verstoß gegen eine UN-Resolution von 1999 betrachtet. Damals wurde das Kosovo im Anschluss an den Krieg der Nato unter die Verwaltung der Vereinten Nationen gestellt, aber auch die völkerrechtliche Zugehörigkeit zu Serbien bestätigt.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, diese Resolution bleibe weiter in Kraft. Die Vereinten Nationen würden "ihr Mandat im Lichte der sich entwickelnden Umstände weiter erfüllen". Ban rief alle Seiten auf, sich jeglicher Aktionen oder Erklärungen zu enthalten, die den Frieden und die Sicherheit im Kosovo und auf dem Balkan gefährden könnten.
Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin sagte vor Journalisten, seine Regierung sei "sehr besorgt" über die Erklärung des Parlaments in Pristina. Da die UN-Resolution von 1999 weiter Bestand habe, sei es nicht ersichtlich, was die rechtliche Grundlage für die Unabhängigkeitserklärung sein könnte. Dieser Schritt dürfe von der internationaler Staatengemeinschaft nicht anerkannt werden und müsse von der Kosovo-Verwaltung der UN für null und nichtig erklärt werden. Zuvor schon hatte das Außenministerium in Moskau gewarnt, die Unabhängigkeitserklärung könne zu einer Eskalation der Gewalt zwischen den Volksgruppen führen.
Der britische Botschafter bei den UN, John Sawers, wies nach der Sitzung Russlands Forderungen zurück. Kein Land habe den Antrag Russlands unterstützt, die Ausrufung der Unabhängigkeit für null und nichtig zu erklären: "Alle haben begriffen, dass die Sache weiter voran gegangen ist."
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...ich muss eingestehen dass man meine Meinung auch kritisch betrachten kann. Ich stimme A.Hauß voll zu.
Dennoch: Wer Frieden will muss Opfer bringen und nicht auf völlig überzogene Entschuldigungen beharren. Man muss sich doch mal im Klaren sein dass es Opfer auf beiden Seiten gab und nicht Serbien so sehr viel zahlreicher mehr Opfer gefordert hat wie es manche Herschaften hier einseitig darstellen. Verurteilungen dass ständig Serbien für alles immer schuldig sei bringt keinen neuen Frieden. Die Tatsache dass Serbien schon immer auf der "falschen" Seite der Weltmacht stand ist der wahre Grund ihrer Misgunst, sonst würde es diese Diskussion über dem Kosovo garnicht geben. Das mag moralisch und ethisch vielleicht nicht vertretbar sein, aber genau so läuft es doch in der Weltpolitik. Jeder vertritt nur seine Interessen, allen voran die USA.
Ganz bestimmt bin ich der Letzte, der Geschichtswissen zur Seite legt, wenn es um Erklärung von diesem oder jenem geht.
Aber nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß seit 1945 mit der Charta der UN ein neues Völkerrecht existiert, das er zuvor nicht mit Völkerbund und Kellog-Briand und anderen Pakten gab. Alle beteigten haben diese Charta unterschrieben. UNd da steht eben haarklein, wann Krieg ausnahmsweise gerechtfertigt ist und wann Sezession ausnahmsweise okay ist: alles in engen Grenzen, die immer und immer wieder insbesondere durch NATO-Staaten gebrochen werden. Das Amselfeld und die Türken hin oder her, ob albanisch oder serbisch argumentiert: es tut nichts zur Sache.
Auch nicht, ob Hier jemand meint, es sei sinnvoll, diese oder jene Völkerschaften, Glaubensgemeinschaften, Kegelvereine oder sonstwas zu separieren, damit sie dann wieder in iner EU zusammenwachsen. So läuft Staatsdefinition nicht. Deutschland wäre fein raus, aber schon bei Spanien, Frankreich, GB oder erst recht belgien, Schweiz usw. sieht das anders aus. Hören Sie doch bitte mit diesen völkerrechtswidrigen Neuaufteilung-der- welt -Gedankenspielen auf. Sie erklären nichts und sind brandgefährlich.
Das Wort selbstgerecht in diesem Zusammenhang zu verweden ist abolut zynisch. Viel Leid ist entstanden und zwar nicht auf serbischem Boden. Weil andere (hier die Türkei) Länder es nicht zu einer Entschuldigung geschafft haben, ist das ein Grund eine solche als unnötig zu bezeichnen? Eher im Gegenteil ! Damit fängt Versöhnung an und damit fängt auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte an.
Und gerade der Verweis auf den zweiten/ ersten Weltkrieg ist für viele Serben immer noch ein legitimes Argument zur Verharmlosung vieler begangener Verbrechen.
Nun stellen eben die Serben eine Minderheit dar und können (hoffentlich) friedlich für ihre Rechte eintreten.
Es hat in so fern direkt mit der Situation am Kosovo zu tun, weil die Ursache nicht erst von heute auf morgen entstanden ist, sondern tiefgreifend in der Geschichte ihren Ursprung hat, einschließlich erster-, zweiter Weltkrieg und osmanisches Reich. Eine Entschuldigung von den Serben zu verlangen und mit Zahlen der Opfer aufzuwiegen halte ich für haltlos und viel zu selbstgerecht. Haben sich die Türken jemals für die Millionen ermordeten Armenier entschuldigt? Solche unrealistischen und egoistischen Forderungen werden nicht für neuen Frieden sorgen.
Das Kosovo muss geteilt werden, denn bei über 95% Albaneranteil ist das Land für die Serben größtenteils verloren. Die Serbengebiete müsste man an der Grenze zu Serbien umsiedeln und die Grenzen neu definieren. Eine diplomatisch bessere Lösung wüsste ich nicht.
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