Unabhängige Kommission antwortet Kritikern "Unser Buch hat einen Nerv getroffen"

Die Studie "Das Amt" über deutsche Diplomaten im Nationalsozialismus hat große öffentliche Resonanz hervorgerufen. Jetzt verteidigen die Verfasser ihre Arbeit erstmals öffentlich.

In der Debatte über das Auswärtige Amt im Nationalsozialismus hat sich jetzt die Unabhängige Historikerkommission gegen Kritik zur Wehr gesetzt. In ihrer ersten gemeinsamen Stellungnahme seit der offiziellen Vorstellung der Studie "Das Amt" (Ende Oktober) verteidigten die vier Autoren und Kommissionsmitglieder in der Süddeutschen Zeitung ihre Forschungsarbeit als "eine für das Ansehen der Auswärtigen Amtes und der Bundesrepublik wichtige kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit des AA und ihrer Wirkungsgeschichte".

Es sei weder richtig, dass mit dem Buch die Bedeutung des Widerstandes gegen Adolf Hitler unterbewertet werde, noch sei die Verwertung der Akten des Auswärtigen Amtes durch die Kommission fehlerhaft, schreiben die Historiker Norbert Frei (Jena), Eckart Conze (Marburg), Peter Hayes (Northwestern University) und Moshe Zimmermann (Hebrew University, Jerusalem) in dem Beitrag.

"Wissenschaftlicher Erkenntnisstand und gesellschaftliches, öffentliches Wissen befinden sich nur selten in Übereinstimmung", monieren die Historiker. "Das Echo auf 'Das Amt' demonstriert dies einmal mehr." Die Angriffe auf die Historikerkommission zeigten, dass die Legende vom "gesunden Kern" des Auswärtigen Amtes von gewissen Kritikern wider besseres Wissen immer noch aufrechterhalten werden solle. "Unser Buch hat einen Nerv getroffen."

Gegen den Einspruch des prominenten NS-Forschers Hans Mommsen betonte die Historikerkommission, die Beteiligung des Auswärtigen Amtes an der Entscheidung für die Vernichtung der Juden bedeute keineswegs, dass der Anteil anderer Behörden, der SS und der Reichssicherheitshauptamtes relativiert werde. Dennoch sei die Entscheidung für den Holocaust "unter wesentlicher Beteiligung des Auswärtigen Amtes" gefallen.

Die "Unabhängige Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amts in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik" war 2005 vom damaligen Außenminister Joschka Fischer eingesetzt worden und hatte ihre Ergebnisse am 28. Oktober 2010 im Beisein von Außenminister Guido Westerwelle in Berlin vorgestellt. Das Buch "Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik" ist im Karl Blessing Verlag erschienen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 10. Dezember 2010.