UN-Sicherheitsrat Scharfe Kritik an Liquidierung von Hamas-Führer

Mehr als 40 Länder haben Israel wegen der gezielten Tötung von Abdel Asis Rantisi verurteilt. Der deutsche Botschafter warnte vor einer neuen Spirale der Gewalt. Jordaniens König Abdullah sagte ein geplantes Treffen mit US-Präsident Bush vorerst ab.

Deutschlands UN-Botschafter, Gunter Pleuger, forderte Israelis und Palästinenser zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Russland verurteilte "jegliche außergerichtliche Exekution", und China äußerte sich "zutiefst schockiert" über Israels Vorgehen. Die offene Debatte im Sicherheitsrat war zwei Tage nach dem tödlichen Raketenangriff auf Rantisi von Algerien im Namen der arabischen Staaten beantragt worden.

Die Palästinenser machten die USA für den Tod Rantisis mitverantwortlich, weil sie nach der Tötung von Hamas-Gründer Scheich Achmed Jassin durch Israel eine Resolution gegen Israel Ende März mit einem Veto verhindert hätten.

Arabische Staaten dringen auf Resolution

Dagegen erklärte der israelische UN-Vertreter Dan Gillerman, sein Land sei zu Verteidigungsaktionen - darunter auch die Tötung Rantisis - gezwungen worden, weil die Palästinenser sich geweigert hätten, ihren internationalen Verpflichtung zur Festsetzung von Terroristen und zur Beseitigung von Terrorgruppen wie der Hamas nachzukommen.

Derweil drängen die arabischen Staaten den UN-Sicherheitsrat, Israels Vorgehen gegen Rantisi in einer Resolution zu verurteilen. Dem höchsten UN-Gremium lag am späten Montagabend ein ägyptischer Resolutionsentwurf vor. Darin wird Israels Handeln als "illegal, ungerechtfertigt und schädlich" gerügt und das sofortige Ende solcher Maßnahmen verlangt.

Israel lehnte die Resolution als einseitig ab. UN-Diplomaten bezeichnen den Text "ausgewogener als frühere Textvorlagen" der Araber und hoben hervor, dass er generell "alle Terrorakte, militärischen Angriffe und Provokationen" in der Region verurteilt. Ungeachtet seiner milderen Sprache dürfte er von Washington abgelehnt werden. In der Vergangenheit waren vergleichbare Vorstöße immer am Veto der USA gescheitert, die Entwürfe der arabischen Staaten stets als einseitig und unausgewogen zurückwiesen. Eine Abstimmung über die Resolution wurde für die nächsten Tage erwartet.

Jordanischer König sagt Treffen mit Bush ab

Unterdessen hat der jordanische König Abdullah II. ein für Mittwoch geplantes Treffen mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus vorläufig abgesagt. Abdullah hatte an diesem Dienstag bereits mit dem amerikanischen Außenminister Colin Powell sprechen wollen. Doch nach dem Tod des Hamas-Führers Abdel Asis Rantisi durch einen israelischen Raketenangriff am Samstag bat der Königspalast um eine Verschiebung der Treffen. Der Besuch solle nun in der ersten Maiwoche stattfinden, teilten das Weiße Haus und das US-Außenministerium am Montag mit.

Der israelische Angriff auf Rantisi und Bushs Rückendeckung für den Plan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zur einseitigen Abtrennung von Palästinensergebieten waren in Jordanien auf scharfe Kritik gestoßen. Die Opposition in Amman forderte König Abdullah auf, seinen Besuch in Washington abzusagen. Der jordanische Außenminister Marwan Muascher wird am heutigen Dienstag in Washington seinen US-Kollegen Colin Powell treffen.

Die Hamas rief bei den Trauerfeiern für Rantisi zum Kampf gegen die USA und Israel auf. Ihr politischer Führer, Chaled Maschaal, forderte, Araber und Muslime müssten ihre Kräfte zur Verteidigung gegen die USA und Israel bündeln. Maschaal bezeichnete Amerika und Israel als die größten Gefahren für Araber und Muslime in aller Welt. Maschaal gilt ebenfalls als Ziel für die gezielten Liquidierungen der israelischen Regierung.