UN-Sicherheitsrat "Jemen droht Syrien-Szenario"

  • Bei einer Sondersitzung zum Konflikt im Jemen ruft das Gremium die Huthi-Miliz zum Rückzug auf und sichert dem Präsidenten Hadi Unterstützung zu.
  • Der UN-Sondergesandte Jamal Benomar warnt bei der Sitzung vor einem Abgleiten des Landes in einen langwierigen Bürgerkrieg mit ähnlichem Szenario wie in Syrien, Irak oder Libyen.
  • Die Huthi-Miliz hat ihre Wurzeln in einer schiitischen Minderheit im Norden Jemens.

UN fordern Huthi-Miliz zum Rückzug auf

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat angesichts des drohenden Bürgerkriegs im Jemen ein Ende der Feindseligkeiten gefordert. Das Gremium verurteilte in einer Erklärung zudem die schiitische Huti-Miliz, die einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat.

Der Rat forderte die Rebellen auf, sich zurückzuziehen und bekräftigte seine Unterstützung für Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi. Er drohte zudem mit "weiteren Maßnahmen" gegen jegliche Beteiligte. Im November hatte das Gremium Sanktionen gegen zwei Huthi-Anführer und Hadis Vorgänger Ali Abdullah Saleh verhängt. Der Sicherheitsrat war am Sonntag zu einer Sondersitzung zusammengekommen, nachdem die Gewalt in dem Land eskaliert war.

Bei Bombenanschlägen in der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa waren am Freitag mehr als 130 Menschen getötet worden. Über das Wochenende nahmen die Huthis mit Taes dann eine weitere strategisch wichtige Stadt ein.

Drohendes Szenario wie in Irak, Libyen oder Syrien

UN-Vermittler Jamal Benomar sagte den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrat, der Jemen sei an den Rand eines Bürgerkriegs gedrängt worden. Es drohe ein langwieriger Konflikt mit einem "Irak-Libyen-Syrien"-Szenario. Die Lage im Jemen ist eskaliert, nachdem bei Bombenanschlägen in der von den Huti kontrollierten Hauptstadt Sanaa am Freitag mehr als 130 Menschen getötet wurden. Über das Wochenende nahmen die Huti mit Taes dann eine weitere strategisch wichtige Stadt ein. Inzwischen rücken sie offenbar auf die Hafenstadt Aden vor.

Nach Angaben aus Milizkreisen und Behörden schlugen regierungstreue Soldaten am Montag vor Aden einen Angriff von Huthi-Kämpfern zurück. Zu den Kämpfen sei es rund 100 Kilometer nördlich der Stadt gekommen.

Die USA zogen ihre letzten Militärangehörigen wegen der unsicheren Lage ab. Ihre Botschaft haben die Amerikaner ebenso wie die europäischen Staaten schon vor längerer Zeit geschlossen. Der Machtkampf im Jemen droht sich zu einem Bürgerkrieg auszuweiten, in den auch die benachbarten und miteinander rivalisierenden Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran hineingezogen werden könnten.

Ursprünge des Konflikts

Ihre Wurzeln haben die Huthis im Norden des Jemen. Das bergige Grenzgebiet zu Saudi-Arabien ist die Hochburg der Zaiditen, einer schiitischen Gemeinschaft, die es nur noch im Jemen und in Saudi-Arabien gibt. Etwa ein Drittel der Jemeniten sind Zaiditen, die Mehrheit gehört der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an. Über tausend Jahre, bis zur Revolution 1962, herrschten die zaiditischen Imame über das Land.

In den 90er Jahren fühlten sich die Zaiditen angesichts des wachsenden Einflusses sunnitischer Fundamentalisten zunehmend an den Rand gedrängt. Anhänger der namensgebenden al-Huthis, einer Familie zaiditischer Gelehrter, verbündeten sich mit Stämmen der Region.

Das Aufbegehren der Huthis mündete 2004 in einen bewaffneten Konflikt mit der jemenitischen Armee, nachdem die Zentralregierung in Sanaa den Einmarsch der USA im Irak unterstützte. Der damalige Präsident Ali Abdallah Saleh - selbst Zaidit - brandmarkte die Huthis als "Terroristen" und bezichtigte den Iran, die Aufständischen zu finanzieren. Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit lieferten sich Huthis und Militär zwischen 2004 und 2010 sechs Runden eines blutigen Bürgerkrieges: Tausende wurden getötet, Hunderttausende mussten fliehen.

Huthis nehmen Hauptstadt Sanaa ein

Als der Arabische Frühling 2011 auch den Jemen erfasst, schließen sich die Huthis der Protestbewegung an und profilieren sich als Kämpfer gegen die Korruption. Präsident Saleh tritt zurück, sein Vize Abd Rabbo Mansur Hadi wird zum Nachfolger gewählt.

Im September 2014 gelingt es den Huthis - offenbar mit militärischer Unterstützung von Saleh-Getreuen - überraschend leicht, die Hauptstadt Sanaa einzunehmen. Sie bringen Teile des Militärs und den staatlichen Fernsehsender unter ihre Kontrolle. Ihr Anführer, Abdel Malek al-Huthi, fordert eine stärkere Beteiligung an der Macht und bei der Gestaltung der neuen Verfassung.

Der Konflikt zwischen Regierung und Huthis eskaliert, als Mitte Januar der Entwurf für eine neue Verfassung vorliegt. Vor allem den Zuschnitt der sechs föderalen Regionen, in die der Jemen künftig unterteilt werden soll, lehnen sie ab. Die Huthis nehmen daraufhin den Präsidentenpalast ein, umstellen die Residenz von Präsident Hadi und kidnappen seinen Büroleiter. Als Verhandlungsversuche scheitern, tritt Hadi zurück. Auch das Parlament wird für aufgelöst erklärt. Hadi gelingt Ende Februar die Flucht in die südliche Küstenstadt Aden.