UN-Mitgliedschaft Palästinas: Sarkozy prescht vor Ein Ego, das dem Frieden im Wege steht

Der Streit um die UN-Vollmitgliedschaft eines Staates Palästina steckt fest - nun wirft sich Frankreichs Präsident Sarkozy als Macher in Pose: Im Plenum der Vereinten Nationen plaudert er die Details des Friedensplans aus, den das Nahost-Quartett in monatelanger, mühevoller Reisediplomatie zwischen Israel und den Palästinensern abgestimmt hatte. Ein gefährliches Spiel.

Von Stefan Kornelius

Niemand kann dem französischen Präsidenten unterstellen, er habe nicht Wort gehalten. "Lasst uns nur für einen Tag mal keine Diplomaten sein", schlug er von der Rednerkanzel der UN-Generalversammlung den 137 Staats- und Regierungschefs samt ihrem diplomatischen Gefolge vor, "lassen Sie uns die Methode wechseln." Sarkozys Methode: Er witterte die emotionale Lücke, die der amerikanische Präsident mit seiner Zurückweisung der Palästinenser bei über hundert Staaten gerissen hatte. Und er füllte sie mit großen Worten.

Sarkozy plauderte aus, was noch kein mit der Sache befasster Staatschef offiziell zu sagen wagte: die Details des Friedensplans, den das Nahost-Quartett in monatelanger, mühevoller Reisediplomatie zwischen Israel und den Palästinensern abgestimmt hatte. Zeitplan, Grenzen, Sicherheit - alles war plötzlich das Werk des Staatsmannes Nicolas Sarkozy, der damit nicht nur den amerikanischen Präsidenten als Sturkopf in eine Ecke stellte und die Handlungsunfähigkeit der USA im Nahen Osten für alle sichtbar machte, sondern den Friedensplan insgesamt gefährdete.

Damit nicht genug. Sarkozy nahm dem Nahost-Quartett (USA, Russland, EU, Vereinte Nationen) nicht nur den Friedensplan, sondern auch das Druckmittel, indem er alle Bemühungen im Sicherheitsrat zur Anerkennung der Staatlichkeit für nutzlos erklärte und den Palästinensern vorschlug, sie sollten sich mit einem Zwischenschritt begnügen und in der UN-Generalversammlung die Anhebung ihres Status zum "permanenten Nicht-Mitgliedsstaat" betreiben.

Damit eröffnete er einen neuen Kriegsschauplatz, denn nicht nur das Nahost-Quartett, sondern wohl auch die Palästinenser selbst hatten gehofft, das Verfahren im wichtigsten Gremium der UN, dem Sicherheitsrat, kontrollieren zu können. Nur so kann Zeit für echte Friedensgespräche gewonnen werden. In der Generalversammlung gilt ein Antrag hingegen als wenig steuerbar, weil er jederzeit mit Formulierungen überfrachtet und zur Abstimmung gestellt werden kann.

Barack Obama ließ seinen Körper sprechen, als er kurz darauf - eine Laune des Zufalls - Sarkozy in seinem Hotel zu einem Vieraugengespräch empfing. Reporter drängten sich zu dem Fototermin, wollten vom amerikanischen Präsidenten eine Reaktion auf Sarkozys Pläne hören.

Aber Obama speiste sie mit einem bitteren Lächeln und einem sarkastischen "Bonjour" ab. In europäischen Delegationen war die Stimmung nicht besser. Aus Berlin hieß es, die Kanzlerin schäume. Sogar die Umgebung des französischen Präsidenten selbst, Berater und wohl auch Außenminister Juppé, schienen von der Deutlichkeit der Rede überrascht zu sein.