UN-Friedensgespräche Syrische Regierung erlaubt humanitäre Hilfe für belagerte Städte

Asaad Al-Zoubi, Führer der Delegation der syrischen Opposition, und Salim al-Muslat, Sprecher des Hohen Verhandlungskommittees während Friedensgesprächen in Genf

(Foto: REUTERS)
  • Zu Beginn der Friedensgespräche in Genf hat die syrische Regierung versprochen, Hilfslieferungen in belagerte Städte wie Madaja zu erlauben.
  • Die Zusage soll auch für Orte wie Kafraja und Fua gelten, die von Rebellen belagert werden.

In Madaja sind schon 46 Menschen verhungert

Syrische Opposition nimmt nun doch an Friedensverhandlungen teil

Die großen Oppositionsgruppen hatten zunächst gezögert. Die Gespräche mit Vertretern des Assad-Regimes hat der UN-Vermittler bereits begonnen. Von Paul-Anton Krüger mehr ...

Immer wieder wurde der Start der Friedensverhandlungen in Genf verschoben. Nun haben sie begonnen und die Lage für die Zivilisten im Land könnte sich bessern: Die syrische Regierung hat nach UN-Angaben grundsätzlich Hilfslieferungen in belagerte Städte wie Madaja erlaubt. Viele Menschen leiden dort an Hunger.

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"Die Regierung hat im Prinzip Konvois zugelassen", sagte der Sprecher der UN-Behörde für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha), Jens Laerke, in Genf.

Die Stadt Madaja liegt etwa 40 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus. Der Ort mit etwa 40 000 Menschen - etwa die Hälfte davon Zivilisten - wird seit Juli durch Soldaten der Regierung und die schiitische Hisbollah-Miliz belagert und bombardiert. Weil keine Hilfe in die Stadt kommt, sind dort nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen schon 46 Menschen verhungert.

Auch in von Rebellen belagerten Städten kommt es zu Hungersnöten

Das Schicksal der Stadt ist ein sensibler Punkt bei den Friedensgesprächen für Syrien, die in Genf begonnen haben. Ocha-Sprecher Laerke sagte, die Zusage für das Durchlassen von Konvois gelte auch für Kafraja und Fua. Beide Städte werden von Rebellen belagert. Auch die Rebellen haben mancherorts verhindert, dass von ihnen belagerte Orte mit Lebensmitteln versorgt werden.

"Unser Leben in Kfarja und in Fua war katastrophal", berichtete ein 16-Jähriger, der für die Regierung gekämpft hat und verletzt wurde, der Nachrichtenagentur AP in einem Krankenhaus in Beirut Anfang Januar. Aus Not würden manche Menschen schon Gras essen.

Fua und Kfarja liegen in der Provinz Idlib. Seit mehr als einem Jahr werden sie von Aufständischen belagert. Im September spitzte sich die Lage zu, als die Rebellen einen nahe gelegenen Luftwaffenstützpunkt einnahmen, von dem aus die rund 30 000 Menschen in der überwiegend von Schiiten bewohnten Region bis dahin mit Lebensmitteln aus der Luft versorgt worden waren.

Das Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der syrischen Opposition beteiligt sich seit Montag an den Verhandlungen in Genf, bei denen UN-Vermittler Staffan de Mistura zunächst getrennt mit Vertretern von Regierung und Opposition spricht.