Klare Position vor dem Atom-Krisengipfel im Kanzleramt: Umweltminister Norbert Röttgen will Atomkraftwerke abschalten - und die CDU an Rhein und Ruhr führen. Viele Parteifreunde hoffen auf seine Niederlage. Doch genau das macht ihn stark.
Nein, er ist nicht einfach nur hierhergekommen. Er hat sich präzise etwas vorgenommen. Er will unbedingt fair und freundlich und nett erscheinen. Also lächelt Norbert Röttgen mehr als sein Kontrahent ins Publikum. Also klatscht er besonders kräftig, wenn Armin Laschet etwas Richtiges gesagt hat. Betont aufmerksam wendet er sich jedem Redner zu, mehr noch als sein Gegner - sofern er nicht gerade selbst redet. Es ist Mittwochabend, die erste Regionalkonferenz zur Auswahl des neuen CDU-Landeschefs in Nordrhein-Westfalen hat begonnen, in Münster. Und man spürt: Norbert Röttgen wird nicht mehr lockerlassen. Mögen die meisten Hierarchen in der Landespartei auch gegen ihn sein - der 45-Jährige hat entschieden, sich darüber hinwegzusetzen.
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Bundesumweltminister Röttgen führt zwei Machtkämpfe zur gleichen Zeit, einen an Rhein und Ruhr: um die Zukunft der Landespartei; einen in Berlin: um die Zukunft der Atomkraft. (© dpa)
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Münster ist Basis pur für Christdemokraten. Hier leben die Leute zumeist noch von ihrer Hände Arbeit. Und ziemlich früh an diesem Abend wird einer aus dem Publikum sagen, hier gebe es noch viele gute Handwerker, auf der Bühne dagegen säßen ihm zu viele "Mundwerker in Flanell". Der Mann im Strickpullover meint es wörtlich, als Ohrfeige für die Politik im Allgemeinen und für die Herren auf dem Podium ganz persönlich.
Die Verhältnisse sind also bald geklärt in der Halle im Stadtteil Hiltrup. Es ist voll, schon vor Beginn sind die Buletten, Würstchen und Schnittchen vergriffen. Später wird einer betonen, so viele Christdemokraten aus der Gegend habe er hier noch nie erleben dürfen. Auch für Röttgen dürfte es eine neue Erfahrung sein: Der Minister aus Berlin ist einfach nicht bekannt als Mann der Basis. Er ist kein Kumpel, keiner zum Anfassen. Er zieht nicht übers Land, um überall und mit jedem mal ein Bier zu trinken. Lieber philosophiert er über die Rettung der Welt. Er ist Dauergast in Talkshows. Aber erreicht er auch die Leute in Münster? Am 31. Oktober wird man es wissen, dann wird das Ergebnis der Mitgliederbefragung bekanntgegeben.
Bis dahin freilich ist noch viel zu tun, Röttgen führt zwei Machtkämpfe zur gleichen Zeit, einen an Rhein und Ruhr: um die Zukunft der Landespartei; einen in Berlin: um die Zukunft der Atomkraft. Viele in der Union sehen noch eine große Zukunft darin - Röttgen kann die nicht mehr erkennen.
Er kann beide Kämpfe gewinnen. Dann wird er Chef des mächtigsten Landesverbands der CDU. Dann löst sich die Union schrittweise von der Atomkraft, für die sie so lange stritt. Und dann wird Röttgen ein Bundesminister mit Ambitionen. Er kann aber auch zweimal verlieren. Dann werden seine Gegner sehr darauf achten, dass er lange an diesen Niederlagen zu knabbern haben wird.
Gegner nämlich hat er genug. Manche müssen sich zusammenreißen, um bei Nennung seines Namens nicht auszurasten. "Es knirscht gewaltig", sagt ein Parteifreund. "Die Leute in der Fraktion werden langsam radikal, was den Norbert betrifft." Auch der FDP-Chef dürfte nicht mehr allzu gut auf Röttgen zu sprechen sein, schließlich ist Guido Westerwelle nach Auffassung Röttgens "irreparabel beschädigt" - so jedenfalls wird er zitiert. Zwar gelang es dem Umweltminister am Donnerstagabend, sich beim Vizekanzler zu entschuldigen. Freunde werden die beiden nicht mehr.
Doch nirgends hat sich Röttgen so erbitterte Feinde geschaffen wie beim Thema Atomkraft. Immer freundlich, aber selten zu Kompromissen aufgelegt, schiebt er die Union seit Monaten vor sich her. Manche in der Partei würden am liebsten neue Meiler bauen. Röttgen dagegen will quasi übermorgen die ersten abschalten. Als Umweltminister hat er die Mittel dazu. Und er macht nicht den Eindruck, als ließe er sich davon abbringen. Allmählich hat die Union selbst etwas von einem Reaktor, und Röttgen wirkt für manchen wie ein Brennstab. Fährt der Brennstab in den Reaktor ein, kommt es zu einer Reaktion, es wird heiß. Gibt es kein Ventil, schmilzt der Kern.
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Sinti und Roma als Nachbarn? Bloß nicht, sagen zwei von drei Deutschen. Über Menschen, die im eigenen Land Fremde sind. Seite Drei. Jetzt lesen ...
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Facebooks missglückter Börsengang
Ich habe mir heute die Kommentare von Herrn Brüderle und Herrn Röttgen im Fernsehen angehört und bin einfach sprachlos, obwohl ich von Herrn Brüderle, aber insbesondere von Herrn Röttgen nichts Anderes erwartet hatte. Er hat wieder sehr viel geredet auf seine selbstzufriedene unangenehme Art, er hat viele Luftblasen herausgelassen und ich habe mich gefragt, was mögen sich jetzt wohl all die Reporter denken, die vor Röttgen stehen. Ich jedenfalls mußte die Fernbedienung betätigen und brauchte den Saal nicht zu verlassen. Ob es jemandem übel geworden ist?