Umstrittenes Treffen in Wien Protest gegen Burschenschafter-Gala

Die FPÖ veranstaltet in Wien einen Ball, zu dem vor allem ultrarechte Burschenschafter erwartet werden. Nun protestieren Holocaust-Überlebende - doch die Veranstaltung lässt sich nur schwer verbieten.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Das Antwortschreiben entspricht nicht unbedingt Wiener Gepflogenheiten, in denen sich üblicherweise exzellente Umgangsformen und charmanter Schmäh mischen: "Sehr geehrte/r Frau Sasso, Herr Prof. Sarközi", beginnt es; vier weitere Namen folgen, einer falsch geschrieben.

Auch Komma- und Grammatikfehler finden sich in dem trockenen Brief, den die Geschäftsführung der "Hofburg Vienna" an mehrere Holocaust-Überlebende schickte. Diese hatten sich im Rahmen der Aktion "Jetzt Zeichen setzen", an der fast 50 Organisationen beteiligt sind, dagegen ausgesprochen, dass der Akademikerball am 24. Januar wieder in der Wiener Hofburg stattfindet.

Der Akademikerball, muss man wissen, ist die Nachfolge-Veranstaltung des Wiener Korporationsballes (WKR-Ball), der von schlagenden und farbentragenden Verbindungen organisiert wurde. Seit Jahren gibt es heftige Demonstrationen gegen das Gala-Event, das als Treffpunkt von Ultrarechten gilt. Wegen der teils gewalttätigen Auseinandersetzungen und des Imageschadens beschloss die "Hofburg Vienna", dass die Burschenschafter die Prunkräume nicht mehr mieten dürften; daraufhin sprang die Wiener FPÖ ein, ein neuer Name (Akademikerball) wurde gefunden. Der Ort blieb.

Kanzler und Präsident wollen auf Brief antworten

Die ehemalige Kaiser-Residenz gehört dem Staat. Die Betriebsgesellschaft des Kongresszentrums in der Hofburg allerdings ist eine privatwirtschaftliche, zahlreiche Hotelketten sind beteiligt. Und die lässt wissen, der umstrittene Ball werde nun von der FPÖ veranstaltet. "Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an den Veranstalter." Ballorganisator Udo Guggenbichler betont, man bedauere das Leid, das den KZ-Überlebenden angetan wurde, zutiefst und respektiere deren Bedenken. Offenbar seien sie aber über diese Kultur-Veranstaltung falsch informiert; er sei gerne bereit, sie aufzuklären.

Nun wollten die Autoren des offenen Briefes aber gar keine Auskünfte von der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei zu einem Ball haben, für den die Hofburg ihrer Ansicht nach "Vertretern rechtsextremer Vereine ihre Tore öffnet", die wiederum "Holocaustleugnern eine Bühne bieten". Sie finden, dass der Ball dort gar nicht stattfinden darf. Die Kritiker verstehen nicht, so ihr Sprecher Nikolaus Kunrath, warum die Republik kein Machtwort spricht. Sie appellieren an Kanzler und Bundespräsident, ihre Verantwortung wahrzunehmen, und verweisen auf Innsbruck, wo der stramm rechte Dach-Verband der "Deutschen Burschenschaft" jüngst ein Treffen abhalten wollte. Die Stadt hatte den Mietvertrag ihrer Messegesellschaft mit den Korporierten gekündigt, nahm eine Vertragsstrafe in Kauf - und bekam dafür viel Beifall.

Nun ist die Lage in Wien komplizierter, denn die FPÖ sitzt im Parlament, sie darf Räume im Schloss mieten, für wen auch immer - solange die Veranstaltung nicht gegen das Gesetz verstößt. Auch Kanzler und Präsident wollen bald auf den Brief der Holocaust-Überlebenden antworten. Offiziell zieht man sich vorerst auf den Verweis zurück, in Österreich gelte nun mal Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Inoffiziell heißt es jedoch, die Möglichkeiten, den Akademikerball aus der Hofburg zu verbannen, würden derzeit rechtlich geprüft.