Der jüngste Anschlag auf Ungarns innere Verfassung schreckt die europäische Völkerfamilie auf. Doch die EU hat zu lange nur zugeschaut. Dabei hätte Druck einiges verhindern können.
Ein Kernstaat Europas schickt sich an, die Grundfesten der Demokratie einzureißen - und in der EU scheint dies lange Zeit niemanden zu stören. In Ungarn arbeitet die verfassungsändernde Mehrheit des Bundes Junger Demokraten (Fidesz) konsequent daran, den Staat so umzubauen, dass die Alleinherrschaft dieser Partei und ihres Ministerpräsidenten Viktor Orbán zur Dauereinrichtung werden kann. Die Institutionen der EU und die Regierungen der anderen Mitgliedsländer aber tun erst einmal so, als würden sie dies nicht bemerken - obwohl Ungarn am 1. Januar die Präsidentschaft der EU übernehmen wird.
Anzeige
Erst der jüngste Anschlag auf Ungarns innere Verfassung schreckt die europäische Völkerfamilie nun auf: Das von Fidesz beherrschte Parlament hat der Regierung Orbán die gesetzliche Möglichkeit eröffnet, die Medien des Landes, öffentlich-rechtliche wie private, samt und sonders ihren Vorstellungen zu unterwerfen.
Nun plötzlich ertönt lauter Tadel, der aber heuchlerisch anmutet. Warum haben die Mitbewohner des europäischen Hauses abgewartet, bis das Gesetz verabschiedet ist? Die Medienbeauftragte der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, hatte längst Alarm geschlagen: Derlei kenne man nur aus "diktatorischen" Staaten.
Die EU rüffelt gern Unrecht in aller Welt. Sich selbst als Hüter von Recht und Gerechtigkeit dünkend, übersieht sie zu Hause die offene oder schleichende Zerstörung politischer Strukturen. Das ist besonders augenfällig bei den Medien, den Trägern der Meinungsfreiheit. Silvio Berlusconis weiträumige Kontrolle der Massenmedien Italiens wurde von den Kollegen des Regierungschefs nie in der gebotenen Schärfe kommentiert.
In Ungarn war die Abstimmung zum Mediengesetz jetzt nur Schlusspunkt eines konsequenten Prozesses. Auch hier mochte niemand rechtzeitig brandmarken, dass die Medien gefügig gemacht werden sollten. Dabei hätte Druck auf die um ihr ehrsames Bild im Ausland so besorgte magyarische Regierung noch einiges verhindern können.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer lobte vor kurzem noch in Budapest mit offenem Neid Premier Orbán für die tatkräftige Art, das Land umzukrempeln. Ob dem Lobredner klar war, dass er da dem gesetzlichen Ende der Pressefreiheit huldigte? Der dramatischen Beschränkung der Kompetenzen des Verfassungsgerichts? Einem Notstandsermächtigungsgesetz über die gesamte Wirtschaft? Einem Staatsbürgerschaftsrecht, das Millionen Bewohner anderer Länder zu Bürgern Ungarns macht und damit die Nachbarn zutiefst verstört?
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Medienrecht in Deutschland und Ungarn Angst vor der Wahrheit 23.12.2010
- Pressefreiheit in Ungarn Viktor Orbán, ein Mann wird zum Problem 29.12.2010
- Pressefreiheit in Ungarn Ungarn und der "Haider-Paragraph" 22.12.2010
- Strenges Mediengesetz Merkel rügt Ungarn 22.12.2010
- Ungarisches Mediengesetz "Eine Gefahr für die Demokratie" 22.12.2010
- Staatsschulden außer Kontrolle Moody's senkt Ungarns Bonität auf Schrottniveau 25.11.2011
- Europäische Schuldenkrise China hilf! 13.09.2011
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
sondern auch in der neuen Bananen Republik Deutschland.
In dieser Demokratur gibt es lt. Wikileaks zu viel Gefälligkeits-Journalismus und vorauseilenden Gehorsam der Medien gegenüber der Macht.
Der Raubtier- und Kasinokapitalismus macht auch vor Medienhäusern nicht halt.
Sie laufen dem Goldenen Kalb hinterher oder voraus.
Allgemeines Pfui !
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
"Selbiges haben auch Ihre Mitkommentatoren bereits geschrieben.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Moderator"
Darauf geschrieben hat lediglich einer: "Die Selbstzensur der Deutschen Medien ist mittlerweile unerträglich geworden, da brauchen die garnicht mit dem Finger auf andere zeigen!! Insbesondere dieses Blatt hier, welches sich immer mehr zum Käseblatt und BLÖD-Abklatsch entwickelt."
Sie stehen mit Ihrem Hausrecht reichlich einsam da. Wie die Zeugen Jehovas vor dem Bahnhof, die auch glauben, ein Hausrecht im Wachtturm und im Bahnhof zu haben.
Aber jetzt verbünden Sie sich ja mit den Konservativen in Ungarn. Hausrecht. Basta.
"Sueddeutsche.de besitzt das Hausrecht einen Kommentar zu sperren, der unseren Regeln widerspricht. Dies Regeln haben Sie per AGB angenommen."
Und genau das glauben die ungarischen Konservativen auch: dass sie das Hausrecht haben. Sie haben es schließlich erlassen. Da ist ein Grundrecht der Menschenrechtcharta der UN (Meinungsfreiheit) ein minderes Recht. Oder die deutsche Verfassung, die nicht nur Pressefreiheit vorsieht, sondern ganz dezidiert auch Meinungsfreiheit. AGB´s können übrigens in diesem Lande weder die Verfassung noch Gerichtsurteile aushebeln.
Hausrecht schlägt alles. Auch die Binsen. Die der eigenen billigen Wahrheiten.
"Demnach wird in den Medien schon seit längerem kein kritischer Bericht über die Regierung mehr gesendet bzw. gewagt."
Paging