Online-Razzien versus Schweigepflicht: Das neue BKA-Gesetz nimmt auch Ärzte nicht aus. Wie sich die Mediziner dagegen wehren, die Geheimnisse ihrer Patienten offenzulegen.
Ein Mann wird mit einer schweren Verbrennung in ein Krankenhaus gebracht. Um ihn optimal behandeln zu können, müssen die Ärzte ihn befragen, wie er sich verletzt hat. Der Mann, der den Ärzten vertraut, gibt bereitwillig Auskunft.
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Durchsichtiger Patient: Tritt das BKA-Gesetz in Kraft, darf das Bundeskriminalamt bei konkreter Gefahr für eine terroristische Straftat Auskunft von Ärzten verlangen. (© Foto: ddp)
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Doch am nächsten Tag besuchen Ermittler des Bundeskriminalamts das Krankenhaus und wollen wissen, ob Sprengstoff im Spiel war. Man habe den Verdacht, der Mann könnte ein Attentat geplant haben, heißt es als Erklärung.
Wenn das von der Bundesregierung geplante BKA-Gesetz in Kraft tritt, sind solche Szenen grundsätzlich denkbar. Denn erstmals darf das Bundeskriminalamt dann bei konkreter Gefahr für eine terroristische Straftat Auskunft von Ärzten verlangen. Der sonst gültige hohe Schutz für das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten darf dann aufgehoben werden.
Für Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe ist diese Vorstellung unzumutbar. "Das geplante BKA-Gesetz ist ein Angriff auf die Bürgerrechte, die ärztliche Schweigepflicht und das Patient-Arzt-Verhältnis", kritisiert Hoppe in einer Stellungnahme. Die Verschwiegenheitspflicht sei für die Arbeit von Ärzten schließlich eine absolute Voraussetzung. Ähnlich äußerte sich auch der Marburger Bund, der die Krankenhausärzte vertritt.
Zwei-Klassen-System beim Datenschutz
Was Ärztepräsident Hoppe besonders ärgert, ist die vom Gesetzgeber getroffene Unterscheidung zwischen zwei Gruppen von Berufsgeheimnisträgern. So dürfen laut Gesetzesentwurf Abgeordnete, Seelsorger und Strafverteidiger den Ermittlern Auskünfte komplett verweigern. Für Ärzte und Journalisten gilt dagegen nur ein relativer Schutz. Bei großer Gefahr müssen Mediziner den Fahndern Patientenakten zeigen und Informationen aus Gesprächen preisgeben.
Dieses "Zwei-Klassen-System" sei nicht zu rechtfertigen, klagt Hoppe. Es gebe keine schlüssige Begründung dafür, dass das Verhältnis zwischen Abgeordneten und Wählern schützenswerter sei als das zwischen Ärzten und Patienten. "Auch Patienten müssen sich voll und ganz ihrem Arzt offenbaren können", sagt er.
Unterstützung bekommen die Ärzte von Datenschützern: "Die Unterteilung in zwei Gruppen von Berufsgeheimnisträgern ist nicht sinnvoll", sagte ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. Man habe diese Zweiteilung schon beim 2008 eingeführten Telekommunikations-Überwachungsge-setz kritisiert.
Der Sprecher versuchte jedoch auch, die Sorgen der Ärzte zu mildern: "Wir erwarten nicht, dass künftig reihenweise Ärzte abgehört und ausgefragt werden." Schließlich müssten die Ermittler das Gebot der Verhältnismäßigkeit beachten: Sie müssten in jedem Einzelfall abschätzen, ob die konkrete Terrorgefahr so hoch sei, dass sie ein Abweichen von der ärztlichen Schweigepflicht rechtfertige.
Kritisch äußerte sich auch der Sprecher der Grünen für innere Sicherheit, Wolfgang Wieland. "Dass Ärzte vom BKA abgelauscht und überwacht werden, geht absolut zu weit", sagte er. Die Grünen lehnten das Gesetz ganz grundsätzlich ab, weil es dem BKA ein ganz neues Arbeitsfeld erschließe.
Vertreter der großen Koalition wiesen die Kritik dagegen zurück. "Der absolute Geheimnisschutz muss im BKA-Gesetz die absolute Ausnahme bleiben", sagte CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach. Wenn alle Berufsgeheimnisträger von der Auskunftpflicht ausgenommen würden, wären das mehrere hunderttausend, warnte er: "Wir können es nicht zulassen, dass so viele Menschen ihr Wissen nicht weitergeben, auch wenn damit Menschenleben gerettet werden können."
Mit Befremden reagierte auch der SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz auf die Kritik der Ärzte. Er habe hohen Respekt vor Medizinern, aber ihre Rolle sei eine andere als die von Strafverteidigern und Abgeordneten. Sie seien keine Verfassungsorgane. "Das Parlament ist ein wenig wichtiger als ein wichtiger Arzt", sagte er.
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(SZ vom 12.11.2008/hai)
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"Schließlich müssten die Ermittler das Gebot der Verhältnismäßigkeit beachten: Sie müssten in jedem Einzelfall abschätzen, ob die konkrete Terrorgefahr so hoch sei, dass sie ein Abweichen von der ärztlichen Schweigepflicht rechtfertige."
Ich sehe schon die Scharen aufrechter Ermittler vor mir, die, sich nervös in schwierigen Abwägungsprozessen von einem Fuß auf den anderen wiegend, sich ihren Kopf über dem Dilemma zwischen Datenschutz und "Gefahrenabwehr" zerbrechen...hält sich Herr Schaar
tatsächlich so naive Sprecher oder geht man davon aus, daß man die Bildung mittlerweile weit genug runtergefahren hat, um diese Naivität bei den Rezipienten erwarten zu dürfen?
Wobei...wenn man sich so manche Entwicklungen der vergangenen Jahre in diesem, angeblich "unserem Lande" so anschaut, dürften sie mit dieser Einschätzung wahrscheinlich noch nicht einmal allzuweit daneben liegen...
wenn man heute Zeitung liest, könnte man fast glauben, mitten in einem schelchten Hollywoodstreifen zu sein. Unsere Politik ist dem Wahn unterlegen, alles wissen zu wollen und alles kontrollieren zu wollen. Die Politik selbst ist überzeugt davon, selbst der gute und ehrenvolle zu sein, gibt sich als Schützer und Bewahrer der Menschen. Aber es geht ausschließlich um Machterhalt und Geld: Die Verbandelung zwischen Wirtschaft und Staat war noch nie so stark wie heute und wie sehr es um die Moral und Ehre unserer Politiker bestellt ist, zeigen diverse Skandale und die diversesten Kampagnen unserer Politiker und Parteien höchst selbst.
Unsere Politiker wissen sehr genau, daß sie selbst nicht die so gut und ehrenvoll sind, wie sie uns immer glauben machen wollen. Es wird strategisch nach Strich und Faden gelogen und betrogen: Es wird beschwichtigt und getäuscht was das Zeug hält.
Und was ist die Konsequenz? Wenn Politiker ständig gegen die Interessen und den Willen des Volkes handeln (dem sie eigentlich verpflichtet sein sollten), wird sich das Volk von den Politikern abwenden. Da sie leider die Politikkaste nicht abschaffen können, kehren sie der Politik einfach den Rücken. Desinteresse ist die Konsequenz. Was soll man sich auch noch um Politik kümmern, wenn man nicht nur eh kein echtes Mitspracherecht hat, sondern eh nur nach Strich und Faden getäuscht wird?
Aber natürlich ist das Volk Schuld an der schlechten Wahlbeteiligung. Schon klar.
Und wo führt das ganze hin? In letztendlicher Konsequenz in die Abschaffung der Demokratie: Eine Politikerkaste herrscht über das Land. Kontrolliert alles und jeden. Kritik unerwünscht, denn sie gefährdet die "nationale Sicherheit".
Und wenn alles den Bach 'runter geht heißt es dann von unseren Herren Politikern: "Das hat niemand kommen sehen!" Komisch nur, daß es genügend andere haben kommen sehen.
Wir gehen gefährlichen Zeiten entgegen.
Demnächst beim Arzt:
SEKler stürmen eine Praxis. Sie halten den dortigen Arzt mit der Maschinenpistole in Schach und schreien ihn an: "Es geht um Ihre Patientin XY. Wir haben den dringenden Verdacht, dass diese ein großes Herz hat - äußern Sie sich zu diesen Vorwürfen !!!"
Arzt: "Was erlauben Sie sich, verlassen Sie sofort meine Praxis !"
SEKler: entsichert die MP und säuselt süffisant "Nun ?"
Arzt: "Also gut, ich gebe es zu. Frau XY hat ein großes Herz, na und ?"
SEKler: stößt den Arzt zu Boden und stürmt mit den Worten "Zugriff" ins Wartezimmer, wo er die Patientin XY nach allen Regeln der Kunst fesselt und knebelt.
Bundesinnenminister bei der Pressekonferenz: "Wir haben heute einen großen Coup gelandet und eine Frau festgenommen, die im Verdacht steht, ein großes Herz zu haben".
Höfliches Klatschen der anwesenden Journalisten.
Innenminister weiter: "Für die Sicherheit und Ordnung in unserem Land, ist es wichtig, möglichst alle Menschen mit einem großen Herzen zu elemenier.....äh festzusetzen, da diese ständig auf das soziale Gewissen pochen und der Wirtschaftsstandort Deutschland und unsere persönliche Bereicherung durch solche Extremisten schlimmen Schaden nimmt" und weiter "wir konnten der Frau XY derzeit noch keine Sympathien mit der Linkspartei nachweisen, sind aber zuversichtlich, dass sich diese im Laufe der kommenden Ermittlungen noch beweisen lassen werden".
Frenetischer Beifall der anwesenden Journalisten, die sich vornehmen, in Zukunft besonders auf Menschen mit großen Herzen zu achten und sich vorsichtshalber schon mal die Telefonnummer des BKA ins Handy einspeichern.
Das mit den Seelsorgern und Strafverteidigern müssen Sie verstehen.
Der heimliche Einfluß besonders einer Religionsgemeinschft ist schon seit Konrad Adenauers Zeiten legendär. Wenn man die "rankriegen" würde käme sofort niemand mehr zum Beichten! Und was die Strafverteidiger angeht: Der halbe Bundestag setzt sich doch aus Juristen zusammen.
"Das Parlament ist ein wenig wichtiger als ein wichtiger Arzt", sagte der Politiker.
Stellen wir also wieder das wohl der Masse über das eines Einzelnen?
mal ein bisschen Star Trek gucken schlage ich vor ...
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